Ad Nemori – Akrateia

Ad Nemori - Akrateia

Wenn ich das Debütalbum von Ad Nemori kurz und knapp beschreiben müsste, würde ich zu dem beliebten Genre Melodic Death Metal greifen, dieses aber um die gleichermaßen stark aus den Soundspitzen herausragenden Shoegaze-Anleihen erweitern. „Akrateia“ ist in der Tat ein sehr eigener Stilmix geworden, den es so vielleicht noch nicht zu hören gab. Aus dem Grund sprechen die sechs Münchener Jungs auch vom Atmospheric Death Metal, wenn ihre Musik thematisiert wird. Am Anfang ist dies aber noch gar nicht so ersichtlich, hängt sich doch „Tellurian Doom“ genretypisch an die hübsche Leitmelodie des Intros „Miasma“ und spurtet in der unverkennbaren Melo-Death-Manier von der Startlinie aus los. Erst nach der vierten Minute kommt es zu einer Offenbarung, die harten Gitarren verstummen und machen Platz einer schwerelosen Entrücktheit, die fortan immer mehr zu wuchern und sich auszubreiten beginnt. Bereits beim dritten Track „Above the Tide“ wird die Grundhaltung um einiges atmosphärisch-träumerischer, etwa wie sie zum Beispiel in musikalischem Umkreis der ungarischen Band Vvilderness anzutreffen ist, es werden bezaubernde, wehmütige Gitarrenklänge vermehrt eingesetzt, das Keyboard liefert dazu passende, unterstützende Melodien. Ganzheitlich wird hier etwas Melancholisches kommuniziert, geht es doch thematisch um die uns umgebenden gesellschaftlichen Probleme und Konflikte und um die Widersprüche des menschlichen Handelns, deren Auswirkungen uns nun langsam aber sicher zu erschlagen drohen. Für eine Band, welche sich allein schon ihrem Namen nach stark zu Natur hingezogen fühlt, sicherlich ein sehr wichtiges Anliegen, dies vermitteln zu wollen.

Der längste, fast zehn Minuten andauernde Titel „Kenosis“ überrascht noch etwas mehr. Die leicht hallenden, sehr feierlich klingenden Klargesänge zu Beginn ziehen die Aufmerksamkeit gleich wie ein Starkmagnet an sich. Mit so einem Stilmittel hab ich bei Ad Nemori nicht gerechnet, muss ich gestehen. Das kommt aber sehr gut bei mir an, ebenso wie der im gediegenen Slow- und Mid-Tempo gehaltene Aufbau des Songs, der mal hoffnungslos schleppend, mal wiederum hoffnungsvoller, und relativ ausufernd in ruhigen Melodiebahnen seine unaufhaltsame Kreise zieht. Der Death-Metal-Anteil wird hier fast nur noch von dem gutturalen Gesang getragen. Diverse, mal schwächer, mal stärker ausfallende orchestrale Arrangements füllen die derart entstandenen Zwischenräume aus, was sich in den nachfolgenden Tracks „Obey Thy Sovereign“ und „Diverging from the Black“ auch noch weiter verfestigt. Dabei besticht vor allem „Diverging from the Black“ durch einen sehr groovigen Rhythmus und eine intensive, aber etwas hintergründige Keyboard-Ausschmückung. Der letzte richtige Track ist das von jeweils zwei kurzen instrumentalen Stücken flankierte Opus „The Stars My Destination“. Ad Nemori geben hier noch einmal die komplette Quintessenz ihres in zahlreichen Proben und Live-Auftritten gesammelten Erfahrungsschatzes zum Besten und beenden auf eine sehr atmosphärische Art und Weise ihr erstes, tiefgründiges Album. Die gut gewählte, nicht allzu aufdringlich ins Gehör gehende Melodie verbleibt noch eine Weile im Gedächtnis, bevor sie sich im Nebel des Vergessens verflüchtigt und den Wunsch, diese Reise wiederholen zu wollen, in der Erinnerung wieder wachrüttelt.