Exklusive Vorstellung der kommenden Mosaic-Werke

Vorstellung der Mosaic-Werke 2019

Sei uns gegrüßt Martin! Wie immer bist Du sehr umtriebig und musikalisch äußerst aktiv, weswegen kurz vorm Jahresschluss gleich zwei brandneue Veröffentlichungen von Mosaic auf uns zugerollt kommen. Das erste, auf „Secret Ambrosian Fire“ betitelte Werk, ist nach vielen EPs und Splits endlich das langersehnte Full-Length-Album, während das zweite Werk, zu „Fensterverse und Nachtgespinste“ getaufte, wahrlich eine ziemlich spezielle EP darstellt, auf der musikalisch unterlegte Texte der Kölner Autorin Ulrike Serowy (durch ihr Buch „Skogtatt“ bereits bekannt) vertont worden sind. Um zuerst bei der EP zu verweilen: Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Grüß Dich Adam! Im Frühjahr 2018 fand das Culthe Fest in Münster statt. Zu diesem Anlass erschien das Werk „Dickicht“, eine Kollaborationsveröffentlichung von Marcel Dreckmann (Helrunar, Wöljager) und Ulrike Serowy. Da ich bei diesem Event leider nicht dabei sein konnte, lies ich mir ein Exemplar zuschicken und war sofort von der Art und Weise ihrer Texte angetan. Denn wenn ich Lyrik lese, rezipiere ich sie automatisch auf zwei verschiedenen Ebenen: Ich achte auf den Inhalt und darauf, ob man diesen vertonen kann. Bei Ulrikes Texten war mir sofort klar, dass ich diese interpretieren und inszenieren wollte. Sie hat einen sehr besonderen, direkten, aber zugleich reduzierten Stil, und so wollte ich auch die Vertonungen halten, auf das Essentielle reduziert. So wurden bereits 2018 zwei Texte aus „Dickicht“ vertont. Es handelte sich dabei um „Kein Licht, kein Laut“ sowie „Nacht um das Haus“. In diesem Jahr verselbstständigte sich der Prozess etwas. Die Grundidee bestand darin, die beiden Aufnahmen mit einer weiteren Vertonung auf Kassette zu veröffentlichen. Ulrike schickte mir diverse Texte zu, und „leider“ hatte ich sofort für alle Texte Ideen parat, und so entstanden nahezu „über Nacht“ fünf weitere Vertonungen. Die „Fensterverse und Nachtgespinste“ waren somit geboren. Visuell unterstützt uns hier die österreichische Gestalterin Gabbur, welche ihre Arbeit jüngst in Zusammenarbeit mit Irrwisch für das kommende House of the Holy präsentierte. Neben „Fensterverse und Nachtgespinste“ entstand zudem auch die Erstauflage von Ulrike Serowys neuer Novelle „Wer aus mir trinkt“, welche über Ulrike, Eisenwald sowie mich erhältlich ist.

Was erwartet den Hörer auf dieser EP ganz speziell, wovon handeln Ulrikes Texte? Streng archaischer Natur, welche sonst Deine Arbeiten durchflutet, sind sie ja nicht, oder doch? Und ist die Zusammenarbeit mit Ulrike etwas Längerfristiges oder handelt es sich dabei um ein einmaliges Experiment?

Musikalisch ist es schwer zu beschreiben. Es sind minimalistische Songs, meist nur Konzertgitarre und Synthesizer. Sie kommen alle ohne Perkussion aus und leben nur durch die Stimme, welche fernab von dogmatisierter Ästhetik agiert, wenn man das so nennen möchte. Ich habe ja zum Glück nie gesagt, dass ich singen kann, und das will ich auch nicht. Meine Stimme gehört fest in das Mosaik eingebettet, und ich bin immer noch dabei, all ihre Facetten auszuloten. So handelt es sich auch hier wieder zu 90% um First Takes, denn dies ist das, was Herz und Seele wollen. Etwaige „Wackler“ oder wenn die Stimme mal abbricht, das alles stört mich nicht, denn das ist menschlich.

Als musikalische Einflüsse kann vor allem EA80 mit ihrem Album „Schauspiele“ genannt werden, aber auch Rome, wie etwa auf dem Lied „Rheinflut“. Doch wenn ich jemandem einen expliziten Vergleich zu der EP nennen sollte, würde mir keiner einfallen, ist diese doch sehr eigen(artig) geworden.

