Hermóðr – The Howling Mountains (Rezension / Review)

Hermóðr - The Howling Mountains
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Bereits beim atemberaubenden Anblick des Covers läuteten bei mir die „summoningschen“ Alarmglocken, kam mir doch der Stil des verwendeten Gemäldes wahrlich bekannt vor. Genau wie Summoning oder Caladan Brood bedienen sich auch Hermóðr, nebst einigen anderen Bands, der Werke Alfred Bierstadts. Damit ist die Optik einer CD-Aufmachung im Grunde schon unanfechtbar, wobei ich mir wünschen würde, dass bei derartiger Musik auch mal unbekannte Künstler ihr Können unter Beweis stellen könnten. Ich habe mich schon immer gefragt: Wie kann Herr Bierstadt denn sein Copyright noch wahren? Haha… Nichtsdestotrotz muss man diese aufs Papier gebannte Landschaften und deren Verstrickung mit epischer Musik einfach nur mögen… „The Howling Mountains“ wurde erst im Herbst 2016 geschrieben, und bereits kürzlich wurde das nächste Album (was allerdings einen etwas anderen Pfad einschlägt) mit dem Namen „Hädanfärd“ veröffentlicht. Generell muss man dem schwedischen Einzelkämpfer Rafn zugestehen, dass er seit 2012 musikalisch sehr produktiv mit Hermóðr ist, schaut man sich einmal seine Diskographie im Metal-Archiv an…

Stellenweise erinnert „The Howling Mountains“ in der Tat an oben genannte Bands, allerdings ist das Projekt doch eigenständig und keinesfalls mit ihnen gleichzusetzen. Auch findet der Hörer hier kaum Raserei, sondern atmosphärische Songs, die sich meist im Mid-Tempo-Bereich ansiedeln und nur dezent in den Ambient-Bereich wechseln. Mich hat dieses Album gleich beim ersten Hören gepackt, da hier eingängige Gitarrenmelodien dominieren, welche durch Überlagerung mehrerer Gitarrenspuren – im Geiste und metaphorisch gesprochen – die heulenden Bergwinde darstellen, die wirbelnd und mal sanft ineinander gehen. Die keifende Stimme, die sich sehr zurückhaltend wie hinter Nebel offenbart, wirkt mit großartigem Kontrast, als ob man sich an schroffem Fels die Haut aufschürft. Dennoch wird diese lediglich dezent eingesetzt, so dass sich der Schwerpunkt definitiv auf der rein instrumentalen Seite befindet, was wiederum der Epik dieses Werkes zugutekommt. Generell ist dies ein Album ohne viel Schnickschnack. Minimalistisch möchte ich sagen. Aber es wirkt einfach durch seine kompositorischen Qualitäten. Wer zum Henker braucht denn zig Instrumente, um Atmosphäre zu erschaffen? Eigenständigkeit und Herzblut beim Schaffen, das wird gebraucht!

Liebhaber der Band Lustre könnte Hermóðr ggf. auch ansprechen, wobei Rafn weniger auf „Geklimper“ setzt. Auch die repetitiven Klanglandschaften Vemods sind hier nicht auffindbar, aber dennoch nenne ich Vemod gern als Vergleich aufgrund des Erschaffens ihrer minimalistischen Melodien. Wer also noch einen epischen Soundtrack zum Wandern in den Bergen (oder in den schottischen Highlands, wo auch das Bild entstanden ist) sucht, der ist bei Hermóðr genau an der richtigen Adresse.

Already at the breathtaking view of the title image the alarm bells for summoning-like-music rang at me, because the style used in the painting seemed familiar to me. Just like Summoning or Caldan Brood, and several other bands as well, Hermóðr are using works of Alfred Bierstadt. Thus the design of a CD is basically final, though I wish for, in this kind of music other unknown artists could proof their skills. I’ve always asked myself: How can Mr. Bierstadt still protect his copyright? Haha… Nevertheless one has to simply love such landscapes banished on paper and interwoven with epic music… „The Howling Mountains“ was written only in autumn 2016, and just recently the new album (which however takes a somewhat different path) named „Hädanfärd“ was released. In general one has to admit, that since 2012 the Swedish lone warrior Rafn is musically very busy with Hermóðr, if you take a look at his discography in the well-known metal archive…

Here and there „The Howling Mountains“ actually remind of mentioned bands on top, but this project is unique and not comparable to them. The listener won’t find much fury in here, rather atmospheric songs, which are most in mid-tempo and changing just decently to ambient parts. The album got me right from the beginning, because intense guitar melodies are dominating. By overlaying several guitar tracks, they represent the howling mountain winds, whirling and gently intermeshing – just speaking in spirit and metaphorically here. The scolding voice, which reveals itself discreet behind the mist, effects with a gorgeous contrast, as if one would scrape his skin on coarse rock. However it is just used decent, so that its focus lies on the instrumental site, which in turn is best for the albums epicness. Generally it’s an album without too much gimmicks. I would say minimalistic. But it simply effects through its compositional qualities. Who the fuck needs thousand of instruments creating atmosphere? Individuality and lifeblood, that’s needed in creative work!

Maybe lovers of the band Lustre will also like Hermóðr, although Rafn uses less „tinkling“. Even that Vemods repetitive sound landscapes are not to find here, I like to mention them as a reference, because of creating such minimalistic melodies. So, if anyone is looking for an epic soundtrack for wandering in the mountains (or in Scottish highlands, where the picture was taken), you’re fine by choosing Hermóðr.