Thelonius große Reise (Buchvorstellung)

Thelonius große Reise

Ist es ein Comic? Ist es ein Buch? Nun, es ist irgendetwas dazwischen und doch wieder etwas völlig anderes. Als mich der erste Band dieses Dreiteilers vor einigen Jahren in einem Leipziger Comic-Laden anlächelte, war ich schon nach dem Blättern der ersten Seiten hin und weg. Und das nicht nur, weil hier ein Streifenhörnchen der Held ist*. Die Geschichte um Thelonius, dem Hörnchen mit einer Vorliebe für die untergegangene Kultur der Menschen, steckt voller skurriler Kleinigkeiten – beginnend bei der Tatsache, dass alle Tiere sprechen können und einen Daumen haben, der einzige Mensch der Geschichte zu einem Zwerg geschrumpft wurde, und aufhörend dabei, dass Tiere letzten Endes (nicht alle) besser als die untergegangenen Menschen sind und Krebse in gigantischen Robotern die Weltherrschaft anstreben.

Klingt merkwürdig? Genau das liebe ich an solchen Geschichten. In den drei Bänden der Reihe („Das Geheimnis des Nebelbergs“, „Aufbruch nach Dämmerland“ und „Simons Traum“) wird die lange und beschwerliche Reise von Thelonius und seinen Freunden erzählt, die sich aufmachen, das Geheimnis des wahrhaft sprachlosen Wissenschaftlers Bill zu lösen und die Rätsel der Vergangenheit zu lüften. Die eigentlich als Kinderbuch konzipierte Reihe ist für Erwachsene dabei ebenso lesenswert, wie für die junge Generation. Vielleicht sogar noch etwas besser. Denn viele Kinder wird es wohl enttäuschen, dass die bunten Cover der Bücher im Innenteil einer schlichten Zweifarbigkeit weichen. Das sieht zwar stilvoll aus, ist aber sicherlich nicht jedermanns Sache. Vielleicht täusche ich mich da aber auch.

Thelonius große Reise 02

Fest steht: Die Mischung aus Abenteuergeschichte und Graphic Novel mag auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig sein, ist aber so wundervoll gezeichnet und geschrieben, dass man sich schnell zwischen den Seiten verliert. Natürlich handelt es sich hier nicht um Philosophie der hohen Schule. Die Botschaft, dass wir Menschen unsere Welt schlicht zu Grunde gerichtet haben und dass Tiere nicht zwingend die „besseren Menschen“ sein müssen, wird jedoch sehr deutlich. Warum die Tiere das Sprechen lernten und alle einen nutzbaren Daumen haben, soll hier aber nicht verraten werden.

* Einer meiner Grundsätze lautet: Eichhörnchen bringen Glück. Das gilt natürlich auch für alle artverwandten Lebewesen.