Alastor – Vyklestilka

Alastor - Vyklestilka

Die in Eigenregie produzierte, auf nur 100 Stück limitierte EP „Vyklestilka“ der österreichischen Schwarzmetalltruppe Alastor, welche mit ihrem Split-Beitrag auf „The Forbidden Fruit of Purity“ mir immer noch quer im Ohr liegt, hat mittlerweile schon über zwei Jahre auf dem Buckel, doch wie so oft, kam ich erst jetzt in den Genuss der drei, in das kleine schwarze Vinyl-Format gegossener Stücke, welche den nordisch angehauchten und unabhängigen, bereits seit Mitte der 90er bestehenden Black Metal hochwertig weiterführen. Thematisch geht es, wie auch schon bei „Waldmark“ zuvor, wieder in die malerischen und wunderschönen böhmischen Grenzgebiete zwischen Österreich und Tschechien, genauer gesagt auf den titelgebenden, im Süden des Böhmerwaldes und 887 Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Gipfel. Eine kurze Recherche beförderte zudem die interessante Info zu Tage, dass der heutige Name Vyklestilka aus dem deutschen Namen Wicklefskirche abgeleitet wurde, der darauf zurückzuführen ist, dass die dortigen Felsen angeblich den heimlichen Bekennern der Lehren von Jan Hus und John Wyclif (früher u. a. wohl auch regionalbedingt zu Wicklef abgeändert) als Zufluchtsort dienten. Das Ganze ist also eine sehr geschichtsträchtige Angelegenheit…

Mit der auf dem Teller drapierten Seite „Cold“ wird natürlich erst die Granitfelswand Vyklestilka, die auch das Cover ziert, musikalisch erklommen. Die schnellen und klaren Gitarrenakkorde, die sich zielsicher den Weg nach oben bahnen, sind irgendwie Alastor-typisch und können als das Markenzeichen der Band angesehen werden. Gitarrist, Komponist wie auch Textschreiber Rambeer hat wirklich seine eigene, ganz spezielle und unverkennbare Art auf der Klampfe zu spielen entwickelt, ähnlich wie es z. B. bei Immortal der Fall ist. Nicht umsonst werden Alastor oft als eine der besten Metal-Bands Österreichs tituliert, was gewiss der stark präsenten, melodischen Gitarrenführung zu verdanken ist. „Vyklestilka“ bildet da auch keine Ausnahme: Der Song ist alles andere als geradlinig gestaltet, er windet sich meist recht geschwind, manchmal aber auch behutsamer durch das nächtliche Zwielicht und trägt die Gedanken in weit entlegene, menschenleere Wälder, in denen alte, vergangene Zeiten nachhallen. Der Gesang von Sethnacht fügt sich nicht allzu aufdringlich ins Geschehen ein und unterstreicht dabei bestens die von den Instrumenten beschworene Dramaturgie. Die Seite “Dark“ legt ähnlich stark aufbauend los, und zwar mit „Unholy Forces“, einem Titel, der mich zum zweiten Mal unweigerlich an Immortal, oder genauer an ihren zeitlosen Klassiker „Unholy Forces of Evil“ denken lässt. Der Name ist aber auch die einzige Ähnlichkeit, denn musikalisch gibt es hier keine Überschneidungen zu verzeichnen; schließlich agieren Alastor schon längst absolut eigenständig. „Unholy Forces“ ist ein äußerst eingängiger Song, der vom ersten Ton an sehr viel Spaß beim Hören macht, sich aber beim Ausklang dennoch nicht festzurren oder irgendwie dingfest im Kopf machen lassen will. Eigentlich eine sehr coole Sache, denn das spricht für die hohe Qualität des Songs, der immer wieder gehört werden möchte. Zum Abschluss folgt noch das etwas ruhigere Stück „Embraced by Bark and Ice“. Wie beim Opener „The Song of the Old Mountains“ von der oben genannten Split-CD, ist hier ebenfalls eine recht folkig anmutende Stimmung anzutreffen, die von einem Sprechgesang getragen wird. Die hier hell gezupften Gitarren verpassen der EP einen sehr angenehmen und runden Abgang.

„Vyklestilka“ ist eine makellose EP, welche jede Vinyl-Sammlung bereichert und Lust auf mehr macht! Neuen, in gleiche Richtung gehenden Stoff von Alastor wird es auch definitiv noch dieses Jahr in Form des Albums „Šumava“ geben, wie es bereits auf Bandcamp zu lesen ist. Und darauf darf man sich freuen!