Entropia Invictus – Human Pantocrator – Opus Humani (Rezension / Review)

Entropia Invictus - Human Pantocrator
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Manch einer könnte behaupten, das neue Album der Franzosen von Entropia Invictus (früher nur Entropia) wäre nicht wirklich „grün“ und somit vielleicht auch auf Waldhalla ein wenig fehl am Platze, doch dazu könnte man erwidern, dass die Natur selbst nicht nur aus grünen oder waldigen Elementen besteht. In Ihrer Gesamtheit ist sie vielmehr ein Konglomerat aus unzählig vielen verschiedenfarbigen, sich ergänzenden und fest miteinander verwachsenen Bausteinen. Und wenn man sogar etwas weiterdenkt, dann umfasst sie ausnahmslos alles um uns herum, auch uns Menschen mit unseren mannigfaltigen Maschinen und Bauwerken. Aus diesem Grunde passt auch „Human Pantocrator“ sehr gut zu Waldhalla, auch wenn es anscheinend nicht zu dem von mir als „Bio-Metal“ bezeichneten Genre gehört.

Die Spielart von Entropia Invictus wird als eine Mischung aus symphonischem Black und Death Metal beschrieben. Soweit so klar und nichts Neues. Doch beim Vernehmen der ersten Klänge des Eröffnungstracks könnte man meinen, die falsche CD im Laufwerk zu haben. Eine derart findige Gitarrenarbeit mit einem hohen weiblichen Chorgesang gepaart kennt man doch sonst nur von so Bands wie Rhapsody of Fire und Konsorten. Also what the hell hat so etwas im Black und Death Metal zu suchen? In der Regel nicht viel, doch in diesem konkreten Fall kann dies jedoch nicht abwertend in Betracht gezogen werden, denn nach genauerem Hinhören wird man schnell (und womöglich auch überrascht) feststellen müssen, dass hier die dunklen und hellen Musikelemente wirklich gut miteinander harmonieren. Diese Andersartigkeit hebt Entropia Invictus natürlich stark von anderen Acts ab, so dass ich spontan keine Vergleiche zu dieser Band heranziehen kann. Die öfters eingestreuten Choreinlagen werden auch stets von bleiernen Riffs und harschen Growls abgelöst und regelmäßig mit Blastbeats unterstrichen, wobei das Ganze mit einer echt gut klingenden Melodik versetzt ist. Obwohl dieses vordergründige Keyboardgeplänkel, vom Piano-Part in „Euphoria’s End“, welches vom Gastmusker Xavier Gatepain eingespielt wurde, mal abgesehen, mit einem Computer generiert wurde, ist es hier wirklich sehr bombastisch ausgefallen. Die Melodien würde ich stellenweise auch schon als barockartig beschreiben, weshalb hier ein weithergeholter Vergleich mit Rhapsody of Fire vielleicht doch nicht so ganz verkehrt ist. Sie könnten aber auch sehr gut zu einem Videospiel wie etwa „Castlevania“ passen. Wirklich klasse sind auch die anderen orchestralen Arrangements, z. B. im dritten Track „The Builder / The Destroyer“, wo die rhythmischen Geräusche von Hammerschlägen imitiert werden. Trotzdem, das Hauptgerüst dieses Albums ist das todesartige Schwarzmetall. Die Death-Metal-Schlagseite trägt hier aber ganz klar den Sieg davon und drückt der Scheibe den prägnantesten Stempel auf, weshalb Black Rhapsody vielleicht ein viel passenderer Name als Entropia Invictus für die Band gewesen wäre, hehe… Häufige Breaks und Tempowechsel sowie gelegentlicher, die Story des Konzeptalbums erzählender Sprechgesang, lockern die elf vorhandenen Tracks zusätzlich und regelmäßig mehr oder weniger stark auf, weswegen man hier als Hörer nie an den Ufern der Langeweile stranden wird.

