walden – Mantra (Rezension)

walden - Mantra

Erst letztens bin ich mal wieder in den sich immer mehr ausdehnenden Weiten des Bandcamps umhergestreift, und was musste ich dort feststellen? Dass „Mantra“, das aktuelle und auf nur 50 Stück stark limitierte Output von walden immer noch nicht vergriffen ist. Woran liegt’s? Wo ist der Unterschied zum relativ schnell vergriffenen Vorgänger „Wenn die ersten Blätter fallen“? Nun, wenn man mich fragt, dann sicherlich in der Namensgebung. Habe ich bei dem herbstlichen Album schon beim Hören des Titels direkt dichte Wälder und den aufkommenden Frost vor Augen gehabt, so manifestieren sich, wenn ich das Wort „Mantra“ vernehme, sogleich asiatische Tempelanlagen mit Buddha-Statuen in meiner Vorstellung, meine Nase erinnert sich wieder an den süßlich-penetranten Duft irgendwelcher Räucherstäbchen, und aus der imaginären Ferne höre ich die dazugehörigen, von hellen Gong-Klängen begleiteten Mönchsgesänge. Und ja, „Mantra“ ist definitiv anders gestrickt, wie man gleich unschwer am ersten Track erkennen kann. Doch „Der Wanderer“ ist nicht fernöstlich sondern, wenn mich mein feines Gehör nicht komplett irreleitet, eher orientalisch angehaucht. Die sich sensibel in der Ohrmuschel anfühlende Melodie als auch die gelegentlich eingesetzten tiefen Chants sprechen dafür. Und einem musikalischen Tausendsassa, wie Danjiel Zambo es nun mal ist, traut man dies erst recht zu. Jedenfalls weiß der Opener auf ganzer Linie zu überzeugen. Die drei darauffolgenden Songs fühlen sich dann schon etwas mehr nach Fernost an, was vor allem dem permanenten wie hintergründigen Summen zu verdanken ist. Vor dieser Kulisse ist die Akustikgitarre noch dominanter als sonst wahrnehmbar, was die Intensität einer zum Greifen nah liegenden spirituellen Erfahrung ein wenig steigert. Die aufkommende erdige Percussion im vierten Track „Rad der Zeit“ hebt die Stimmung noch zusätzlich leicht an und macht diesen Song zu einer durch und durch runden Sache. Die beiden letzten Kompositionen „Mantra“ und „Stille“ bilden wiederum einen weiteren Einschnitt in der Albumstruktur, bestehen sie doch fast ausschließlich aus einem langsamen und im phonetischen Fluss viele Lücken reißenden Saitengezupfe, wodurch die Stimmung schon fast ins Meditative kippt, was aber nun endlich dem Albumtitel und den anfangs erwähnten Vorstellungen gerecht wird. Diese asketischen Stücke werden aber nicht den Nerv vieler Zuhörer treffen, weswegen es nun doch klar ist, warum „Mantra“ immer noch nicht den Status „Sold out“ erreichte, und das obwohl diese Stücke ebenfalls fernab von jedem Szene-Mumpitz sind, um es mal mit den Worten von Thor (der den Vorgänger im Hammerheart ausführlich vorstellte) zu sagen. Dennoch, wer „Wenn die ersten Blätter fallen“ im Schrank stehen hat, der sollte auch „Mantra“ eine Chance einräumen.

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