Bergwacht / Seelenlandschaft – Waldpfad (Rezension)

Bergwacht / Seelenlandschaft - Waldpfad

„Jagd“, die erste Demo-Aufnahme der blutjungen Black-Metal-Band Bergwacht, wurde bereits in der ersten Waldhalla-Print-Ausgabe von mir vorgestellt. In der Zwischenzeit haben die drei Jungs drei weitere Songs aufs Band gebannt und zusammen mit Seelenlandschaft, einem ebenfalls sehr jungen, jedoch auf melancholischen Schwarzwurzelpfaden wandernden Ein-Mann-Projekt aus München, das Split-Tape „Waldpfad“ aufgenommen. Da Bergwachts Musik nach wie vor hörens- und empfehlenswert ist und auch Seelenlandschaft einen sehr positiven Gesamteindruck hinterlässt, möchte ich auch über diese Veröffentlichung eine frohe Kunde auf unseren grünen Waldhalla-Seiten verbreiten.

„Zwietracht“, der erste Bergwacht-Track, mag sich anfänglich vielleicht noch etwas schwung- und ausdruckslos anhören, punktet jedoch bei weiteren Durchläufen mit einer sägenden Gitarrenarbeit, die sich nach einer gewissen Aufwärmphase tief bis hin ins Knochenmark zu schneiden vermag. Der anschließende Song „Geisterheere“ spielt dagegen mit wechselnden Gefühlsregungen. Eine sich ruhig und friedvoll wie an einem nebelverhangenen Morgen gebende, lediglich vom erschallenden (Kriegs)Horn gestörte Passage, gefolgt von einem schnellen Akustikgitarrenritt, welcher mich eine Gedankenbrücke zu Dornenreich schlagen ließ, doch plötzlich wird man der tödlichen, von der trügerischen Stille ausgehenden Gefahr gewahr, und auf einmal übernimmt die musikalische Schwärze wieder das Kommando. Ein sehr gelungenes Wechselspiel, doch auf der weiteren Strecke des über 13 Minuten langen Songs geht irgendwann doch die Spannung und somit auch die Hörfreude ein wenig verloren. Hier hätte die Gitarre viel dominanter den Takt vorgeben und insgesamt noch etwas feinfühliger zu Werke gehen sollen, um eine noch intensivere Atmosphäre zu kreieren. Doch für die lange Ausdauer wird man mit „Gier“ belohnt. Der letzte Bergwacht-Song beginnt mit einem Ausbruch schwarzmetallischer Raserei und kippt über ein fulminantes und Band-spezielles Nackenbrecher-Riffing in leicht experimentelle Klanglandschaft um. Wirklich bombig! So habe ich Bergwacht am liebsten! Zusammenfassend betrachtet stellt dieses Material eine konsequente Fortführung des ersten Demos dar. Weiter so!

Seelenlandschafts erste Lebenszeichen, die beiden langen Tracks „Wanderung“ und „Lost Path“ sowie das kurze Outro „Nebelberg“, wurden mit etwas anderem Feuereifer geschmiedet als die Auskopplung von Bergwacht. Weitflächig tragende Gitarrenharmonien mit atmosphärischem Grundanstrich und ästhetisch melancholischen Melodien, die sich mal langsam verträumt dahinschlängeln, doch dann und wann in wütender Verzweiflung oder einer plötzlichen Flucht nach vorne ausbrechen – das ist die stilistische und den Ton angebende „Grundfarbe“ dieses jungen Ein-Mann-Projektes. Das gedämpft eingesetzte, bei „Lost Path“ auch klagend dahinsiechende Gekreische wird regelrecht von himmlischen post-metallischen Gitarren-Tremolos begleitet, die den mit Ohrschmalz bedecken Hammer in permanenter Hörfreude auf das Amboss schlagen lassen. Man könnte hier auch stellenweise Parallelen zu Sólstafir ziehen, wobei die langsameren Post-Parts den einen oder anderen vielleicht auch an Dynfari erinnern könnten, falls man unbedingt einen Vergleich zu Rate ziehen möchte. Mit dem ruhigen Outro kommt die erste, recht rasant an mir vorbeigerauschte Reise zu einem jähen Ende. Mehr davon wäre wünschenswert, also bitte die Gitarre schnell wieder anschnallen und loslegen!