Die Entweihung – The Worst is Yet to Come

Die Entweihung - The worst is yet to come

Viele Black-Metal-Alben gehen auf die Initiative eines Musikers zurück. Die Entweihung aus Israel ist so ein Ein-Mann-Projekt. Der aus Belarus stammende Denis Tereschenko präsentiert hier sein neuestes Werk in einer beeindruckenden Spielzeit. Ursprünglich dem Black Metal zuzuordnen, legt Die Entweihung seit 2007 regelmäßig neue Songs und CDs auf und ist anno 2018 für Einflüsse aus Thrash, Doom und Melodien des mittleren Ostens offen, ohne sich ganz vom Black Metal der Anfangstage zu entfernen.

Die CD „The Worst is Yet to Come“ ist über diverse kleine Label zu beziehen, wobei die mir vorliegende Version von More Hate Productions aus Russland kommt und das Album mit einem achtseitigen Booklet im Jewelcase präsentiert.

Nach dem eigenwilligen Intro „Good Times are Over“ mit Synthesizer-Melodien und gemäßigten Gitarren thrashed „The Holy Land“ durch die Boxen. Die Vocals erinnern an die Frühzeit des Black Metals, die Drums sind in Summe gut abgemischt, auch wenn die immer gleichen Samples der Becken schon im ersten Song nicht der Dynamik zuträglich sind und im Verlauf der CD den Hörer noch einige Nerven kosten werden. Die Gitarrenarbeit weiß dafür umso mehr zu überzeugen und kann auch auf „The Plague of XXI“ vollauf goutiert werden, weil hier die Melodieführung noch angenehm abwechslungsreich ist. Durch den einen oder anderen Tempowechsel kommt mitunter das Gefühl von Unberechenbarkeit auf, und die Melodien sind für den dargebotenen Black Metal durchaus außergewöhnlich. Lediglich die Tatsache, dass der Song die Siebenminutenmarke knackt, verlangt schon viel Geduld und führt mitunter zum Verdruss des Hörers, weil sich unterm Strich zu viel wiederholt.

Im Folgenden lockern tolle orientalische Melodien in „From the Darkness to the Eternal Light“ den Gesamtsound etwas auf. Wären da bloß nicht die künstlichen Orgelsounds und die scharf schneidende Rhythmusgitarre. Diese tragen nicht gerade dazu bei, dass der Hörer sich in der Musik verlieren kann. Die Solo-Gitarre wirkt dazu teils ziellos, selbst die eine oder andere „mutige“ falsche Note holt das Spiel nicht über blankes, seelenloses Skalengedudel hinaus, und so ist man froh, wenn die Vocals bei „Nailed to the Worthless Fate“ endlich wieder einsetzen. Der Song ist deutlich abwechslungsreicher und schwarzmetallischer als seine Vorgänger. Leider setzt sich aber auch hier und im folgenden „Next World War“ fort, was anfangs noch vom programmierten Schlagzeug ablenkte: Die Leadgitarre ist entweder in ihrer Lautstärke zu dominant oder wird durch sehr mittig-nasale Sounds so in den Vordergrund gehievt, dass das klug geschriebene Material den Hörer unnötig ermüdet. Das ist gerade im letztgenannten Song sehr schade, denn hier wird nämlich ein wirklich gut gemachter und intensiver Black Metal gespielt.

Das instrumentale „Antigift (Antilife)“ könnte mit einer stilechteren Instrumentierung und Soundwahl ein toller Ambient-Black-Metal-Song sein, verliert sich aber durch unnötig viele Gitarrenmelodien in einer Belanglosigkeit, aus welcher auch der Slayer-inspirierte Mittelteil den Song nicht retten kann.

Das teils gesprochene „Not for Devil Anymore“ klingt dann noch mal richtig vielversprechend und atmosphärisch. Hier gelingt es Denis besonders anfangs aus dem eigens gesetzten engen musikalischen Korsett auszubrechen. Das steht dem Projekt insgesamt deutlich besser als ihre eigene Interpretation des Black Metals. Leider verläuft sich auch hierhin wieder die eine oder andere missglückte Melodie, die eher nach Fasching als nach orientalisch angehauchtem Black Metal klingt.

Während das Bandcamp-Angebot hier endet, befindet sich auf der CD noch das Doro-Pesch-Cover „Long Lost for Love“, ein kurzweiliger, eigenwillig interpretierter Abschluss der CD, der – obwohl für einen nie erschienenen Cover-Sampler aufgenommen – sich gut in das zuvor Gehörte fügt.

„The Worst is Yet to Come“ ist ein ambitioniertes Werk, die schiere Länge der CD und die Vielfalt der präsentierten Ideen sind für einen Solo-Künstler beeindruckend aber auch ermüdend. Die Aufmachung der CD weiß zu überzeugen und das Material bietet immer wieder kleine Highlights. Wenn Die Entweihung sich zukünftig mehr auf stringente und stilsichere Melodieführung sowie einen ausgeglichen Mix konzentriert, wird man sicherlich noch mehr Hörer von sich überzeugen können. Fans von obskurem und bisweilen rohem Black Metal, welche bei nervigen Drumsamples eine hohe Leidenstoleranz besitzen, sollten definitiv ein Ohr riskieren.