Marunata – Réminiscence (Rezension / Review)

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Packt den Wein und das Baguette aus und setzt euch meinetwegen noch eine schicke Baskenmütze auf. Die heutige musikalische Reise geht nämlich nach Frankreich. Vielleicht wären eine Flasche Absinth und ein schwerer, schwarzer Mantel allerdings angebrachter. Was man auf der Debüt-EP „Réminiscence“ von Marunata, die im November letzten Jahres im Hause Pest Productions erschienen ist, zu hören bekommt, klingt eigentlich zu schwermütig für Wein und Baguette.

Manako, seines Zeichens Mastermind hinter der One-Man-Show Marunata, präsentiert druckvollen und zugleich emotionalen Post-Black Metal, dem man durchaus keinen Mangel an Melancholie unterstellen kann. Natürlich können – wie eben in diesem Genre manchmal üblich – gerade die Post-Elemente gewöhnungsbedürftig sein; zumindest für all jene, die ihren Black Metal lieber rein, düster und eisig genießen wollen. Ein gewisses Faible vorausgesetzt, gehen die Songs dieser EP jedoch erstaunlich schnell ins Ohr. Ich würde „Réminiscence“ zwar nicht direkt Ohrwurmcharakter unterstellen – dafür drücken die einzelnen Stücke doch etwas zu sehr aufs Gemüt – aber es finden sich genügend Details und Haltepunkte auf dem Album, um einen Wiedererkennungswert zu garantieren. Dem ist nicht zuletzt die in den Songs „L’Aveugle“ und „Réminiscence“ verwendete, zierlich und verletzlich klingende weibliche Gaststimme zuträglich. Als harmonischer Ausgleich zum dominanten Growlgesang von Manako fügt sie sich herrlich in die genannten Songs ein. Ehrlich gesagt, hätte ich davon gerne mehr gehört, da mir der Kontrast zwischen den beiden Stimmen gut gefällt. Vielleicht kommt die nur als V vorgestellte Person auf späteren Werken ja häufiger zum Einsatz. Auch das im Intro „La Renaissance…“ sehr dominante Piano darf durchaus mehr Präsenz zeigen.

Als  erster Eindruck macht „Réminiscence“ definitiv eine gute Figur. Es gibt eine ganze Reihe repetitiver Momente, dennoch kann ich mich auf Marunatas Erstling nicht über einen Mangel an Abwechslung beklagen. Das Album weiß gut mit Kontrasten und einer grundsätzlich eher schwermütigen Stimmung zu spielen, ohne dabei nur traurig oder negativ zu wirken. Zwischen den Zeilen kommt mitunter durchaus ein leichtes Alcest-Feeling auf. Und das hat nicht nur etwas damit zu tun, dass beide Bands Frankreich ihr Heimatland nennen. Besonders in den ruhigeren Momenten steckt in „Réminiscence“ auch eine gute Portion Blackgaze. Wer sich also an die Zeiten erinnern möchte, in denen Alcest noch ein kleines bisschen mehr auf die Tube gedrückt haben, der kann mit Marunata zumindest ein Stück weit in diese Richtung gehen. Ich denke, es gibt aber auch ansonsten genug Gründe, um dieser EP eine Chance zu geben.

Get some wine, a baguette and maybe put on a baret. Todays musical journey will take you to France. But maybe a bottle absinth and a dark coat were more appropriate. What you will hear on the first EP „Réminiscence“ by the French band Marunata, which was released in November 2017 through Pest Productions, seems too melancholic for wine and baguette.

Manako, the mastermind behind the one-person-band Marunata, presents powerful yet emotional post-black metal combined with a nice portion of melancholy. You can, if you want to, dislike the typical post-elements in this kind of music. At least everyone, who likes black metal to be pure, icy and cold would be disappointed from Marunatas interpretation of this genre. Presuming a special liking, the songs on this EP are surprisingly quick to catch ones ear. Last but not least, the graceful and vulnerable female guest vocals used in the songs „L’Aveugle“ and „Réminiscence“ are conducive to this. As a harmonious balance to the dominant growls of Manako, they fit wonderfully into the mentioned songs. Honestly, I would have loved to hear more in this style, as I like the contrast between the two voices. Perhaps the person introduced only as V will be used more frequently in later works. The very dominant piano in „La Renaissance…“ may also show more presence.

As a first impression „Réminiscence“ makes definitely a good figure. There are plenty of repetitive moments, yet I can not complain of a lack of variety on Marunata’s debut. The album knows how to play well with contrasts and a generally rather melancholic mood, without being only sad or negative. Between the lines, there is sometimes a slight feeling you would know from Alcest. And this is not only because of the fact that both bands call France their home. Especially in the quieter moments „Réminiscence“ has also a good dose of blackgaze in its veins. So if you want to remember the times when Alcest have been a little bit heavier, you can at least go a bit in that direction with Marunata. But I think there are enough reasons to give this EP a chance.