Das Konzept um den Menschen, der sich sehr gerne mal als Weltenherrscher ansieht (dieser Wurm), dürfte auf Anhieb viele Metal-Hörer ansprechen. Sein Glaube und die Suche nach seinem Platz im Universum, seine Ängste, verbunden mit einer Ungewissheit, seine Kreativität und sein Schöpfungsdrang auf der einen Seite sowie seine Verrücktheit, seine Unberechenbarkeit und der Hang alles Erschaffene wieder zerstören zu wollen auf der anderen Seite, durch diese, zu einer Einheit vermengten aber gegensätzlichen Einstellungen steht sich der Mensch fortwährend selbst im Weg. Das Artwork des Covers, welches ein Bildnis einer imaginären Gottheit zeigt, die bei einer genaueren Betrachtung eine Mischform aus verschiedenen Religionen darstellt, stellt diese thematisierte Problematik sehr gut dar. So gesehen passt die Scheibe thematisch doch zu Waldhalla, um hier einen Bogen zum Anfang des Reviews zu schlagen und den Kreis zu schließen. Daraus lernt man, dass man viel öfters etwas genauer hinhören oder hinsehen sollte.

Wer auf der Suche nach etwas Neuem ist und sich von einem Death-Metal-Bastard abseits der definierten schwedischen oder amerikanischen Genre-Standards nicht abschrecken lässt, der sollte bei „Human Pantocrator – Opus Humani“ definitiv ein Ohr riskieren. Wo sonst kriegt man Engelchöre und teuflische Growls zusammen auf einen Silberling gepresst geboten?

Some might argue that the new album by the French band Entropia Invictus (formerly Entropia) would not be really „green“ and thus perhaps also a little out of place on Waldhalla, but one could say that nature itself does not consist just of green or wooden elements. In its entirety, it is rather a conglomeration of many countless differently coloured, complementary and firmly interlinked building blocks. And if you even think about it, then it encompasses all around us without exception, including mankind with our varied machines and buildings. For this reason, „Human Pantocrator“ fits very well to Waldhalla, even though it does not seem to belong to the genre I call „bio-metal“.

The genre of Entropia Invictus is described as a mixture of symphonic black and death metal. So far so clear and nothing new. But when you listen to the first sounds of the opening track, you might think it’s a wrong CD in the drive. Such an ingenious guitar work paired with a high female choral singing is known only from such bands as Rhapsody of Fire and bands like this. So what the hell has this to do in black and death metal? Generally not much, but in this case, this can not be depreciated, because after listening closely you will quickly (and possibly also be surprised) realize that dark and bright musical elements harmonize very well here. Of course, this variety makes Entropia Invictus strongly different from other acts, so I can not spontaneously speak of comparisons to this band. The often interspersed choir insertions are always replaced by leaden riffs and harsh growls and regularly underlined with blastbeats, the whole is offset with a really good sounding melody. Although this superficial keyboard skirmish, from the piano part in „Euphoria’s End“, which was recorded by the guest musician Xavier Gatepain, apart from, was generated with a computer, it really turned out to be very bombastic here. The melodies could be described as in a baroque style, which is why a far-fetched comparison with Rhapsody of Fire is maybe not so completely wrong. But they could also fit very well in a video game like „Castlevania“. The other orchestral arrangements are also really great, for example, in the third track „The Builder / The Destroyer“, where the rhythmic sounds of hammer hits are mimicked. Nevertheless, the main framework of this album is the death-like black metal. The death metal hit is clearly the winner of the record, and the Black Rhapsody is perhaps a much more appropriate name than Entropia Invictus for the band, hehe… Frequent breaks and tempo changes as well as occasional spoken words, which tell the story of the concept album, open up the eleven existing tracks more or less strongly, so you will never be stranded on the shores of boredom as a listener.

The concept of the human being, who likes to look at himself as a ruler of the world (this worm), should immediately appeal to many metal listeners. His faith and the search for his place in universe, his fears, connected with an uncertainty, his creativity and his urge to create on the one hand, his madness, his unpredictability and the inclination to destroy all created on the other side, through this, but in a unity blended but opposing attitudes, man continually stands in his way. The artwork of the cover, which depicts an image of an imaginary deity, which, on closer examination, represents a hybrid form of different religions, represents this thematic problem very well. Looking from this point of view, the disc fits well with Waldhalla, just to close the circle. Through this you can learn, that one should listen or look a lot more often.

Anyone who is looking for something new and can not be deterred by a death metal bastard apart from the defined Swedish or American genre standards, should definitely risk an ear at „Human Pantocrator – Opus Humani“. Where else can you get angelic choirs and devilish growls pressed together on a silver plate?