Nargathrond – Freigeist (Rezension)

Nargathrond - Freigeist

Das selbstproduzierte Album „Freigeist“ vom Freigeist Nargathrond, der mitunter auch bei Higurd, deren letztes Werk wir bereits ausführlich vorgestellt haben, die Stahlsaiten malträtiert, ist sicherlich eine zwiespältige Angelegenheit. Dadurch, dass hier für jeden Song (mit Ausnahme des letzten) jeweils ein anderer Sänger in die Pflicht genommen wurde, lässt sich ein nicht von der Hand wegzuweisender Charakterzug eines Underground-Samplers bei dieser Aufnahme feststellen. Die einzelnen Songs sind kompositorisch auch nicht auf einer Linie angeordnet, was beabsichtigt war und den Titel des Albums widerspiegeln soll. Folgerichtig wird Nargathronds Musik dem experimentellen Extreme Metal zugeteilt. Beim Opener „Beyond“ wird dies schon nach nur kurzer Zeit sehr deutlich: Ein sehr hoher Schrei des Sängers Floyd Pandora, wie man ihn ansonsten eher in der Heavy- oder Power-Metal-Szene vermuten würde, läutet den Song sehr überraschend ein. So ein Power Scream gemischt mit Extreme ist nun mal gewöhnungsbedürftig, aber nach einigen Durchläufen doch gar nicht so fehl am Platz. Bei so einer Mischung wird es einem aber ganz bewusst, wie viele unserer Gedanken und Empfindungen von der ganz gemeinen Gewohnheit gesteuert werden. So lässt sich immer häufiger beobachten, dass der herkömmliche Metal-Man nichts mehr hören will, was er nicht kennt. Das war früher noch anders. Es ist aber wohl dem sintflutartigen Informationsfluss der Massenmedien zu verdanken, dass immer mehr Menschen immer öfters ihre Schotten einfach nur noch schnell dicht machen…

Der nächste Track „Mein Menschenherz, mein Überdruss“ fängt sehr langsam und andächtig an, eine Kunst, die Bands wie z. B. Dornenreich perfektioniert haben. Der dazu passende, ebenfalls recht gut umgesetzte wispernde Gesang ließ mich auf eine echte Überraschung hoffen, doch alsbald setzte, sagen wir mal Eisregen-artiger Ausbruch ein, der mich wieder aufrüttelte. Tief hinab in schwarze wie lichtlose Wälder geht die Reise, wobei der pathetische Text etwas überzogen wirkt und dadurch schon leicht ins Kitschige übergeht. Zwischendurch wird es zwar wieder etwas ruhiger, mit Keyboard und so, aber das rettet die einmal zertrampelte Stimmung nicht mehr. Der nächste Song ist dann wieder schneller und schwärzer… An der Stelle wird bereits deutlich hörbar, warum die Scheibe zu „Freigeist“ betitelt wurde: Hier werden einige Genres durcheinandergemixt, es wird viel ausprobiert, gesägt, gehämmert und gehobelt. Dabei fallen natürlich auch Späne ab, welche das Gesamtbild etwas überschatten. Und wenn auch einige wirklich gute Ideen dabei zustande kommen, so sind sie nicht immer optimal miteinander verleimt. Die (Eigen)Produktion ist ebenfalls recht ungeschliffen, sie verfügt über den Charme einer Live-Aufnahme auf einem Tape, was aber durchaus reizvoll sein kann. Man fühlt sich in einen dunklen Proberaum oder eine schäbige Kellerkneipe (der bevorzugte Aufenthaltsort von Freigeistern), wo gerade Live-Bands auftreten, versetzt, vielleicht etwas mehr im Hintergrund, an der Theke mit einem Bierchen in der Hand sitzend und das Geschehen aus der Ferne beobachtend.

„Freigeist“ ist zwar eine CD mit Ecken und Kanten – ein Preis lässt sich mit ihr nicht gewinnen, ganz klar – aber sie geht dennoch gut in den Schädel rein, vorausgesetzt man selber ist auch ein Freigeist und nicht jemand, der sich selbst permanent irgendwelche geistigen Ketten anlegt oder sich bereits an ein festes Genre gekreuzigt und es zu seiner persönlichen Religion erhoben hat. Derjenige, dessen Herz nur noch im Metal-Riff-Rhythmus schlägt, wird hier ganz sicher etwas für sich finden können und dürfte keinen Kotzanfall kriegen, wie es scheinbar anderen zarter Besaiteten passiert ist. Nargathrond würde ich dennoch den Tipp geben, sich lieber auf ein und nicht gleich auf drei (er ist auch noch bei der Metalcore-Band As We Fucked aktiv) Projekte zu konzentrieren. Am besten auf Higurd, denn „Egozentrik“ ist um einiges besser ausgefallen!