Blodtake – Pre-Listening zum Debüt

Pre-Listening mit Blodtåke

Nach der Vorstellung des Songs „Follower“ haben Blodtåke am Freitag, den 24.05.2019 zum Pre-Listening ihres bald erscheinenden Debüts „Nativity of Ashes“ in ihre sehr gut versteckt gelegenen Headquarters im ruhrpottlichen Dinslaken eingeladen. Noch von „Follower“ zufriedenstellend berauscht, bin ich willig und freudig dem Call to Arms gefolgt und habe mich dort zusammen mit der kompletten Band sowie Heike, einer Schreibkollegin vom Online-Magazin Time for Metal, zu einem mehr als nur gemütlichen Stelldichein eingefunden, welches vom einem absolut massigen wie reichhaltigen Aufgebot an oberleckerem Fingerfood umrahmt wurde. Das war vielleicht eine Überraschung, muss ich nun rückblickend und ausdrücklich sagen, welche uns da von der Gitarristin Ereškigal kredenzt wurde. Frauen-Power in der Band kann sehr schmackhafte Vorteile haben, wie ich feststellen musste. Dafür nochmals vielen Dank an dieser Stelle! Ein freundschaftliches Bier aufgemacht, auf das Albumkind angestoßen und dann wurde endlich nahtlos zum doch irgendwie merklich von einer unmerklichen Anspannung erwarteten Höhepunkt des Programms übergegangen, als nach einer kurzen Weile schließlich der Play-Button gedrückt worden ist und die ersten wuchtig wabernden Töne des Eröffnungssongs „Bleak is the Light“ aus den großen Standboxen herausgekrochen kamen.

Nach einem konzentrationsreichen Hördurchlauf der von Andy Classen aufgenommenen, aus acht Songs bestehenden Platte, kann und muss ich hier festhalten, dass diese Aschengeburt auch die Geburt einer sehr ernstzunehmenden, im traditionellen Black Metal wurzelnden Kraft ist, welche dennoch ihre Finger nach den modernen Stärken des Schwarzmetalls ausstreckt und dabei absolut standfest und sicher wie auch ganz natürlich am Boden haften bleibt, ohne sich einer Blöße zu geben. Der norwegische Bandname Blodtåke (was Blutnebel bedeutet) und auch so ein Titel wie „Lys I Mørket“ (was „Licht im Dunkeln“ heißt) lassen unverkennbar auf die Basis der fünf Musiker schließen, die ihrer kreativen Ader freien Lauf lassen und bevorzugt Einflüsse aus Death, Doom und den progressiven Stilen des Metals mit in die Kompositionen einfließen lassen. Das Ergebnis ist letztendlich sehr mehrschichtig sowie vielseitig, immer irgendwie trostlos grau bis schwarz, mal ziemlich schnell nach vorn rasend, mal ruhig auslaufend, melancholisch bis depressiv, hier und da an den Death Doom ganz duster angrenzend, aber nicht ohne dem Hörer stets einen kleinen melodischen Hoffnungsschimmer (ein Song wurde auch schließlich zu „Hope“ betitelt), welcher stets das titelgebende Motto des Openers aufzugreifen scheint, zu belassen. Die ruhigeren Gitarrenphrasen erinnern sogar ansatzweise an osteuropäische Spielarten. Kurz gesagt, wer Blodtåke auf ihrer Reise begleitet, für den wird es stets spannend und interessant bleiben! Das ist aber auch nicht wirklich verwunderlich, sind doch alle hier beteiligten Musiker Perfektionisten ihres Fach, die quasi mit jedem einzelnen Atemzug Musik ein- und ausatmen. Ereškigal und Scriostóir an den Drums haben z. B. ihre Parts fehlerfrei und das nur innerhalb eines einzigen Tages im Stage One Studio eingespielt, was selbst Andy Classen total überraschte. Es hat aber auch knapp zwei volle Jahre seit der Ankündigung des Albums bis zu jetzigem Release gedauert, denn so ein gnadenlos aufeinander eingespieltes A-Team zusammenzustellen, das ist keine leichte Kunst. Gitarrist Gråven hat hier wahrlich viel Ausdauer bewiesen! Doch Geduld zahlt sich eben doch immer aus. Thylraz am Bass bringt zudem noch viel technisches Know-how mit, und mit Scather am Mikro konnte man einen extrem stimmgewaltigen und bereits sehr erfahrenen Sänger und Textwriter, der früher vor allem bei der Combo Path of Golconda seine Stimme malträtierte, für die gemeinsame Sache gewinnen. Und dieser geballten Power kann man nicht viel entgegensetzen. Starkes Emotionskino!

Wer blutunterlaufene Musik zu schätzen weiß und diese neu aufkommende Urgewalt auch live erleben möchte, der sollte sich den kommenden 15. Juni im Kalender dick und rot anstreichen. Im Rahmen der Release-Party werden Blodtåke nämlich den Helvete Pub sowie Live-Stage Club in Oberhausen nach allen Regeln der Kunst zerlegen. Lasst euch das nicht entgehen. Wir werden auch vor Ort sein!