Interview mit Durothar (Markus)

Interview mit Durothar

Nachdem wir vor geraumer Weile das aktuelle Album der Hamburger Band Durothar vorgestellt hatten, dachte ich mir: Warum nicht die Jungs mal etwas besser kennen lernen? Wer ein Album mit so viel Meerwasser im Blut raushaut, der hat mit Sicherheit ein paar interessante Geschichten zu erzählen.

Liebe Grüße nach Hamburg und vielen Dank, dass Ihr Euch für ein Interview mit uns bereit erklärt habt. Bereits im Dezember haben wir Euer Erstlingswerk „Auf See“ vorgestellt, das in mir spontan die Lust weckte, mal wieder ordentlich die Haare wedeln zu lassen. Ein paar Tage sind jetzt bereits ins Land gezogen – seid Ihr zufrieden mit der Resonanz, die „Auf See“ hinterlassen hat?

Moin Olli, Gruß zurück! Erstmal vielen Dank für die netten Worte in Eurem Review! Es freut uns, dass Euch unsere Musik gefällt. Also ich würde sagen, wir sind sehr zufrieden mit der Resonanz. Klar, es gab auch nicht so begeisterte Stimmen, der allgemeine Tenor war aber sehr positiv. Einige Anfragen sind noch offen und mal schauen, was in den nächsten Wochen noch so an Rezensionen hereinflattern wird.

Ich kam nicht umher, Euch in meiner Rezension mit den wohlbekannten Amon Amarth zu vergleichen. Auch nachdem Euer Album jetzt ein paar Wochen in meiner Playlist läuft, entdecke ich immer wieder kleine Parallelen – vor allem, was die Melodien angeht. Wie seht Ihr das? Habt Ihr Euch tatsächlich an den Schweden orientiert oder ist diese Ähnlichkeit eher unbeabsichtigt? Und was mich viel mehr interessiert: Wie empfindet Ihr diesen Vergleich?

Also, falls es eine Orientierung gab, dann auf jeden Fall eher unbewusst. Wir haben uns nicht hingesetzt und gesagt, jetzt machen wir Viking Metal wie Amon Amarth. Ich denke, der Vergleich mit Amon Amarth bleibt bei der Genrebezeichnung und dem Mix aus Black- und Death-Metal-Elementen einfach nicht aus. Wobei es grundsätzlich natürlich nichts Schlimmes ist, es ist ja eine ziemlich gute und beliebte Band. Natürlich darf man nicht zu sehr wie eine Kopie klingen, diese Gefahr besteht aber nicht, glaube (und hoffe) ich. Vielleicht liegt der Vergleich auch ein Stück weit mit am Hörverhalten der Leute. Maddin von Squealer Rocks, der sich nach eigener Aussage mit Amon Amarth wenig bis gar nicht beschäftigte, hat ja zum Beispiel rock-n-rollige Riffs herausgehört. Der Begriff NWOBHM fiel mehr als einmal und selbst Anleihen aus dem Doom sollen zu finden sein. Solange die Leute unsere Musik gut finden und uns nicht als eine Amon-Amarth-Coverband abstempeln, ist alles in Ordnung.

Wie eine Amon-Amarth-Coverband kommt Ihr auf keinen Fall rüber. Ihr klingt auch keineswegs wie eine deutsche Kopie, dafür habt Ihr definitiv einen zu eigenen Klang und Stil, was man bereits nach Eurem ersten Album guten Gewissens sagen kann. Rock-n-rollige Riffs kann ich ebenfalls bestätigen. Nur den Doom habe ich noch nicht gefunden. Aber jeder sieht bzw. hört ja seine eigene Version der Musik. Wie beeinflusst es Euch, dass in Eure Songs diese musikalische Vielfalt hineininterpretiert wird? Geht man dabei vielleicht sogar auf „Hörerwünsche“ ein und denkt sich: Hmm, so ein bisschen Doom könnte tatsächlich nicht schaden?

Bewusst wird so etwas eher nicht passieren. Aber wer weiß was kommt. Da Maddin (Gitarre) und Chris (ebenfalls Gitarre) beim Schreiben der Songs nicht wirklich auf irgendwelche Genres achten, kann es gut sein, dass sich neue Einflüsse einschleichen, die vielleicht mal von irgendjemandem angesprochen oder „gewünscht“ wurden.

Wenn ich das richtig verstanden habe seht Ihr Euch fest in der Stilrichtung des Viking Metals verankert. Ich selbst halte diese Beschreibung für etwas schwammig. Was macht in Euren Augen – mal abgesehen von einer textlichen Festlegung auf Wikinger-Themen – den Viking Metal aus?

