Draupnir – Taruja (Rezension)

Draupnir - Taruja

Folk Metal mit Blockflöte? An sich nichts Ungewöhnliches, ist doch der Einsatz diverser Blasinstrumente eine ganz gängige und von allen eine akzeptierte Angelegenheit in diesem Musikgenre. Draupnir aus Münster, die sich nach dem Zauberring von Odin benannt haben, tanzen hier aber ein wenig aus der Reihe. Warum? Weil die Flöte hier nicht nur als ein netter, kleiner und zusätzlicher Klangklecks agiert, sondern auf weiter Flur ein ausschlaggebender Melodie- und Taktgeber ist. Die barocke bzw. mitunter auch mittelalterlich anmutende Spielweise von Katharina Salo, dem einzigen Mädel im kernigen Männerbund, drückt der Band zudem noch ein weiteres, sehr prägnantes Erkennungsmerkmal auf, ebenso wie ihr opernhafter Gesang, zum Teil auch auf Finnisch vorgetragen, was auf eine klassische Musik- und Gesangsausbildung schließen lässt. Bei mir trifft so etwas immer voll ins Schwarze, denn aus diesem Grund mag ich auf der einen Seite auch das barocke und mit klassischen Instrumenten angereicherte Liedgut von Rhapsody (of Fire), und bin auf der anderen solch dunklen Töne wie denen von den symphonischen Nazgûl aus Italien ganz und gar nicht abgeneigt. Draupnir liegen mit ihrer Mischung irgendwo dazwischen, nicht zu sonnig, aber auch nicht zu dunkel. Ihr Folk Metal ist vielmehr sehr kontrastreich, vor allem im Hinblick auf den harschen Gesang des Hauptvokalisten Daniel zu dem flotten, barfüßig leichten und heiteren Flötenspiel von Katharina, und mit einer gewissen Epik ausstaffiert. Man könnte hier sogar von Epic Folk Metal sprechen, wenn man denn gewillt sein sollte. Beim ersten Durchlauf von „Taruja“, so der finnische Titel des Debüts, welcher soviel wie „Geschichten“ oder „Erzählungen“ bedeutet, kann dies alles noch recht ungewöhnlich erschallen (war bei mir auch nicht anders), aber mit jedem weiteren verfestigt sich diese Konstellation zu einer immer harmonischer erklingenden Einheit. Die restliche Instrumentenfraktion, bestehend aus Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboard, liefert auch schließlich eine grundsolide metallische Basis für diese Andersartigkeit. Am besten ist dies in dem dreizehnminütigen Song „Die Nibelungen“ nachzuprüfen, wo wirklich alle der Band zur Verfügung stehenden Register gezogen werden. Neben „Die Jagd“ und „Winter“ mein Favorit. Aber all die anderen Songs sind ebenfalls gelungen und ergeben eine komplett abgerundete Sache. Draupnir sind eine echte Überraschung, die positiv aus der Masse hervorsticht. Wer Folk und Pagan Metal liebt und diese Band ignoriert, der begeht einen großen Fehler. Ich freue mich jedenfalls jetzt schon auf weiteres Liedgut aus deren Feder! Doch etwas Verbesserungswürdiges möchte ich auch noch anmerken: Das schlicht gestaltete Band-Logo passt nicht zu dieser tollen Musik. Bitte für die nächste CD ein etwas verspielteres Logo entwerfen! Das Auge hört ja schließlich mit. Danke!