Kaltfront – A World in Grey

Kaltfront - A World in Grey

Neue Metal-Bands sprießen mittlerweile wie die Pilze aus dem Boden. Eine weitere interessante Neuerscheinung auf dem deutschen Sektor stellen die beiden Jungs P. und B. von Kaltfront dar. Wenn man sich das Cover ihrer relativ frisch gezimmerten Demo-EP „A World in Grey“ anschaut, dann wird einem gleich klar, dass die Band weniger das majestätische Ambiente von verschneiten Bergen, vereisten Tälern, weißen Wäldern oder einer anderen meteorologischen Erscheinung mit ihrem Black Metal heraufbeschwören möchte. Hier wird vielmehr auf die Kälte des menschlichen Intellekts oder Geistes, auf den Tod und die Verwüstung, die das menschliche Handeln entstehen lässt, abgezielt, so zumindest mein intuitiver Ersteindruck. Und auch in der Musik wird man der eisigen Kälte einer glasklaren winterlichen Nacht deutlich gewahr, ganz besonders im Track „Dead Dreams“, welches bestens als Aushängeschild dient und dieses Projekt von einer makellos spiegelglatten Seite zeigt. Diesen Song habe ich auch zuallererst auf der Homepage der Band angecheckt, und ich möchte hier wahrheitsgetreu zu Protokoll geben, dass er mich sofort mitreißen konnte. Mit einer derartig starken Anziehungskraft habe ich nicht gerechnet. Gewaltig und brachial wird man hier von einer melodischen Woge in die nächste katapultiert – und das zieht einem überraschend den Boden unter den Füßen weg! Stellenweise hat man hier aber auch die von einer melancholischen Sehnsucht getragene Schönheit der Natur vor Augen (wenn man es sich derart vorstellen möchte), doch diese Träumerei kippt wieder schnell in die zerstörerische Richtung um. Das alles passt dennoch gut zusammen und harmoniert wunderbar miteinander. Die anderen drei Songs sind vom Härtegrad zwar ein wenig intensiver und weniger „verspielter“, stehen aber in Sachen Abwechslung „Dead Dreams“ in nichts nach. Hier ist durchweg ein gewisser Saitenzauber vorhanden, der den Hörer jederzeit von der grauen Realität ablenkt und in eine dunklere Parallelwelt entführt. Absolut gelungen! Und da die dänische Band Afsky gerade so angesagt ist: Kaltfront spielen einen ebenso zeitgemäßen wie feierlich an Traditionen der 90er anknöpfenden Black Metal, doch ohne einen Folk-Anteil im Gepäck, und beschreiten ähnlich dunkle, nur vom knochenbleichen Mond leicht silbrig beschienene Pfade. Von daher sollte man die heulend huschenden Kaltfront-Schatten von nun an ebenwenig aus den Augen, geschweige denn aus dem Ohr verlieren!

Bei Interesse kann die CD für einen Fünfer über die Homepage der Band bestellt werden. Oder man wartet noch ein wenig auf die angekündigte Tape-Veröffentlichung.