Fest verankert würde ich jetzt nicht sagen. Wir machen ja eine Mixtur aus Black und (melodischem) Death Metal und würzen mit allem, was uns gefällt. Nur wie beschreibt man diese Mischung am besten? Blackened Melodic Death Metal? Zu lang und zu sperrig. Dazu dann noch die deutschen Texte und die Thematik. Der Begriff Viking Metal war da einfach der kleinste gemeinsame Nenner. Auch wenn Amon Amarth sich ja gegen diese Bezeichnung wehren, dank ihnen können sich die meisten darunter zumindest grob etwas vorstellen.

Viking, Pagan und Folk Metal zu unterscheiden, ist ja quasi nicht möglich. Für mich persönlich habe ich angefangen Bands wie Finntroll, XIV Dark Centuries, Eluveitie, also alles, was Keyboards, Flöten, Akkordeon oder ähnliche Instrumente und eher flotte, häufig fröhlichere Melodien spielt, als Pagan und alles, was mit der Standardbesetzung und eher wuchtigerer Musik daherkommt, als Viking zu kategorisieren. Unsere Freunde von Skaldenmet würde ich aufgrund dessen eher als Pagan einstufen, auch wenn sie sich selber als Viking Metal bezeichnen. Wie man sieht, ist es trefflich möglich sich über dieses Thema zu streiten bzw. darüber zu diskutieren.

Küste Norwegens

„Auf See“ hat definitiv Salzwasser im Blut. Die Thematik rund um das Meer ist nicht nur in den Titeln der einzelnen Tracks zu erkennen, sondern auch in jedem Song spürbar. Ich habe in einem Forum gelesen, dass sich durch das Album auch abseits dieses Fokus auf das Meer ein roter Faden zieht. Erzählt es vielleicht sogar eine eigene Geschichte, die mir bisher verborgen blieb? Ich muss an dieser Stelle allerdings leider gestehen, dass ich mich mit den Texten noch nicht so ausführlich beschäftigt habe, obwohl das Album besonders während der Arbeit häufig läuft.

Dass Du das Album häufig hörst, ist ja schon mal ein sehr großes Kompliment für uns! Es gibt auf jeden Fall einen sehr groben roten Faden. Das Album beginnt mit Mittwinter. Wie der Name schon sagt, befinden wir uns dort im tiefsten Winter, alles ist von Schnee bedeckt und jeder wartet auf den Frühling, um in See stechen zu können. Über die nächsten Lieder kommt der Frühling, das Eis schmilzt und die Männer stechen in See, es gibt Kämpfe, Entbehrungen und Hunger, man besucht fremde Länder und kehrt am Ende wieder nach Hause zurück. Entstanden ist dieser Bogen aber eher zufällig, das Konzept war nicht geplant und ist nach und nach entstanden.

Auch wenn es nicht beabsichtigt war, finde ich es gut, dass sich auf diese Weise ein Konzept in Euer Album „eingeschlichen“ hat. Dadurch erhält es meiner Meinung nach mehr Gewicht als eine unzusammenhängende oder lose Aneinanderreihung von Wikinger-Geschichten. Seht Ihr Euch persönlich tiefer in der Welt der Wikinger verwurzelt oder wolltet Ihr nur allgemein über etwas Musik machen, das Euch verbindet?

Ich glaube, so wirklich tief ist bei uns keiner darin verwurzelt. Ich persönlich finde den geschichtlichen Hintergrund sehr interessant, wobei die Welt der Wikinger da zu eng gefasst ist. Was uns verbindet, ist die Musik, die Texte sind da eher nur „Zufall“. Die Band wurde als Pagan-Metal-Band mit Vorbildern wie Finntroll, Equilibrium, Black Messiah und Amon Amarth gegründet, daher auch das lyrische Thema. Ich habe es dann über die Jahre beibehalten, da es sehr viele Möglichkeiten bietet. Vielleicht ändert sich da ja auch mal was, wer weiß. Ich denke aber eher, dass wir dann mal ein Nebenprojekt mit etwas anderer Ausrichtung starten werden.

Küste Norwegens
Eine der Quellen der Inspiration für das Album „Auf See“ war die Landschaft Norwegens.

Habt Ihr vor auch bei kommenden Alben in der Welt der Wikinger zu bleiben oder plant Ihr bereits jetzt musikalisch auch in andere Gefilde zu reisen?