Die Texte bilden einen starken Kontrast zu meinen herkömmlichen von Mosaic. Diese sind sehr chiffriert, blumig und metaphorisch, und Ulrike liefert den „krassen“ Gegenentwurf dazu: Direkt, reduziert und konkret. Man weiß immer, wo man ist und kann den Worten folgen, ohne dabei verloren zu gehen. Diese höchst objektive Art vermittelt meinem Empfinden nach etwas erschreckend Urbanes und Kaltes, als schwebte man in einer Metaebene und wäre nur der Beobachter. Zwischen den Worten schwingen aber die großen Welten, die einen ungemeinen Tiefgang eröffnen und Gefühle transportieren, ohne dass sie benannt werden müssen. Das ist die Magie in ihren Texten. Es ist, als hätte man Georg Trakl logisch weitergeführt und in die Post-Moderne gehoben, jedoch ohne ihn dabei imitieren zu wollen.

Für die Zukunft gibt es bereits Pläne für weiterführende Kollaborationen, doch zunächst harren wir der Veröffentlichung der EP entgegen.

Von „Secret Ambrosian Fire“ bekommt man die gewohnt Kost serviert, wie immer auf den drei Säulen „Traditions – Legends – Mysticism“ errichtet, nicht wahr? Schon das mehr als nur gelungene und äußerst symbolträchtige Cover-Artwork dürfte jedem, der Deine Musik verfolgt und zu schätzen weiß, den Mund mehr als nur wässrig machen. Vielleicht kannst Du uns wie unseren Lesern anhand des Artworks kurz das Konzept hinter dem Album erläutern, indem Du uns erklärst, was man darauf so alles sehen bzw. erkennen kann?

Musikalisch ist das Album, denke ich, keine gewohnte Kost geworden, lyrisch dafür umso mehr, und ich bin wirklich sehr gespannt, wie das Album von den Hörern aufgenommen wird. Das ist etwas, was ich absolut nicht einschätzen kann. Jedenfalls repräsentiert es genau das, was ich mit Mosaic momentan darstellen will.

Das Grundsymbol des Artworks ist ein Dreieck, denn bei diesem Werk handelt es sich um ein Feuer-Album. Auf der Spitze des Dreiecks thront der Feuergott, zu seiner Linken und Rechten stehen Hermes und Merkur, die Wächter der Anderswelt. Durch das dreieckige Portal blickt man in das Diesseits, welches die thüringischen Hörselberge zeigt. Hermes und Merkur bringen fantastische Elemente ins Spiel, die dem Betrachter den Weg in den Berg offenbaren, wo das Fegefeuer brennt, im Tempel der vielen Feuer, während im Himmelreich Mutter Hulda die Wilde Jagd abhält. Ich möchte aber noch betonen, dass abgesehen von diesem Hauptkunstwerk auch noch weitere Illustrationen explizit für dieses Album geschaffen worden sind.

Das Album-Logo stammt von Irrwisch, der auf der Grundlage des Mosaic-Hauptlogos eine „überwucherte“ Variante erschuf, welche wieder viele wichtige Pflanzen aus dem Albumkosmos zeigt. Das Albumsiegel stammt von Wiebke Rost/Teufelskunst. Auch hier lassen sich alle wichtigen Symboliken des Albums wiederfinden. Vile Crown Creations zeichnete die Mutter Holle in einer sehr traditionellen Art und Weise. Hinzu kommt ein exklusives Audio-Kassetten Artwork von Murk Arts, welches ganz schlicht eine Beschwörungsszenerie zeigt. Die CD-Edition enthält dagegen viele Fotografien von meiner Frau, welche weiterführende Schlüssel für das Album erhalten. Und zu guter Letzt haben wir uns Alchemie-Symbole von Equitant (Absu) entwerfen lassen, die hier das erste Mal gezeigt werden und auch für künftige Veröffentlichungen gedacht sind. Somit ist das Album nicht nur aus musikalischer Sicht ein Mosaik, sondern auch auf allen anderen Ebenen.

Im Zusammenhang mit diesen beiden neuen Musikwerken fällt mir auf, dass Du Deinen Künstlernamen Inkantator Koura abgelegt zu haben scheinst und nun unter dem neuen Martin van Valkenstijn tätig bist. Hat es damit etwas Besonderes auf sich?

Inkantator Koura war ja im Grunde genommen noch ein Relikt aus Alchemyst-Zeiten. Da Mosaic zunehmend persönlicher wurde, lag es auf der Hand, ein greifbareres Pseudonym zu entwerfen. Ich entschied mich für eine niederländische Form meines eigentlichen Familiennamens, und das nicht zuletzt aus rein ästhetischen Gründen. Es steckt auch mehr dahinter, aber da sich das Rad immer weiterdreht, bin ich selber gespannt, wie lang dieser Name Bestand haben wird. Für die aktuelle Zeit gibt es jedenfalls keinen passenderen.

Vielen Dank für Deine Ausführungen Martin! Wir hoffen sehr, dass die neuen Werken die Aufmerksamkeit erhalten, die sie verdienen! Für die Zukunft weiterhin alles Gute!

Lieben Dank Adam für die Beleuchtung der beiden Werke im Waldhalla. Viele Grüße aus Thüringen!