A Light in the Dark – Vanished

A Light In The Dark

Auf A Light in the Dark bin ich vor circa zwei Jahren mal bei YouTube aufmerksam geworden. Damals ahnte ich noch nicht, dass sich hinter dem Ein-Mann-Projekt ein wahnsinnig vielfältiger Künstler verbirgt, der auch für Skyforest oder das mit Ambiente behaftete Piano von Blurry Lights verantwortlich ist, um nur ein paar der kreativen Ergüsse von B.M. zu nennen. Knapp drei Jahre (ich zähle das 2015 erschienene Album mal nicht zur regulären Serie, da es nur neu aufgelegte Stücke von älteren Erscheinungen enthält) war A Light in the Dark von der Bildfläche verschwunden. Im Vergleich zur Abwesenheitszeit manch anderer Band erscheint das nicht viel, ich bin dennoch glücklich, wieder ein Lebenszeichen von dem Projekt zu hören.

Laut B.M. handelt es sich bei den neuen Songs um das bislang düsterste Material. Auch der Titel „Vanished“ verspricht nicht unbedingt ein vor kitschiger Fröhlichkeit sprühendes Album. Im Gegensatz zu den älteren mir bekannten Sachen findet man auf „Vanished“ kaum noch elektronische Elemente vor, die zumindest in früheren Songs das Gesamtbild dominierten. Auch B.M. selbst erwähnt die Abwesenheit elektronischer Elemente: „There are no electronic pads or plucks this time, the only instruments are guitar, bass and programmed drums. Also an occasional usage of prolonged vocal singing (no lyrics).“

Dem Album selbst tut dieser „Minimalismus“ ziemlich gut. Die Stimmung mag düster sein, erscheint mir jedoch nicht (zu) deprimierend oder traurig. Ich fühle mich als Hörer eher völlig in die Szene des Coverbildes versetzt: Während eines nächtlichen Spaziergangs oder auch Nachhausewegs durch die Lichter der Stadt setze ich mir die Kopfhörer auf, und die Klänge dieses Albums erfüllen, zumindest in meinem Kopf, die Nacht, während alles andere um mich herum zu einem die Musik untermalenden Beiwerk wird. Bereits der erste Song „I Tried to Forget“ weckt irgendwie eine Art von Aufbruchstimmung in mir. Mag der Titel auch wenig Fröhliches suggerieren, so erscheint er mir auch ohne einen erzählenden Hintergrund nicht nur negativ belegt. Nicht bestreiten kann ich jedoch, dass zwischen den Zeilen eine gewisse Wut mitschwingt. Der nachfolgende Titeltrack „Vanished“ geht grundsätzlich in die gleiche Richtung wie sein Vorgänger. Er setzt jedoch auch auf gut platzierte, spannungssteigernde Pausen und auf unverständliche Textpassagen im Hintergrund, die wie Gesprächsfetzen an einem vorüberziehen. Mit „Overpass“ wird es erstmals etwas ruhiger. Der Song wird von sanftem Gitarrenspiel bei der Hand genommen, welches nur von den bereits gehörten Gesprächsfetzen untermalt wird. „Tired of Waiting“ vermischt nun zwei Welten miteinander: Nach dem ruhigen Anfang wechselt der Song in die gleiche Stimmung, welche auch die beiden Erstlinge dieses Albums beherrschte, und scheint so eine unterschwellige Wut mit augenscheinlicher Ruhe vereinen zu wollen. Auch der letzte Song des Albums „Self-Dissonance“ macht hier keine Ausnahme.

Insgesamt bietet „Vanished“ ein paar sehr homogene und stimmige Minuten instrumentaler Unterhaltung, die zwar unter einem düsteren Stern stehen mögen, dadurch aber nicht in einem deprimierenden oder gar bedrückenden Licht erscheinen. In meinen Ohren überwiegt vielmehr eine nicht näher zu definierende Sehnsucht.