Interview mit walden (Danijel Zambo)

Danijel
Das Review zu „Wenn die ersten Blätter fallen“ aus dem Hammerheart #8 führte bei mir dazu, mich kurzerhand näher mit dem Projekt walden zu beschäftigen. Nach umgehendem Kauf und der daran anknüpfenden (etwas tiefergehenden) Unterhaltung mit Danijel Zambo, ist dieses Interview für mich nunmehr die logische Schlussfolgerung daraus.

Du hast ja bereits unter Deinem bürgerlichen Namen Alben veröffentlicht. Woher kam der Impuls das Projekt walden ins Leben zu rufen und was hat der Begriff für eine Bedeutung?

Ich habe begonnen, erste Stücke für walden aufzunehmen, nachdem ich 2010 mein zweites Soloalbum fertiggestellt hatte und einfach mal Musik machen wollte, bei der ich nicht auf einen Computer angewiesen bin. Ich hatte in den Jahren zuvor die akustische Gitarre auch eher vernachlässigt und zu dem Zeitpunkt ging es mir gesundheitlich auch nicht besonders gut und so musste ich mich einfach etwas zurückziehen, um wieder zu mir zu finden. Dabei habe ich dann auch das Buch von Thoreau mit dem Titel „Walden“ gelesen und habe die Natur und die Wälder wieder mehr schätzen gelernt und dabei festgestellt, dass mir das alles sehr gut getan hat. So bin ich immer tiefer abgetaucht und habe versucht, mich viel mehr auf mein Gefühl zu verlassen und meinen Weg zu gehen und nicht das Leben zu leben, das vielleicht von einem erwartet wird. Für mich persönlich hat walden also einen hohen Stellenwert und auch mehrere Bedeutungen: Rückzug in die Innerlichkeit und Natur, mehr Platz für Emotionen und letztlich auch Selbstachtung und Gesundheit.

Bist Du sonst noch in anderen Bands involviert?

Ja, ich habe erst im vergangenen Jahr ein Album mit einem Freund von mir aufgenommen und wir haben dabei auch einige Stücke gemeinsam geschrieben und geformt, was auch mal sehr schön war nach jahrelanger Alleinarbeit. Das Projekt nennt sich DANDAN und geht musikalisch auch in eine ganz andere Richtung als alles, was man von mir so kennt, aber gerade darin lag für mich auch der Reiz. Ich bin ziemlich offen für alle möglichen Musikrichtungen – wichtig ist halt, dass es mich emotional anspricht, andernfalls könnte ich mich nicht auf eine Zusammenarbeit einlassen.

In diesem Jahr habe ich auch angefangen, an einem kleinen Black Metal Projekt mit einem anderen Kollegen zu arbeiten, darüber kann ich momentan allerdings noch nicht viel sagen. Wir haben ein paar Stücke instrumental fertig und es wird sehr atmosphärisch und eher langsam, mehr dann aber bei Gelegenheit.

Thematisch gehst Du ja auf Deinem letzten Album auf Herbst und Winter ein. Hast Du diese Jahreszeiten auf Grund ihrer Dunkelheit ausgewählt oder kannst Du Dich mit ihnen einfach am besten identifizieren?

Die Stücke für’s letzte Album sind schlicht im Herbst/Winter entstanden und gehen daher verstärkt auf diese Jahreszeiten ein. Ich bin grundsätzlich eher ein Sommertyp, aber die dunkle Jahreszeit hat natürlich auch ihre schönen Seiten und ich schätze vor allem die Stille und das zur Ruhe kommen. Ich denke, dass es mir deshalb auch leichter fällt, in dieser Zeit Musik zu machen, da man eben mehr Zeit daheim verbringt und es einen bei Kälte und Dunkelheit nicht ständig nach draussen zieht.

Siehst Du walden als heidnisches oder ferner auch spirituelles Projekt?

