Gedanken toten Lebens (Rezension)

Gedanken toten Lebens

Nun ist es soweit! Mit dieser ersten Rezension möchte ich meinen Einstieg beim Waldhalla Mag beginnen und mich auch noch einmal beim Team für die artgerechte Unterbringung bedanken.

Auf 500 Stück limitiert kommt die Dark-/Black-Metal-Scheibe „Gedanken toten Lebens“ daher. Es scheint, dass der Name des Projektes und der Albumtitel ein und derselbe sind, was auf ein Konzeptprojekt hindeutet. Solveig, die Sängerin und Texterin, durfte ich schon persönlich kennenlernen. Sie war früher bei Aigilas tätig. Der zweite im Bunde, verantwortlich für die musikalische Umsetzung, möchte nicht genannt werden. Es ist das bisher einzige Album der beiden, welches 2015 in Eigenproduktion erschienen ist. Der erste Blick auf das Jewel Case in meiner Hand belohnt mich mit der Düsternis einer Waldlichtung und einem zur (meiner Meinung nach) Sonne aufsteigenden Vogelschwarm. Man könnte denken: „Na ja, typisches Natur-Cover-Artwork.“ Jedoch wird mir beim Hören dieser vielseitig interpretierbaren CD die Auswahl dessen immer klarer. Klappt man das Case auf, dominieren weiterhin Wald und Strauch, doch sobald man die eigentliche CD herausnimmt, kommt eine (für mich) große Überraschung zum Vorschein, welche mich später in meiner Interpretation des Albums nur noch bestätigen wird. Eine Binderune, welche die Lebensrune Algiz und die Todesrune gemeinsam zeigt… Bevor ich auf die Musik und Thematik an sich eingehen kann, ist es wichtig zu erwähnen, dass ich dieses Album als philosophisches Werk betrachte. Und in der Philosophie gibt es viele Wahrheiten… Das heißt, dass ich dem Hörer die Interpretation des Inhalts selbst überlassen möchte und meine dementsprechend nur kurz halten werde…

„Gedanken toten Lebens“ ist ein interessantes und abwechslungsreiches Album. Die atmosphärischen Lieder sind größtenteils im sägenden Mid-Tempo gehalten und vermischen bestimmte Stilelemente miteinander. Es sind Akustik-Passagen zu finden, klassische Pagan-Black-Blastbeats bis hin zu gewissen Doom- und Death-Einflüssen, ab und zu von atmosphärischen Synths untermalt und von gut eingearbeiteten Natursounds umschmiegt. Solveigs Stimme vollendet die intellektuell hochwertigen Lieder und gibt dem gesamten Album einen hohen Grad an Wiedererkennungswert und Besonderheit.

Beim ersten Hördurchgang mag das Album einen sehr depressiven, suizidalen Charakter haben. Schaut man, oder besser hört man allerdings über den Tellerrand hinaus, entfaltet sich eine Tiefe, von der sich namhaftere Kapellen einige Scheiben abschneiden könnten. Es wird vom Tod als Erlösung gesprochen, was meiner Meinung nach aber nicht wörtlich zu nehmen ist. Vielmehr verstehe ich hier den Tod als die positive Trennung vom Geist – vom Leben – und von seinem gefesselten Körper – vom Tod – also dem derzeitigen Zustand des Menschenbreis. Ein Dahinvegetieren ohne Ziel und Verstand. Durch die Trennung, hier der Tod, wird der Geist frei und die individuelle Gestaltung des WAHREN Lebens beginnt. Man könnte dies als metaphorische Meditation sehen oder schlichtweg als Aufruf zum „Gesellschaftsausstieg“ interpretieren. In jedem Fall bedeutet das Album für mich: Die Sehnsucht nach der Freiheit des Individuums. Weitere Gedanken möchte ich an dieser Stelle für mich behalten, auf dass der Hörer sich die Zeit nimmt dieses gelungene Album tiefgründig auf sich wirken zu lassen und in sich selbst nach Antworten auf seine Fragen sucht.

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