Wie gesagt, wahrscheinlich bleiben wir grob weiterhin in diesem lyrischen Rahmen und auch musikalisch wird sich wahrscheinlich nicht allzu sehr etwas ändern. Zumindest werden wir keine riesigen Stilsprünge machen. Chris und ich haben einige Ideen und sogar schon eine aufgenommene, wenn auch noch nicht gemixte EP für ein Nebenprojekt. Uns ist mal die Idee gekommen ein Projekt zu starten, um alle Stilrichtungen des Death Metals abzugrasen. Jede Veröffentlichung eine andere Unterkategorie. Die EP als Beispiel ist eher Blackened Death Metal, das erste Album könnte Melodic Death werden, dann vielleicht mal Brutal Death und so weiter. Unter dem Namen Maddening Disease kann man auf YouTube sogar schon einen ersten Demo-Song für den Melo-Death-Teil finden, und vielleicht bringen wir das Projekt mit dem Rest von Durothar auch mal auf die Bühne.

Ich habe ebenfalls gelesen, dass „Auf See“ von deinen Reisen nach Norwegen und Schweden inspiriert wurde. Was hat Dich hier besonders beeindruckt und welche Spuren haben diese Eindrücke in Eurer Musik hinterlassen?

Ja, das hast Du richtig gelesen. Ich war vor ein paar Jahren mit meiner Freundin 16 Tage lang in Norwegen unterwegs. Schön von Zeltplatz zu Zeltplatz, und mit vielen Wanderungen haben wir uns das untere Drittel, insbesondere die Küste, angeschaut. In den Texten kann man schon eine Menge wiedererkennen, wenn man weiß, wonach man schauen muss. Mit der „Vogelinsel“ ist zum Beispiel die Insel Runde gemeint, in „Das fremde Land“ habe ich ein wenig meinen Eindruck der Gletscher und Fjorde verarbeitet. Die gesamte Landschaft ist einfach wahnsinnig interessant und faszinierend abwechslungsreich. Man fährt an der steilen Küste entlang, überall nur Felsen, ein Stück weiter dann riesige Gletscher, rauf auf die Hochebene auf einmal unwirtliche, graue Landschaft, gefolgt von Waldstücken und Wasserfällen. Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man unbedingt dorthin! Nach Möglichkeit nicht nur an einem Ort in einer Hütte, sondern eine Rundtour. Inwieweit die Musik von dieser Reise beeinflusst wurde, kann ich nicht sagen. Unsere Songschreiber haben ja nur die Bilder gesehen, aber vielleicht hat es da trotzdem für die eine oder andere Inspiration gesorgt.

Küste Norwegens
Felsig, urtümlich, abenteuerlich: Die Küsten Norwegens.

Ach ja, Norwegen ist in der Tat ein wunderschönes Land. Ich hatte vor etlichen Jahren die Chance mit dem Waldhalla Chris und einem weiteren Freund eine ähnliche Rundtour mit dem Auto durch den Süden Norwegens zu unternehmen. Es war herrlich und von daher kann ich gut verstehen, dass diese Landstriche eine ideale Inspirationsquelle darstellen. Ich schätze, selbst Bilder davon zu sehen und Reise-Erzählungen zu lauschen wird inspirierend genug sein. Gibt es einen speziellen Ort, der Dich besonders beeindruckt hat?

Auf jeden Fall! Schon die Fotos der Reise sind immer wieder faszinierend und inspirieren ungemein. Chris nutzt sie auch gerne als Cover für sein Black Metal Projekt Morphinist.

Ein spezieller Ort… Schwierig, da es in Norwegen so viele verschiedene Facetten gibt. Auf jeden Fall die teils verdammt gewaltigen Wasserfälle und natürlich die Gletscher. Aber auch die weiten Hochebenen oder ein Blick hinunter in die Fjorde hat was Faszinierendes. Wenn ich mich festlegen müsste, dann war zumindest auf unserer Reise der Preikestolen, ein Felsplateau an einer Steilwand in 600 Metern Höhe direkt über dem Lysefjord, der beeindruckendste Ort. Als wir dort ankamen, begannen die Wolken sich langsam aufzulösen und man konnte mit jeder Minute weiter in den Fjord schauen. Überwältigend!

Auch wenn „Auf See“ noch ganz frisch ist: Gibt es bereits Pläne und/oder Ideen für ein zweites Album?

Also einen richtigen Plan gibt es nicht. Wir schreiben weiterhin neue Songs und irgendwann sind es dann sicher wieder so viele, dass wir ein neues Album in Angriff nehmen können. Natürlich macht man sich aber auch jetzt schon ein paar Gedanken, was man beim nächsten Mal eventuell besser machen könnte.

Na da bin ich auf jeden Fall schon gespannt, was die Zukunft bringt. Vielen Dank für das nette Gespräch. Es ist immer wieder schön auch andere Norwegen-Begeisterte zu treffen!

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