Mavorim / Meuchelmord – Memento Mori

Mavorim / Meuchelmord - Memento Mori

Mavorims erste Ansage lässt sich auf dem über Narbentage Produktionen veröffentlichten Split-Tape – alternativ gibt es dazu auch noch eine von Winterwolf Records veröffentlichte CD-Version – mit Meuchelmord finden. Das Teil heißt „Memento Mori“ und ist ein granatenstarker Ausbruch pechschwarzen Black Metals. Wenn man sich vor Augen führt, dass der Einzelkämpfer P. noch nicht mal sechzehn Jahre alt war, als er anfing die ersten, bei dieser Aufnahme verwendeten Riffs zu schreiben, dann kann ich in dem Wissen, dass es bei solchen Nachwuchstalenten auch künftig bestens um den deutschen Black Metal bestellt sein wird, weiterhin beruhigt schlafen. Bei solch harmonischen, dunklen Musikexzessen, die ich mir zwecks innerer Ruhe regelmäßig zum Einschlafen gebe, schaffe ich es auch am besten in einen todähnlichen Schlafzustand zu verfallen. Und das klappt immer!

„Schlag nun du die Nägel ein“ bildet den Anfang der Split-Aufnahme und leitet Mavorims fünfteiligen Exkurs über die meist aus dem Leben ausgegrenzte Bewusstseinsebene der Sterblichkeit ein. Die Thematik des Todes ist in der Tat eine sehr faszinierende wie umfangreiche, denn schließlich findet dieses tabuisierte Ereignis global betrachtet täglich unzählige Male statt. Ob natürlich oder gewaltsam, in der Bilanz des Schnitters ist alles drin – und das so sicher wie der Tod, der aus dem Leben nicht wegzudenken ist. Wie heißt es doch so schön: Das Leben endet immer tödlich. Oder vielleicht auch: Todesurteil durch Geburt. Wie man es dreht und wendet, aus diesem Hamsterrad kommt keiner raus! Die unfreiwilligen und dementsprechend auch spannendsten Todesarten sorgen natürlich für die besten Einschaltquoten, was schon in der antiker Urglotze namens Kolosseum bestens funktionierte. Und in der Musik wirkt es genauso gut! Der Tod zieht halt die Fliegen wie ein Kadaver an, haha… Ekelhaft, zumindest für die vielen Saubermänner mit der blauen Scheiße… Oder war es blaues Blut? Egal… Für den Black Metal ist das gerade deswegen die perfekte Thematik. Der Eröffnungssong legt passenderweise sogleich mit flink summenden Gitarren los, die tatsächlich an einen degoutanten Fliegenschwarm erinnern. Viele Breaks und Tempowechsel, mal in Form von astrein rhythmisch nach vorn wütenden Riffs, mal in melodischen Tonregionen aufsteigend, sorgen für richtig gute Laune bei diesem Tango Mortale. Und die mit der voluminös dunklen, aber relativ gut verständlichen Stimme eingeworfenen Textzeilen wie beispielsweise „Memento Mori – Mein Leben für den Tod“ treiben diesen musikalischen Pesthauch absichtlich auf die Spitze. Auch der nächste Song „Leichenfeuer“ wälzt sich in einem ebenso kompositorischen Ideenreichtum. Ergänzend kommt dort noch eine Synth-Melodie zum Zuge, welche, bestens an die Gitarre angelehnt, keineswegs deplatziert wirkt, sondern Mavorims Soundkulisse ungemein bereichert. Echt stimmig das Ganze, vom subjektiven Perfektionismus des Künstlers P. angetrieben. „Nije“ markiert die Halbzeit, es ist eine kurzweilige, ruhige Ambient-Atempause. Danach folgen mit „Klang der Sterne“ und „Ein dunkler Ort“ zwei weitere und qualitativ gleichbleibende Hammer-Songs, die musikalisch noch mehr Nägel eingeschlagen und weiterhin die sehr spezielle, sich in den Ohren verankernde Atmosphäre von Mavorim spinnen. Somit kann man hier definitiv von einem mehr als nur gelungenen Einstieg sprechen – es ist ein echt starker Aufschrei aus dem Underground! Wer diesen (jetzt immer noch) nicht hört, dem ist nicht zu helfen.

Meuchelmord mit dem niedersächsischen Schwarzmetall ist schon länger im dornigen Unterholz tätig, schon seit Anno Domini 2011, doch für mich stellt diese Split den ersten Zusammenprall mit der Musik von Cernunnos dar, welcher dieses Projekt ebenfalls ganz alleine betreut und stetig vorantreibt. Neben dieser bereits 2015 erschienenen Split-Aufnahme existieren schon ganze vier Full-Length-Alben, eine EP sowie ein Demo-Release. Ganz schön aktiv, das kann man nicht anders sagen. Im Gegensatz zu Mavorim ist Meuchelmord, was sich vielleicht schon anhand des Bandnamens ableiten lässt, mehr im depressiven Milieu zu Hause. „Allein“ fängt nach einer kurzen Sprechpassage sogleich mit einem trostlos gezupften Gitarrenspiel an, bevor ein verzweifeltes Gekreische einsetzt und die Dunkelheit sich über das sinnfreie Siechtum, auch Leben genannt, herabsenkt. Zusätzliche Keyboard-Effekte und vor allem die in der Mitte und zum Schluss eingesetzten Schussgeräusche bescheren Suizid-Assoziationen. Die hiernach einsetzende „Traurigkeit“ erweckt dagegen den Eindruck von einem in leichte metallische Musik eingebetteten Gedichtvortrag. Die klare, ruhige Aussprache strahlt dabei eine falsche Zuversicht in der bittertraurigen Erkenntnis, so mein Empfinden. Danach kommt der „Alltagstod“, ein Lied, welches mit einem interessanten alten Sample anfängt und sich nach dem Abklingen des Kreischgesangs nach und nach irgendwie in einer uferlosen (aber wohl exakt so gewollten) Monotonie verliert, bevor ein stürmischer „Orkan“ über uns hereinbricht. Und dieser Song klingt dann wirklich so, wie der Titel es verspricht: Heftig, schnell, rasant und in den Untergang (mit)reißend. Ein ambientartiges, auf „Narbenmystik“ betiteltes Stück beendet ganz sachte Meuchelmords Part und diese wahrlich überaus gelungene Split, die mich mit einigen sehr interessanten Erfahrungen beglückte.