Für mich ist walden auf jeden Fall ein spirituelles Projekt und ich versuche auch im Alltag nicht zu vergessen, dass wir alle ein Teil der Natur sind und alles, was wir tun oder auch nicht tun, gewisse Auswirkungen hat. Mich hat das schon seit meiner Jugend beschäftigt und ich habe auch schon Jobs oder Aufträge nicht angenommen, weil sie nicht mit meinen Überzeugungen einhergingen. Leider ist genau dieser Aspekt bei vielen Menschen verloren gegangen und sie sehen nicht, dass es eine unserer wichtigsten Aufgaben ist, möglichst im Einklang mit der Natur zu leben. Sehr treffend dazu finde ich die Aussage der Cree-Indianer: „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werden die Menschen feststellen, dass man Geld
nicht essen kann.“

Wird es möglicherweise einen Nachfolger geben, der eher die warme Jahreszeit um die Sommersonnenwende behandelt? Ich habe da grad den Song „Frühlingserwachen“ vom ersten Album im Ohr.

Tatsächlich habe ich auch schon einen ähnlichen Gedanken gehabt, mal etwas näher auf die Frühlings- und Sommerzeit einzugehen, aber um ehrlich zu sein, ist es schwierig für mich, meine Musik zu steuern. Gerade bei walden stehen Emotionen sehr stark im Vordergrund und ich habe so gut wie keinen Einfluss darauf, wie diese Stücke entstehen. Alle Stücke bisher sind innerhalb von ein paar Stunden und in einem Rutsch entstanden – ein ziemlich intuitiver Prozess also, und das möchte ich eigentlich gerne beibehalten, da es andernfalls auch schnell verkrampft wirken kann.

Wird es in Zukunft Songs geben, die mit Gesang (also mit Lyrik) sind, oder willst Du Deine Musik ausschließlich instrumental für sich wirken lassen? Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass in vereinzelten Stücken die Kombination mit einer zarten Frauenstimme sehr gut passen könnte.

Ich kann dazu leider nicht viel sagen, da ich noch keine Vorstellung davon habe, wie zukünftige Stücke klingen könnten. Ich habe eine ungefähre Klangfarbe und Instrumente im Kopf, mit denen ich gerne arbeiten würde, aber das muss alles noch ein wenig reifen. Ob es mehr Gesang geben wird oder gar Texte, das wird sich dann im Prozess zeigen, aktuell habe ich noch keine neuen Ideen oder Stücke fertig, daher muss ich einfach noch warten bis der richtige Zeitpunkt da ist – vielleicht wird es aber auch kein weiteres Album geben, ich kann es im Moment leider wirklich noch gar nicht sagen. Wenn man das Album wenige Wochen nach dem Erscheinen in vielen Torrent-Portalen findet, dann stellt man sich gelegentlich schon die Frage, ob das überhaupt Sinn macht. Das Ziel der Veröffentlichung war es natürlich nicht möglichst viel Geld zu verdienen oder viele CDs zu verkaufen, aber ich habe das Gefühl, dass es den meisten Hörern nur noch darum geht, möglichst viel Musik konsumieren zu können. Es spielt keine Rolle mehr, woher man diese bekommt, und diese Entwicklung finde ich ziemlich schade.

Gibt es bestimmte Orte in Deiner Umgebung, an denen Du gerne verweilst oder wanderst um den Kopf für inspirierende Gedanken frei zu kriegen?

Ja, tatsächlich gibt es ein paar Orte in meiner Umgebung, an die es mich immer wieder zieht und an denen ich meist innerhalb kürzester Zeit den Kopf frei bekomme und neue Ideen für Musik entstehen. Manchmal kommt es vor, dass ich diese Ideen wieder vergessen habe bis ich zuhause bin, aber das ist auch nicht so tragisch. Ich wohne ziemlich am Stadtrand von Augsburg und habe es daher nicht weit, und gerade mit dem Rad bin ich in kürzester Zeit im Grünen, umgeben von Natur und kleinen Wäldern, und ich sehe zu, dass ich gerade an schönen Tagen möglichst viel Zeit dort verbringe – eine bessere Inspiration kann ich mir schlicht nicht vorstellen.

Thor schrieb im Hammerheart #8, dass Du selbst keinen Vorbildern nacheiferst. Stimmt das? Es gibt aber sicherlich Bands die Dich bis heute begleitet haben, wenn ich mir deine „the covers“ von 2012 mit Immortal, Slayer und Konsorten so anhöre.

