Baltic Ale, Baltic Dubbel, Baltic Tripel

Rügener Insel-Brauerei - Baltic Ale, Baltic Dubbel, Baltic Tripel

In dieser Bierprobe von gleich drei Exponaten der Rügener Insel-Brauerei wird es etwas gehaltvoller. Zum einen, weil ich gleich drei Biere empfehlen möchte, die alle einen ähnlichen Namen tragen und aus der gleichen Brauerei stammen, und zum anderen, weil diese drei Biere es in der Tat in sich haben: 7,5 %, 8,5 % und 9,5 % Alkohol – mit jedem verkosteten Bier steigert sich der „Härtegrad“. Aber auch geschmacklich haben diese Starkbiere es in sich, denn hier wurde nicht mit Aromen und Gaumenreizen gegeizt. Ich muss zwar gestehen, dass ich geschmacklich kein großer Freund von starken Bieren bin (weil sie mir einfach meist zu kräftig sind und der Alkohol im Aroma zu sehr spürbar ist), doch hier mache ich gerne eine Ausnahme.

Drei „seltene Biere“ erwarten uns bei dieser „Expedition ins Bierreich“, wie bereits das Etikett jeder einzelnen Flasche verspricht. Ich muss sagen, diese Wortparodie auf eine bekannte Naturfilmreihe ist wahrlich gelungen, und das nicht nur, weil man hier irgendein werbendes Aushängeschild benötigte. Nein, es sind tatsächlich seltene Biere, die wir hier antreffen werden. Geprägt mit dem Konterfei einer vom Aussterben bedrohten oder zumindest seltenen Tierart, haben wir hier drei Biere vor uns, die nach belgischem Vorbild gebraut wurden. Für eine deutsche Brauerei keine Selbstverständlichkeit. Wenn man jedoch weiß, dass die Rügener Insel-Brauerei – der Urheber dieser Biere – einen belgischen Braumeister beschäftigt, erscheint das Ganze in einem anderen Licht. Doch halt: Belgische Biere, in Deutschland gebraut unter dem Label des Baltikums, einer Region in Osteuropa? Auch das dürfte Seltenheitswert haben.

Alle Biere, die ich euch heute vorstellen möchte, haben zudem eines gemeinsam: Es handelt sich um flaschengegärte Biere. Das verzeiht auch die Zugaben von Traubenzucker im Gerstensaft, denn – wie ich hoffentlich korrekt recherchierte – wird dieser benötigt, um die Gärung in der Flasche bei Laune zu halten. Vom Traubenzucker selbst bleibt nichts übrig – obwohl ich vermute, dass seine Süße doch ihre Spuren hinterlässt. Verpackt sind die Biere sehr edel; alle drei Flaschen in Papier eingeschlagen und optisch sehr ansprechend bedruckt.

Baltic Ale

Rügener Insel-Brauerei - Baltic Ale

Beginnen möchte ich mit dem „Schwächsten“ in dieser Dreierrunde, dem Baltic Ale, einem Bier nach dem Vorbild belgischer Starkbiere. Das goldgelbe, leicht trübe Bier hat es bereits stark in sich. Mit seinen 7,5 % Alkoholgehalt spielt es bereits in der oberen Liga der Rauschverursacher (und ich muss gestehen, dass mir bereits nach diesem Bier ein bisschen lustig im Kopf wurde). Durch die Flaschengärung entsteht – zumindest in diesem Falle – eine ganze Menge Kohlensäure, die das Einschenken ins Glas erschwert. Dafür hat man eine sich lange haltende, ansehnliche Schaumkrone in herrlichem Weiß. Nicht verwunderlich ist das starke Prickeln an der Zunge, gefolgt von einer fruchtigen Geschmacksvielfalt und einer voluminösen Würze. Natürlich schmeckt das Baltic Ale spürbar süß, verklebt aber nicht den Gaumen.

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Traubenzucker, Hopfen, Hefe
Alkoholgehalt: 7,5 %

Baltic Dubbel

Rügener Insel-Brauerei - Baltic Dubbel

Beim Baltic Dubbel ist der Name Programm: Es erscheint gefühlt doppelt so intensiv, doppelt so stark und doppelt so aromatisch zu sein. Nur farblich ist dieses, dem belgischen Dubbel nachempfundenes Bier schwer einzuordnen. Irgendwo zwischen Braun, Rot und Orange ergibt sich eine Farblichkeit, die schon so manchen an das Cola-Orangenlimo-Gemisch „Spezi“ erinnert hat. Leider teilt das Baltic Dubbel mit diesem Softdrink auch seine Eigenschaften zur Schaumkronenbildung, die hier kaum zu finden ist. Dafür (zum Glück) ist das Aroma ein völlig anderes! Vollmundig, kräftig, ebenfalls recht süß, mit starken Malz- und Röstaromen im Antrunk und einer ausgewogenen Hopfenherbe im Abgang. Hier wird nicht, wie auf dem Flaschenetikett zu sehen, „mit den Wölfen geheult“, sondern ein Bier mit ganz eigenem Charakter präsentiert.

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Traubenzucker, Hopfen, Hefe
Alkoholgehalt: 8,5 %

Baltic Tripel

Rügener Insel-Brauerei - Baltic Tripel

Das letzte im Bunde setzt dem Ganzen noch mal einen Drauf. Wie bereits bei einem Alkoholgehalt von satten 9,5 % zu vermuten, ist dieses Bier noch eine Spur kräftiger als seine beiden Vorgänger. Hätte ich alle drei an einem Abend verkostet, hätte ich nun mit Sicherheit ordentlich einen in den Socken. Doch das Baltic Tripel hatte ich mir für einen eigenen Abend zurückgelegt. Leider stellt sich bei diesem allerdings wieder meine leichte Aversion gegen starke Biere ein, denn mir war es persönlich etwas zu viel von Allem. Dennoch wird auch hier nicht mit Reizen gegeizt: Das leicht trübe Gold des Bieres verbirgt eine schwer zu überschauende Vielfalt an Fruchtaromen und (wieder einmal) eine spürbare Süße sowie (ebenfalls wieder) einen Hopfen, der sich erst im Nachhinein bemerkbar macht. Wie beim Baltic Ale trifft man zudem auf eine gehörige Menge Kohlensäure, die das Erfrischungserlebnis zwar abrundet, aber das Einschenken zu einer Herausforderung macht.

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Traubenzucker, Hopfen, Hefe
Alkoholgehalt: 9,5 %

Fazit

Meine Bilanz zu diesen drei Vertretern der Rügener Insel-Brauerei? Ich will mehr davon! Hier hatte ich drei vom Prinzip her zwar ähnliche, aber dennoch vom Charakter unterschiedliche Biere vor mir, die sogar einen „Starkbierverächter“ wie mich überzeugen konnten. Lecker waren sie, wenn auch nichts zum schnellen Runterkippen. Eher zum Genießen. Und zudem wurde auch mein Mediengestalterauge beim Anblick der wirklich schön gemachten Flaschenetiketten erfreut. Ach ja: Geduftet haben die drei auch alle richtig gut. Ein echtes Erlebnis für alle Sinne also.