Huldre – Tusmørke (Rezension / Review)

Huldre - Tusmørke
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Es gab eine Zeit, die ich einfach mal als obskures „Früher“ bezeichne und mich dabei unsäglich alt fühle, in der es Bands gab, die statt der üblichen Kombi-Gitarre, Bass, Schlagzeug und vielleicht einem Keyboard auch noch so Sonderlinge wie den Dudelsack, Geige und Drehleier mit in ihr Spiel einbauten. Manch einer nannte das dann „Folk Metal“ und wieder andere „etwas schnöde“ und wenig präzise „Mittelalter Metal“. Obwohl ich mal zu behaupten wage, dass man zu mittelalterlichen Zeiten mit dieser Art von Musik (und vor allem Texten) höchstwahrscheinlich schnurstracks auf dem Scheiterhaufen gelandet wäre. Zum Glück gibt es einen solchen heute nicht mehr, und insbesondere Truppen wie Huldre mit ihrem 2016 veröffentlichten Album „Tusmørke“ (was übersetzt aus dem Dänischen „Zwielicht“ bedeutet) haben es sicherlich nicht verdient dort zu landen.

Eines vorweg: Huldre machen nicht viel anders als ihre Kollegen in diesem Bereich und erfinden auch das Genre nicht von Grund auf neu. Ihre folkigen Melodien wissen sie aber so gekonnt auch mit härteren Elementen zu verzieren, dass „Tusmørke“ nicht nur wahnsinnig frisch und aufregend klingt, sondern auch Freunde des Folk sowie des Black Metals gleichermaßen ansprechen kann. Die kraftvolle und vor Energie strotzende Stimme von Sängerin Nanna Barslev setzt dem Ganzen dann noch die Krone auf. Sehr schön ist auch, dass „Tusmørke“ komplett in dänischer Sprache erklingt. Ich finde zudem, dass hier im Gegensatz zu vielen anderen Folk-Truppen verdammt viel Headbang-Potenzial im wahrsten Sinne des Wortes mitschwingt: Huldre gehören sicherlich zu den Bands, die schon auf dem Album Laune machen und live mit Sicherheit noch eine Nummer besser sind.

Purer Folk Metal statt Folk mit Metal

Doch was hat „Tusmørke“ denn nun im Detail zu bieten? Die neun Songs des Albums haben eine angenehme Länge, die selten über sechs Minuten hinausgeht. Das verleiht ihnen eine gelungene „Knackigkeit“. Huldre kommen in jedem Stück schnell auf den Punkt und schleudern einem herrlich folkige Melodien um die Ohren. Dabei stehen die typischen Instrumente jedoch nicht unbedingt im Vordergrund, sondern zeigen sich mit Gitarre, Schlagzeug und Co. im gleichberechtigen Einklang. Auch hier ein Unterschied zu manch anderer Folk-Truppe, denn Huldre klingen immer wie Folk Metal – und niemals wie Folk mit Metal. Ein Pluspunkt, den ich sehr zu schätzen weiß (ohne dabei Bands, die einen anderen Weg wählen, schlecht zu finden).

Neben der klaren und gleichermaßen kräftigen wie lieblichen Stimme von Nanna darf diese gelegentlich auch mal rau und kratzig klingen. Einen schönen Eindruck davon kann man beispielsweise in dem Song „Hindeham“ erhaschen. Als absolute Launemacher kann ich dagegen das rasante „Underjordisk“ oder das melodische „Mørke“ empfehlen – wer da nicht seine Haare fliegen lassen möchte, ist selbst schuld. Dass die Band aber auch ruhigere Töne anschlagen kann, beweist beispielsweise das fantastische „Fæstemand“ oder der Albumausklang „Nattesorg“.

Ich muss gestehen, „Tusmørke“ kam für mich ziemlich überraschend, weil es mich in der Tat vom ersten bis zum letzten Song begeistert hat. Das ist selten. Ich kann nicht nur Interessenten des Folk Metals ein Reinhören empfehlen. Auch jenen, die Härteres gewohnt sind und solchen, die eher auf Power Metal stehen, würde ich vorschlagen ein Ohr zu riskieren. Zumindest wenn sie geneigt sind ihren Horizont zu erweitern.

There was a time, that I simply call „earlier“ (and I’m feeling very old by calling it so) as there were bands that were not only playing a traditional combination of guitar, bass and drums and maybe keyboard. These bands used special instruments like bagpipes, violin and hurdy gurdy, too. Some people called this musical style „folk metal“ and others described it simply as „medieval metal“. Even though I dare to say, that in real medieval times this music (and especially its lyrics) would have brought the musicians, that were playing it, to the pyre. Luckily there is no such thing today and bands like Huldre, with their album „Tusmørke“ from 2016, have certainly not deserved to be exactly there.

One thing in advance: Huldre are not making such a difference than their other colleagues in this genre and they also do not invent the genre from scratch. But their tuneful melodies are so skilfully „decorated“ with heavier elements, that it makes „Tusmørke“ absolutely fresh and exciting. This album can appeal friends of folk metal as well as listeners of black metal. The powerful and energetic voice of singer Nanna Barslev still tops it all off. Also very nice is the fact „Tusmørke“ is completely sung in Danish language. I also think that this album, unlike many others, has a lot of „headbanging potential“. Huldre certainly belong to that kind of band, which are already fantastic on an album, but rather would be live a lot better.

Pure folk metal and not just metal with folk

But what does „Tusmørke“ have to offer in detail? The nine songs of this album have a pleasant length that rarely take longer than six minutes. This gives them a touch of successful „crunchiness“. Each of these songs doesn’t beat around the bush and they’re hurling a pile of wonderful folk melodies around your ears. However, the typical folk instruments are not standing in the foreground, but show themselves in equality with guitar, drums and co. Unlike some other folk bands, Huldre sounds like folk metal – and not like folk with metal elements. A plus that I very much appreciate.

In addition to the clear and equally strong and sweet voice of Nanna, it also may sounds rough and scratchy sometimes. You can get a good impression of this by the song „Hindeham“. I can recommend the fast „Underjordisk“ as an absolut „happymaker“ or the melodic „Mørke“. The one who doesn’t want to shake his hair by listening to this songs, the fault lies with himself. The fantastic „Fæstemand“ proves the band can also handle smoother tones.

I must confess, „Tusmørke“ was quite surprising to me because it really inspired me from the first to the last song. I can not only recommend it to listeners and fans of folk metal bands. But even those who are used to harder tunes and those who are more likely to be on power metal I would suggest to give it a try. At least when they are going to expand „their horizon“.

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