Eneferens – The Inward Cold (Rezension)

Eneferens - The Inward Cold

Auch wenn der Albumtitel und ein erster Blick auf das Cover mit seinen verschneiten Bergen und der nadelbaumdominierten Waldlandschaft in feinster Taiga-Manier etwas anderes versprechen mögen: Ganz so frostig geht es auf „The Inward Cold“ des amerikanischen Solokünstlers Jori Apedaile – der hier unter dem Namen Eneferens agiert – dann doch nicht zu. Denn so sehr das lediglich aus drei Songs bestehende Erstlingswerk des aus Montana stammenden Apedaile auch mein Innerstes wie eine Schneekugel aufrütteln möchte, um winterliche Assoziationen die Oberhand gewinnen zu lassen, wird mir doch ein ums andere Mal ziemlich warm ums Herz. Das liegt vor allem an den sanft eingespielten Klargesang-Parts, die zwar nicht die Haupt-, dafür aber eine fast schon zerbrechlich-zierliche Nebenrolle spielen. Vielleicht sind sie Teil einer undefinierten Sehnsucht, die im krassen Gegensatz zu dem von einem hohen Gipfel in die Welt hinaus geschrienen Growlgesang steht, der wesentlich primitivere Emotionen in mir wachrütteln möchte. Vielleicht lasse ich mich aber auch nur ein kleines bisschen zu sehr mitreißen. Denn obwohl „The Inward Cold“ in sich stimmig ist, kann hier kein großartiges Neuland in der Welt des atmosphärischen Black Metals gewonnen werden. Für mich glänzt allerdings genug Potenzial im Schnee, um dem Album einen festen Platz in meiner Sammlung zu verpassen.

Mit knapp 34 Minuten Spielzeit bleibt „The Inward Cold“ ein eher überschaubarer Ausflug in den hohen Norden, bei dem Apdaile durchweg gute Arbeit abliefert: Gitarren, Gesang, Schlagzeug, klavierliches Hintergrundgeklimper – von der technischen Seite habe ich wenig zu meckern. Lediglich beim Einfallsreichtum könnte man mehr verlangen, wenn man gewillt ist. Die Mischung aus kalten Riffs und dem zerbrechlich wirkenden Klargesang kommt für mich allerdings stimmig rüber; und auch ansonsten macht das Werk für mich atmosphärisch alles richtig. Mit „The Mermaid“ bietet „The Inward Cold“ einen vergleichsweise sanften Einstieg, der nur in der Mitte von basslastigem Gesang und härteren Gitarren unterbrochen wird. Erst ab dem zweiten Song „Winter Heart“ spürt man überdeutlich, dass man es mit atmosphärischem Black Metal zu tun hat. Hier wird gleich zu Beginn Wert auf eine härtere Gangart gelegt, die auch mit dem Wechsel zum dritten und letzten Stück „The Sky“ (trotz seines ebenfalls wieder seichten Einstiegs mit Hilfe einer beruhigend ätherischen Gitarre) nicht gewechselt wird.

Betrachtet man unter all diesen Aspekten noch einmal die einsame Landschaft des mutmaßlich amerikanischen Nordens auf dem Cover und das blackmetaltypische Logo (trotz seines leichten Fantasy-Ansatzes), wird schnell klar: What you see is what you get. Nicht mehr und nicht weniger. Für eine Erstveröffentlichung ist „The Inward Cold“ ein solides Machwerk und ich verneige mich ein weiteres Mal vor der musikalischen Leistung, die hier ein Einzelner erbracht hat. Das klingt zwar jetzt etwas fehl am Platze, aber ich habe schon weitaus schlimmere „Erstlinge“ zu Hören bekommen. Bei lediglich drei Songs erscheint es zudem ein wenig albern, einen Anspieltipp abgeben zu wollen. Ich kann euch allerdings guten Gewissens „The Sky“ ans Herz legen, den Song, der mich von diesem Dreiergespann am meisten beeindruckt hat.