Kaunan – Forn

Kaunan - Forn

Was lange währt, wird endlich Folk! So ähnlich könnte die Abwandlung eines bekannten Sprichwortes lauten, wenn man sich den Klängen von Kaunans Erstling „Forn“ hingibt. Mittlerweile ist es fast zehn Jahre her, dass sich die drei Musiker Oliver S. Tyr, der einigen Fans der deutschen Szene vor allem durch sein Wirken bei Faun bekannt sein dürfte, Boris Koller aus Österreich und Göran Hallmarken aus Schweden zusammen taten. In dieser vergleichsweise langen Zeit sammelten die Drei Material für ein Album, das ich ohne weiteres als eines der ehrlichsten und authentischsten innerhalb des Folk- und Mittelalter-Genres bezeichnen würde.

„Forn“ ist eines dieser Alben, denen man anmerkt, mit wie viel Herzblut sie geschaffen wurden. Durch die Verwendung von alten Tonskalen und ebenso altem Liedgut sowie einer faszinierenden Vielfalt von altertümlichen Instrumenten – in ihrer Gesamtheit wurde ein gutes Dutzend Instrumente für „Forn“ verwendet – wurde nicht nur dem großen Ganzen, sondern auch den feinen Details viel Aufmerksamkeit zuteil. Dabei liest sich insbesondere die Liste der Instrumente selbst für ein Folk-Album erstaunlich exotisch. Neben alten Bekannten wie der Sackpfeife, diversen Trommeln (darunter auch eine Maultrommel) und Streichinstrumenten finden sich auch Irish Bouzouki, Drehleier, Mandora und Mandola im Repertoire des Albums. Der Gesang wird auf „Forn“ eher dezent eingesetzt. Wenn er jedoch seine Wirkung entfalten darf, dann zeigt er sich ruhig, bedächtig und stellenweise auch mit einem leicht meditativen Eindruck. Um sich ein Bild zu machen, kann ich „Elve Fert“, den dritten Song der Scheibe, empfehlen. Kaum ein Vergleich zu manchen Mittelaltertruppen, die zwar auf authentische Instrumentalisierung, dabei aber auf eher zotige Texte setzen. Kaunan erreichen auch hier eine Ernsthaftigkeit, die sich innerhalb des Genres abhebt. Klar, dass dabei keine „Spaßmucke“ herausgekommen ist, sondern ein Album, welches sich eher für die ruhigen Momente eignet.

Die Liebe zum Detail macht sich bezahlt. „Forn“ ist eine Sammlung fröhlicher Stücke wie „Vandringen“, das gleich zum Mittanzen verleitet, oder dem nicht mindern tanzfähigen „Halteguten“ sowie eher nachdenklichen (oder sagen wir vielmehr meditativen) Songs wie beispielsweise „Svärdsjö Polska“ oder „Noaks Pennkniv“. Eine spannende Mischung, die in sich eine besondere Harmonie birgt. Einer meiner persönlichen Lieblinge dieses Albums ist das traurig klingende „Byss Kalles Vals“. Ein unbestreitbares Highlights auf „Forn“ ist das Gesangsduett in „Vallåt“, welchem die beiden Gastmusiker Einar Selvik und Maria Franz ihren ganz eigenen märchenhaften Stil aufdrücken. Gerade dieser Song lässt bei mir auch ein altes Faun-Feeling aufkommen, erinnert es mich doch an mein persönliches Lieblingsalbum dieser Gruppe – das „Buch der Balladen“. Insgesamt erinnern mich Kaunan ein wenig an die „alten“ Faun, wenngleich der Gesang natürlich völlig anderer Art ist.

Auch ein Blick in das sehr stimmige, größtenteils in dunklen Tönen gestaltete Innere der LP-Hülle (ich denke, für alle anderen handfesten Versionen dieses Albums wird dasselbe gelten) offenbart auch hier viel Liebe zum Detail. Beinahe akribisch wird die Bedeutung oder die Quellenlage der einzelnen Stücke dargestellt. Das sind so viele Informationen, dass ich gar nicht wüsste, welches Beispiel ich mir hier rauspicken sollte. Ich kann nur jedem empfehlen, sich neben der Musik auch dem Booklet intensiv zu widmen. Es lohnt sich, erhält man doch selten so deutliche Einblicke in die Stücke eines Albums. Für alle, die sich für Folk oder mittelalterliche Musik interessieren, ist „Forn“ absolut empfehlenswert. Darüber hinaus würde ich Kaunans Werk jedem empfehlen, der nicht nur Action in der Musik braucht, sondern sich auch den bedächtigen und leisen Momenten hingeben kann.