Nebelhorn – Urgewalt

Nebelhorn - Urgewalt

Nebel wabert über dem Eismeer, der Wind heult und die Wellen schlagen an den Bug des Schiffes. Nur ein Schatten über dem Wasser… Dem Festland grimmig zugewandt, stößt der Drache zwischen den Schwaden hervor, während vom Bug das Nebelhorn ertönt, lang und klagend, welches die Männer so sehnsüchtig erwartet haben… Angriff!!!

Ja, nicht nur die Mannschaft wartete lange, dass das Nebelhorn endlich wieder die Küsten des Nordens in Angst und Schrecken versetzt, sondern auch wir… Nach gut einem Jahrzehnt war es endlich soweit und mit „Urgewalt“ erblickte im März der vierte Silberling des Ein-Mann-Projektes das Licht der 9 Welten. Wie auch die Vorgängeralben, ist es in Eigenproduktion erschienen und wurde von Wieland rundum selbst komponiert und mit Gastmusikern verwirklicht. Artwork und Musik sind wie gewohnt ohne Kompromisse und unnötigem Schnickschnack, und es erfreut mein Old-School-Herz, dass doch noch einige Projekte in ihrer Beständigkeit verweilen. Was heißt: Weiterentwicklung, aber keine Veränderung! Sehr fein…

Musikalisch bewegt sich Nebelhorn irgendwo zwischen Death, Black und Folk, was im Endergebnis einen ganz besonderen, ehrlichen Viking Metal hervorbringt. Auch wird hier nicht, wie bei einigen anderen Interpreten, auf althergebrachten Riffabfolgen und Rhythmen herumgekaut, weil die sich ja bei anderen Bands in der Vergangenheit auch bewährt haben… Nein, es wird munter mit unterschiedlichsten Spieltechniken herumexperimentiert, so dass durchaus eine notwendige rote Linie erkennbar ist, jedoch auch eine sehr kurzweilige und dichte Atmosphäre erschaffen wird. Von stampfend bis treibend ist alles dabei, und ab und zu überrascht uns „Urgewalt“ sogar mit ein paar Heavy-Metal-Parts. Thematisch von der Edda und historischen, archäologischen Funden inspiriert, vergisst Wieland nicht, die seelische Gefühlswelt der damaligen Menschen und vor allem seine eigene mit einzubringen. Themen „von damals“ erscheinen durch Nebelhorn greifbar und können sehr leicht auch in die „moderne“ Gedankenwelt übertragen werden. Und auch hier hebt es sich ganz klar von vielen anderen Bands dieses Genres ab.

Mein Fazit: Mit Nebelhorns „Urgewalt“ hat uns Wieland mit einem tiefgreifenden, ehrlichen und erfrischenden Stück Viking Metal beschenkt, welches sich hervorragend bei seinen durchaus sehr innovativen Vorgängern einreiht, aber das Projekt durch seine „Andersartigkeit“ auf ein ganz neues Level bringt. Hier angreifen und zuschlagen… Jetzt! Nicht erst wieder in 10 Jahren!