Äera – Schein

Äera - Schein

Ein langgezogener, dringlicher (Ur)Schrei sowie eine atmosphärische Gitarrenschleife, und Äera aus Münster entfesseln mit „Feuers Gabe“ die Macht ihres Erstgeborenen. Der erste der fünf Stücke des zu „Schein“ getauften Albums prescht kraftvoll los und windet sich regelrecht nach oben, den Hörer auf eine Reise in unsere verkannte Welt mitnehmend, quasi von natürlicher Utopie zu hausgemachter, persönlicher Dystopie, wenn man es so sagen könnte. Auf schöne poetische Weise wird hier der Lebenszyklus von Geburt bis zum Tod beschrieben, der Zyklus des modernen Menschen, der seinen Weg verliert, sich unsicher fühlt, doch letztendlich zum Ursprung, in den Schoss unser aller Mutter Erde zurückkehren muss. Ein klasse Konzeptalbum, wirklich klasse musikalisch auf die Beine gestellt, und das, genauso wie Äera auf der Bühne des atmosphärischen Black Metals erschienen sind, fast wie aus dem Nichts gegriffen. Ihr Bühnendebüt gab die Band am Release-Tag, auf der Wintermelodei 2019 am 07.12.2019, daheim in der Sputnikhalle. Und was bereits auf der Wintermelodei ersichtlich war, wird beim Hören der CD auch bestätigt: Die Musik wächst und gedeiht, und sie bauscht sich von Song zu Song immer mehr zu stärkeren und mitreißenderen Hymnen, die zuweilen von ruhigeren, Blicken ins Innere gleichenden Momenten abgemildert werden. Die vier Münsteraner Jungs pflanzen in ihren Kompositionen subtile Melodiesamen auf einem harten Riffboden, die nur behutsam aufgefasst werden dürfen, wenn man sich allumfassend an den getriebenen Blüten erfreuen möchte. Ein paar mehr markantere Kulminationspunkte, wie zum Beispiel im vierten Song „Heimkehr I – Ruin“ zu finden, wären sicherlich nicht verkehrt, doch das würde das runde Gesamtbild vielleicht wieder zu sehr verwaschen. So wie es ist, ist es eigentlich schon ziemlich gut und passend. Der Weg mündet letztlich mit dem Song „Heimkehr II – Im Nebel“ in einem wahren Gitarrensturm, der, im letzten Drittel von einem Gedicht-Sample begleitet, den Höhepunkt eines Albums bildet, welches in Symbiose mit dem wunderschönen Cover-Artwork ein sehr schönes Gesamtkunstwerk darstellt. Nach reiner Atmosphäre schnappende Metaller sollten sich dieses Werk durch ihre Schädel jagen! Ein sehr erdverbundenes (Äer steht ja auch für ein altes deutsches Wort für Erde) sowie nachdenkliches Stück Musik.