Ich denke, dass es sehr schwer ist, nicht von anderen Bands oder Künstlern inspiriert zu sein, gerade auch wenn man soviel Musik verschlingt wie ich. Ich habe jedenfalls nicht bewusst versucht wie bestimmte Bands zu klingen, sondern möglichst frei die Stücke zu gestalten. Gewisse Einflüsse lassen sich aber sicherlich heraushören, wie ich denke, als da wären Empyrium oder auch Espen Jørgensen und Ulver. Um so ganz ohne Einflüsse Musik zu machen, müsste man schon in einer Höhle leben oder keine fremde Musik hören, aber ob dabei dann bessere Musik entsteht ist fraglich – könnte man ja mal versuchen!

Meiner Meinung nach haben heutzutage viele Menschen die Verbindung zum Wesentlichen und ihren Wurzeln verloren. Ist Deine Musik auch so zu deuten, dass der Hörer durch sie leichter bzw. wieder Zugang zur Natur findet?

Da kann ich Dir nur zustimmen, ich denke auch, dass viele Menschen vergessen haben, das Wesentliche zu schätzen und verlieren sich dabei dann selbst irgendwo. Ich finde das aber auch nicht wirklich verwunderlich, es geht ja heutzutage nur noch darum, möglichst viel Leistung zu bringen und zu funktionieren – wer da nicht mitmacht, mit dem stimmt was nicht.

Für mich war der Entstehungsprozess eben auch genau dies, wieder mehr zu mir, allgemein zum Wesentlichen und eine engere Bindung zur Natur zu finden, und wenn das dann auch so ankommt, kann ich auf jeden Fall zufrieden sein. Bei all dem Wahnsinn und der Informationsflut, die uns täglich begegnet, finde ich es ziemlich wichtig, dass man kleine Inseln oder Rückzugsmöglichkeiten in welcher Form auch immer findet, die einen mehr zu sich bringen und einem ein gutes Gefühl verschaffen können.

Denkst Du, dass die Lösung für das „Entwurzeltsein“ im Minimalismus bzw. im Nichtbesitzen von Dingen zu finden ist? Ich habe da grad Mahatma Gandhi im Hinterkopf.

Ich weiß nicht, ob das grundsätzlich die Lösung für alle ist. Ich habe für mich festgestellt, dass es mir besser geht, weniger zu haben und Besitztümer loszulassen, aber ich bin grundsätzlich auch ein eher asketischer Typ. Ich denke, dass das jeder für sich selbst herausfinden muss und es kein allgemein gültiges Rezept gibt, wie man besser zu sich findet. Ich habe festgestellt, dass es natürlich leichter ist, fokussiert zu bleiben, wenn man sich nicht ständig mit neuen Dingen umgibt, sondern einfach auch mal versucht, mit dem glücklich zu sein, das man bereits hat. Aber das war auch ein jahrelanger Prozess bei mir, bis ich mal an den Punkt gekommen bin, und es ist auch immer noch ein andauernder Prozess und wird es vielleicht auch immer bleiben. Weil Du schon Gandhi erwähnt hast, dessen Philosophie ich auch sehr schätze – man darf halt nicht vergessen, dass es auch ihn Jahre und viele Fehler gekostet hat, um zu seinen Erkenntnissen zu kommen. Es wäre ja langweilig, wenn wir gleich alles richtig machen würden, oder?

Da stimme ich Dir zu – der Mensch im Allgemeinen ist ja lernfähig!
Können wir Dich und Deine Musik zukünftig irgendwo live erleben?

Ich spiele immer mal wieder live und habe auch schon Stücke meines letzten Albums live gespielt, was auch sehr schön war. Da diese Stücke allerdings sehr von der damaligen Stimmung leben, würde es mir heute schwer fallen, diese so rüberzubringen, da ich momentan an einem ganz anderen Punkt in meinem Leben bin. Ich fühle mich daher wohler, wenn der Konzertrahmen etwas lockerer gesteckt ist und ich je nach Stimmung spielen kann, was gerade passt oder auch mal eine Improvisation dazwischen schieben kann. Grundsätzlich stecke ich viel Energie in die Aufnahmen und meist ist der Prozess dann damit abgeschlossen. Ich bin kein großer Freund davon, diese Stimmungen vor Publikum reproduzieren zu müssen – ein freier Rahmen kommt mir da eher entgegen!

Vielen Dank an dieser Stelle, dass Du uns einen kleinen Einblick in Deine Gedanken und Dein Leben gewährt hast!

(auch veröffentlicht im Hammerheart Fanzine #9, Mai 2015 / Foto: © Danijel Zambo)