Krähenfeld – Vergänglich

Krähenfeld - Vergänglich

Während viele alte Fans mit den neueren, orchestral überladenen Kreationen der Krefelder Vorzeigeband Blind Guardian, die dadurch ihren Zenit schon längst überschritten zu haben scheint, kaum etwas anzufangen wissen, möchte ich gerade diesen (aber nicht nur diesen) eine neue Krefelder Metal-Band ans Herz legen, nämlich Krähenfeld, welche sich nach dem urtümlichen Namen von Krefeld benannt hat und somit eine starke Verbundenheit zu ihrer Heimatstadt bekundet. Bei diesen Krähenvögeln kommt aber kein Speed oder Power Metal mit Thrash-Einflüssen und auch keine mittelalterliche Fantasy-Thematik auf den Tisch, sondern düsterer und bitterernster Post-Black Metal mit richtig melancholischem und depressivem Einschlag.

Vier lange, jeweils über zehn Minuten andauernde Songs inklusive Intro, Outro und einem kurzen Intermezzo wurden auf den Debütsilberling mit dem Titel „Vergänglich“ gebannt, und für diese sollte man sich das notwendige Maß an Zeit nehmen, um ganz genau in die hier zusammengehämmerten instrumentalen Konstrukte hineinhören und derart die Wirkung ihres vollen Potenzials abkriegen zu können. Denn gleich bei „Des Wahnsinns kalte Gier“ wird ersichtlich: Krähenfelds Musik besitzt einen stark ausgeprägten erzählerischen Charakter. Auch ohne Lyrics würde sie es nämlich noch mühelos schaffen, die schwärzesten Gefühle aus den tiefsten Unterbewusstseinsebenen des Hörers auszubuddeln und sie an die fragile Oberfläche des Verstandes zu befördern. Die Grundmelancholie, die hier wirklich in jedem gespielten Ton irgendwie mitzuschwingen scheint, wird regelrecht durch sehr kreative Gitarrenaufbauten eines melodischen Ausmaßes sowie schnelle und hemmungslos, teils sogar experimentell vollführte Ausbrüche untermalt, was alle, sich mit Vorliebe in Depressionen wälzende Seelen in eine noch traurigere Verzückung versetzen dürfte. Dazu kommt noch die sich wahrlich krächzend dahinziehende Stimmlage von Sänger Yannik, welche Hoffnungslosigkeit unterstreichend den Hörer einfach nur nach unten zieht. Hier wird in der Tat Depressivität ausgelebt! Krähenfeld spielen gekonnt mit vielen Grau- und Schwarztönen, und erschaffen derartig eine wahrlich mitreißende Klanglandschaft. Für etwas „Farbe“ sorgen lediglich die beiden weiblichen Gastgesänge. Wer auf Stoff wie den von Der Weg einer Freiheit oder auch Farsot steht, der ist auch hier schwarzrichtig. Aber auch diejenigen, die sich pausenlos den älteren und schnelleren Trauerbrandungen von Dornenreich mit schmerzlicher Freude hingeben können, finden hier neues schmackhaftes Futter für ihre gepeinigten und gemarterten Seelen. Als Krefelder kann ich abschließend sagen: Blind Guardian war gestern, Krähenfeld ist heute!