Abkehr – In Feuer

Abkehr - In Feuer

Deutschsprachiger Black Metal zum Zigsten… aber selbst wenn der erste (optische) Eindruck Abkehr alle Stereotypen bestätigt, die einem bei der Nennung dieser drei Worte einfallen, sollte und – wie sich beim Hören herausstellt – darf man ohne Vorbehalte an die Gruppe herantreten, deren erstes Release erfreulicherweise von sämtlichen Strömungen des momentanen Szene-Zeitgeists daherkommt.

Im Übrigen könnte Multi-Instrumentalist und Schreihals Raash, dem bei diesem Projekt lediglich Schlagzeuger H. zur Seite steht, eine x-beliebige andere Sprache verwenden oder gar keine, weil man ihn sowieso nicht versteht. Die von „I“ bis „IV“ durchnummerierten Stücke auf „In Feuer“ veranschlagen unabhängig davon keine halbe Stunde Spielzeit und stehen ausschließlich im Zeichen der beginnenden 1990er.

Bevor die abschließende Nummer mit verzweifeltem Schreien und Jaulen den Urtypus von Depressive bzw. Suicidal Black Metal verkörpert, zitieren Abkehr manchen Wegbereiter ziemlich dreist. In „II“ sind es etwa die schreitenden frühen (einzig relevanten) Burzum, wohingegen das clean eingeläutete „III“ fast wie Emperor im Embryonalstadium klingt.

Abseits der dominanten Raserei gefällt das Duo speziell mit seinen regelmäßig eingewobenen Doom-Riffs, die bei gedrosseltem Drumming richtiggehend massiv knallen. Auf ihre hässlich schroffe Weise versprüht die Scheibe definitiv Charme, auch weil das Ganze in seiner nur in verhältnismäßig niedrigen Dosen ersprießlichen bzw. überhaupt fassbaren Rohheit keine Minute zu lang ausfällt.

Abkehr geben summarisch ein sympathisch unaufgeregtes Bild ab – wohlgemerkt abgesehen vom grundsätzlich latent aufbrausenden Charakter dieser Art von Musik. Oberflächlich primitiv wie die Pioniere Venom und Bathory Anfang der 1980er, aber nicht ohne Raffinesse und mit jener zauberhaften Aura ausgestattet, welche die sogenannte zweite Welle des Stils so unnachahmlich machte. Beim Hören dieses Zeugs flammt der alte Geist zumindest vorübergehend erneut auf.