Knaat – Ein Sturm zieht auf

Knaat - Ein Sturm zieht auf

Ich gebe zu, dass mir die Münchener Pagan-Truppe Knaat nicht wegen ihrer komplexen Songs und ausgefallenen Texte im Gedächtnis geblieben ist. Ich könnte auch nicht behaupten, dass ihr neuestes Werk „Ein Sturm zieht auf“, welches im März diesen Jahres das Licht der Welt erblickte, sich durch eine besondere Originalität vom Rest des Genres abhebt. Eigentlich ist genau das Gegenteil der Fall. Ich mag dieses Album, weil es nicht nur an einigen Ecken voller Klischees des heidnischen Metals steckt, sondern auch, weil es gar nicht erst versucht so großartig anders zu sein. Knaat können zum Beispiel vom Party-Faktor her völlig mit den seinerzeit ziemlich gehypten Equilibrium mithalten. Und was das Haarwedelpotenzial angeht, ebenso Stimmung machen wie Amon Amarth. Wenn ihr also paganes Zeug sucht, das ernsthafter und authentischer an das Thema heran geht, solltet ihr euch vielleicht lieber woanders umsehen. Wenn ihr euch zwischen Bands wie Ferndal oder Odroerir allerdings auch einfach mal berieseln lassen wollt, dann seit ihr mit Knaat mehr als gut beraten.

Weniger meditieren – mehr mitgrölen

Wenn sich hier der eine oder andere Knaat-Hörer auf den Schlips getreten fühlt, tut mir das ernsthaft leid. Ich kann nur noch mal betonen, dass mir „Ein Sturm zieht auf“ von vorne bis hinten gefällt. Aber ich gehöre auch zu jenen, die sich immer noch gerne den Equilibrium-Erstling „Turis Fratyr“ reinziehen, sich noch nicht völlig an Amon Amarths „Death in Fire“ satt gehört haben und gerne mal zu Finntrolls „Trollhammaren“ ein paar Humpen zechen. Und genau hier punkten Knaat eben ungemein: Man kann das Album zusammen mit Freunden bei einer nicht näher erwähnenswerten Zahl kühler Bierchen laufen lassen und dabei fröhlich mitgrölen. Ab und zu muss man bei aller Ernsthaftigkeit auch einfach mal die Sau rauslassen. Zum Glück klingen Knaat nicht wie eine der bereits erwähnten Bands, sondern haben durchaus ihren eigenen Stil. Vielleicht liegt das auch daran, dass dem Keyboard im Vergleich zu seinem Vorgänger „Die Lichtung“ weniger Spielraum gelassen wurde. Zwar ist das Tasteninstrument nach wie vor sehr dominant und beherrscht die Melodien, dafür machen aber auch die Gitarren eine verdammt gute Figur. Nichtsdestotrotz kann und darf man Vergleiche zu bekannten Genregrößen ziehen. Knaats Vorteil – zumindest in meinen Augen – liegt jedoch darin, dass sie ein bisschen „dreckiger“ wie die Altbekannten klingen.

„Ein Sturm zieht auf“ fackelt nicht lange mit Intros herum, denn schon mit „Weidenmann“ gelingt dem Album ein starker Einstieg, der einem direkt ins Ohr geht und dort auch gerne verweilen darf. „Sauschlacht“, seines Zeichens siebter Song der Scheibe, wartet mit ein paar genialen Gitarrensoli auf. Und Stücke wie „Kräuter im Arsch“ und „Holzaar“ sind absolute Gute-Laune-Songs. Dass es auch ein bisschen anders geht, dafür steht in gewisser Weise „Haus im Wald“, ein für knaatsche Verhältnisse, zumindest auf diesem Album, stellenweise recht düster klingendes Stück. Nach knapp fünfzig Minuten Spielzeit ist Schluss mit lustig. Was bleibt, ist ein Album mit jeder Menge Live-Potenzial und einem festen Platz im CD-Repertoire für das nächste Met-Gelage.