FB 1964 – Störtebeker (Rezension)

FB 1964 - Störtebeker

FB 1964? Was zur Hölle ist das für ein seltsamer Bandname, habe ich mir erst gedacht. Aber nach dem Anknipsen der grauen Zellen kam mir sofort der naheliegende Gedanke, dass diese Abkürzung für die Initialen und das Geburtsjahr von Frank Badenhop steht, welcher dieses Projekt mit zwei weiteren Musikern betreibt und uns auch ein Exemplar ihres neusten Konzeptalbums mit dem Titel „Störtebeker“ zusandte. Das Schöne an dieser CD ist auch die Tatsache, dass der Erlös des Verkaufs dem Schutz der Regenwälder zugutekommt. Somit kann man Frank und seiner Truppe keine monetären Gründe unterstellen, wie es in einem professionellen Magazin geschehen ist. Dies beweist wieder einmal mehr, dass die „Profis“ sich oftmals nicht mal das bisschen Zeit für die Sichtung eines Booklets oder Covers nehmen (können), von dem notwendigen ausgiebigen Musikhören ganz zu schweigen. Oder wie sonst soll man sich solche unsachgemäßen und oftmals unbegründeten Verrisse erklären? Immerhin hat Frank massive Unterstützung von zahlreichen bekannten Größen aus der Rock- und Metal-Musik-Szene für sein aktuelles Projekt erhalten, die wohl alle einen kleinen Beitrag für eine gute Sache leisten wollten. Die Reihe der Gastsänger oder -solisten umfasst viele allseits bekannte Namen, darunter Udo Dirkschneider, Chris Boltendahl, Victor Smolski oder auch John Norum, um einige Beispiele zu nennen, deren nahtlose Aufzählung im Booklet eingesehen werden kann. Mit ihren melodischen Stimmen bzw. den perfekten Fähigkeiten an den Instrumenten tragen sie alle dafür Sorge, dass dieses Album auf gar keinen Fall im schlechten Licht dasteht.

Den Anfang macht eine rein instrumentale Nummer, bei der man, wenn man dort genau hinhört, feststellen kann, dass sie sogar leichte pagane Ansätze im Gitarrenspiel mitschwingen lässt, selbst wenn der Grundmörtel unverkennbar aus klassischem Heavy Metal der 80er besteht. Und auch wenn dies folgenderweise nichts Neues ist, so wurde dieses Album ganz bewusst nach der Rezeptur für altes Eisen eingespielt, was direkt bei der nachfolgenden Nummer „Restless and Wild“ merklich hörbar ist. Man darf hier also keine großartigen Prog-Anteile erwarten, noch etwas Wildes oder nie Dagewesenes. Die Liebe der Musiker für den liebgewonnenen „altmodischen“ Metal ist aber immerdar präsent, was sporadisch in langen (stellenweise vielleicht schon überzogenen) Instrumentalpassagen zum Ausdruck kommt. Dies ist sicherlich gut gemeint, kann aber bei dem einen oder anderen den Geduldsfaden arg strapazieren. Etwas kürzere und straffere Songs ohne die vielen Standardfahrten auf der Ton-Leiter hätten das Gesamtergebnis womöglich um einiges knackiger erschallen lassen. Aber es ist halt wie es ist, und immerhin gibt es durch den exzellenten Einsatz einer Violine in einigen Songs eine angenehme Folk-Note sowie das nötige Maß an Abwechslung. Und die obligatorische Ballade ist natürlich auch vorhanden. Für Freunde des blanken Stahls kann dieses Musikwerk durchaus eine empfehlenswerte und wirklich lohnende Anschaffung sein, die ihr volles Potenzial erst bei mehreren Durchgängen offenbart. Passt zumindest thematisch und geschmacklich hervorragend zu den Störtebeker-Bieren. Das gilt ganz besonders für das letzte, etwas aus dem Rahmen tanzende Slime-Cover-Sauflied, das vom Meister-Trunkenbold Andreas „Gerre“ Geremia von Tankard vorgegrölt wird: „Störtebeker – wir vergessen dich nicht! Störtebeker – und wir trinken auf dich!“ In diesem Sinne: Prost!