Drudenstein – Ferne Lichter, alte Geister (Rezension)

Drudenstein - Ferne Lichter, alte Geister

Gegründet wurde das Ein-Mann-Projekt „Drudenstein“ bereits 2014 und so sind auch die sechs Tracks, die sich auf dem Demo-Tape befinden, von dort an bis zum Release im Oktober 2016 entstanden. Es handelt sich hierbei nicht um eine astreine klangliche Qualität, die Produktion hätte etwas druckvoller sein können, aber für ein erstes Demo-Tape will ich mich mal nicht beschweren. Ich muss gestehen, es ist außerdem nicht ganz einfach sofort Zugang zu diesem Material zu finden. Das instrumentale Intro „Ein willkommener Gast“ klingt etwas verdreht, aber daran ist der Einsatz des Streichpsalters schuld, welcher wiederum die Erinnerung an Songs wie die von Dornenreich wachrüttelt.

Drudenstein Illustration

Im Gesamten geht es hier recht düster und (natur)mystisch zu. Besonders die Feldaufnahmen tragen wunderbar zu dieser Atmosphäre bei. Auch der gewählte Name für das Projekt klingt schlüssig. Ich musste dabei sofort an Trolle, Kobolde und Baumgeister denken. Das ist vielleicht auch die Intention von T.W., obwohl es lyrisch gesehen hier nicht nur um die romantische Betrachtung der Natur geht, sondern ebenfalls um den Natur-Kultur-Dualismus. Soll heißen, dass das Verhältnis zwischen Mensch und Umwelt präzisiert und in den Texten aufgelöst wird. Diese kann man auch gern beim Musiker anfordern – sie werden von drei unterschiedlichen Sä(n)gern vorgetragen, wobei es bei dem herrlichen Black-Metal-Gesang sporadisch schwierig ist, die Wörter alle genau zu verstehen. Einem von Dreien, nämlich dem Frontmann der Band Dämmerfarben, kann man nicht absprechen, dass er indirekt einen gewissen Einfluss auf das Schaffen von Drudenstein hat. Nebst dieser Formation werden aber auch die Einflüsse der alten Ulver-Scheiben sowie von Agalloch, Darkthrone und Trollskogen genannt.

Das Lodern ferner Feuer
beschwingt zur letzten Stund‘
Der alte Geist erklimmt den Fels
des grauen Riesens Schlund

Der mit seichten Gitarrenklängen begleitete Song „Gran och dagg“ (mein Favorit des Tapes) wurde sogar in Schweden aufgenommen: Erneut erwachende Erinnerungen an die ruhige und traumhaft schöne Natur, weit oben im Norden. Wobei diese Erinnerung beim Track „Begraben unter Wellen“, mit seinen schnelleren und raueren Passagen, wieder etwas verblasst. Dann dringt eher eine trockene Kälte durch, wie man sie in Schweden des Öfteren erleben kann. Die klar gesprochenen Worte bringen noch etwas Abwechslung in diesen längsten aller Songs hinein, und besonders die Ergänzung um die etwas „hohlen Klopfgeräusche“, die wie große aufprallende Wassertropfen klingen, passt gut zum Titel des Tracks.

Jedenfalls glaube ich, dass dieses Projekt noch eine Menge Potenzial birgt. Auch die Optik des Tapes mit den schönen Illustrationen weiß die Naturmystik sehr gut zu untermalen. Ich bin gespannt, was der krautige Kopf hinter Drudenstein uns als nächstes bescheren wird. Es sei mir „ein willkommener Gast“!

(Illustration: © Drudenstein)