Deutschlands wilde Tiere (Buchvorstellung)

Ungezähmte Wildnis – damit verbindet man eigentlich eher Regionen wie Kanada, Sibirien, Afrika, dichte Wälder, unerforschten Dschungel und die Tiefen des Meeres. Kaum jemand wird direkt unsere dicht besiedelte Heimat dabei vor Augen haben. Dass es aber auch bei uns ganz schön „wild“ zugehen kann, zeigt das National-Geographic-Sonderheft „Deutschlands wilde Tiere“ sehr anschaulich, und das nicht nur in beeindruckenden Fotos. Das Heft stellt einige der zum Teil bedrohten Tiere unserer Heimat vor, die man eher selten zu Gesicht bekommt – eben die richtig wilden Vertreter ihrer Art.

Bei vielen der vorgestellten Tierarten wird es wahrscheinlich schwierig, diese einmal in freier Wildbahn beobachten zu können. Damit der geneigte Naturbeobachter vielleicht doch einmal Auge in Auge einer solchen Kreatur gegenüberstehen kann, werden in dem Heft 30 Orte von der Nordsee bis zu den Alpen vorgestellt, an denen man unter den richtigen Umständen die besten Aussichten auf eine Begegnung hat.

Insgesamt ist es schwierig wirkliche Wildnis zu entdecken, wenn man nicht ferne Länder bereisen möchte. Mit diesem Sonderheft der National-Geographic-Reihe versucht man meiner Ansicht nach einen Spagat, der leider nur teilweise gelingt: Möglichst jedem geneigten Leser die Wildnis zu zeigen, die auch bei uns noch zu existieren scheint. Versteht mich nicht falsch, ich finde das Heft klasse. Es ist durchweg informativ – auch wenn man vielleicht nicht unbedingt viel Neues erfährt. Dass es auch bei uns noch Luchse, Seeadler und Wölfe gibt, ist nicht unbekannt, neu dagegen sind die Ausflugstipps, an denen man die im Heft vorgestellten Tiere beobachten könnte. Ich sage bewusst „könnte“, denn bei einem flüchtigen Besuch wird man wohl kaum eines der mitunter scheuen Tiere zu Gesicht bekommen. Dazu braucht es vor allem eine gute Portion Geduld und gegebenenfalls jede Menge Zeit.

Leider ist dieses Heft bei den meisten Bezugsquellen bereits vergriffen. Da ich jedoch regelmäßig die Sonderhefte von National Geographic nicht nur hervorragend bebildert sondern auch sehr informativ finde, kann ich empfehlen, beispielsweise bei eBay, nach einem gebrauchten Exemplar Ausschau zu halten. Ansonsten gilt: Mit ein bisschen Phantasie beginnt die echte Wildnis direkt vor der eigenen Haustür. Man muss sich nur darauf einlassen.