Amplified Memory – Vas Hermeticum (Rezension)

Amplified Memory - Vas Hermeticum

„Vas Hermeticum“ ist das zweite, dieses Mal über Sliptrick Records veröffentlichte Album von Amplified Memory, einer noch blutjungen, aber bereits sehr erfahrenen (was sich an der Qualität der Musik dingfest machen lässt) Melodic-Death-Metal-Band aus München. Und auch diesmal beschränkt sich das Sextett nicht nur auf melodisch wütende Songstrukturen, sondern setzt noch stärker als auf dem Debüt „The Ever Spinning Wheel“ auf unberechenbare Progressivität in ihrem Sound. Dabei gehen Amplified Memory wirklich sehr kreativ zu Werke, ohne jedoch die grazil eingewebte Melodik zu vernachlässigen. So flaniert das Keyboard oft mit den verzwickten und zweistimmigen Gitarrenlauten, das Tempo variiert oft zwischen Raserei und meditativer Glückseligkeit, derweil Bass und Schlagzeug regelrecht ein grundstabiles Fundament in rhythmischer Maßarbeit auszementieren. Wer es eher geradlinig mag, der wird auf diesem sich anspruchsvoll steil nach oben windenden und technisch sehr visierten Melo-Death nur wenig Halt finden. Hier herrscht ein permanenter Schlagabtausch zwischen den einzelnen Instrumenten, oft um die Ecken gespielt, in die Irre leitend und sogar aufs Glatteis führend. Dennoch: Hier hat alles Kopf und Fuß, alles ist wie ein tausendteiliges Puzzle feinsäuberlich zusammengesteckt. Um sich hier aber zurechtzufinden, muss man schon etwas mehr Zeit mitbringen. Schließlich gilt es einiges zu entdecken, aber auch zu verdauen, wie etwa die krassen Akzente einiger Gastmusiker. Der dritte Track „A Walk on the Crystalline Path“ wird etwa in der Mitte von einem kosmische Ruhe verströmenden Saxophon-Solo entzweigerissen, in anderen Songs werden Bratsche und Cello sehr stimmig integriert, während bei „End of Transference“ ein wilder Metal-Boogie, vom Keyboarder Simon temperamentvoll auf einem Klavier vorgetragen, beinahe schon zum gepflegten Schwingen der Tanzbeine einlädt. Alles zwar für den Death Metal sehr ungewöhnlich, funktioniert hier aber tadellos. Besonders schön fügt sich auch der cleane Gesang von Isabella Niedermeier in das Konzept, die dem siebten Track eine engelhaft melodiöse Veredlung angedeihen lässt und stark mit den Growls vom Sänger Wolfgang kontrastiert.

In der Gesamtheit haben Amplified Memory mit „Vas Hermeticum“ ein wirklich starkes Album komponiert, welches sich konzeptionell mit der philosophischen Natur von Traum und Realität in Form von beispielsweise Halluzinationen oder Nahtoderfahrungen beschäftigt, und das sich all die zahlreichen Insomnium-Jünger, aber auch alle anderen Liebhaber des abwechslungsreichen Melodic Deaths definitiv auf ihre Post-Christmas-Liste setzen sollten. Hierbei kann man echt nix falsch machen! Dafür stehe ich mit meinem Namen, auch ohne euch eine passierte Hipp-Karotte andrehen zu wollen, haha…