Aller Sterne Untergang – Jammerbugten & Auf den Schwingen meiner Sehnsucht

Aller Sterne Untergang - Jammerbugten & Auf den Schwingen meiner Sehnsucht

Die Band Aller Sterne Untergang aus Bremen hat auf ihren beiden selbstgestalteten Alben „Jammerbugten“ sowie „Auf den Schwingen meiner Sehnsucht“ (in der Zwischenzeit, zum Ende des letzten Jahres wurde übrigens noch ein weiteres Album herausgebracht) einige recht schmackhafte Kostproben ihres depressiven und zuweilen auch ziemlich atmosphärischen Black Metals untergebracht. Gerade bei den Hauptliedern genehmigen sich die knarzigen Gitarren oftmals eine lange Vorlaufzeit, um eine fast schon unerträgliche Spannung aufzubauen, die sich dann in heftig krachenden Entladungen niederschlägt. Der über neunzehnminütige Titeltrack des erstgenannten Albums ist so ein Monstrum, ein Kraftpaket aus Ruhe-vor-dem-Sturm- bis hin zu Mach-mir-die Sintflut-Abschnitten, und inmitten gar mit einigen überraschenden Melodiefragmenten geschmückt, die scheinbar wie aus dem Nichts von den hier tosenden und sich auftürmenden Wellen (die Jammerbuchten, wie die Übersetzung des Titels aus dem Dänischen lautet, beziehen sich auf die Bucht in der dänischen Nordsee, in der früher viele Seeleute bei Strandungen einen jammervollen Tod gefunden haben) ins Geschehen eingeworfen werden. Von der dunklen stimmlichen Brechgewalt begleitet, ergibt die Musik von Astro, der hier alles im Alleingang macht, ein sehr intensives und in der Tat grundlegend depressives Gemisch. Gerade die hellen und scharfen Geräusche, die wie Laute von trauernden oder leidenden Walen hallen, geben dem vierten Track „Sternenbrandung II“ eine echt beklemmende Hörnuance. Diesem Trauerkonzert kann man sich nur schwer entziehen, man wird davon irgendwie vereinnahmt und möchte es zu Ende hören. Das Highlight des Albums!

Der Umkehr letzter Schluss
Auch ich mich an Regeln halten muss
Dem Universum untertan bin
Meine Zeit universal verrinn
Auch eure Zeit wird bald dämmern
Wie Wogen, die stetig auf die Küste hämmern

„Auf den Schwingen meiner Sehnsucht“ macht eine ähnliche, sich ebenso schwer aufs Gemüt niederschlagende Figur wie das Vorgängeralbum, weicht es doch stilistisch nur in kleinen Details vom festgeschriebenen Weg ab. „Tragödie Leben“ fährt auch alle verfügbaren Geschütze auf: Wohliges, sich schön anzuhörendes Saitengerupfe, ein unverständliches Text-Sample, dazu markerschütternde Sterbensschreie und irgendwo in der Mitte ein aufflammender Melodieriff, das Herz des Stückes. Derart zusammengeschnürte Kost lässt die Motivation nicht auf der Strecke bleiben. Der folgende, mit nur etwas über sieben Minuten Spielzeit sehr kurzer Song „Tristesse Kindheit“ lebt von der Melodie eines Kinderliedes und dem permanent aufkommenden Kindergeweine im Hintergrund, was schon an die Substanz gehen kann. Ab da wird es noch depressiver und noch entrückter – der zweigeteilte Titeltrack („1. Geburt und Reise zu den Göttern“ und „2. Leidenszeit und Selbstmord“) zieht sich mit seinen scheinbar endlosen Wiederholungen wie ein Kaugummi und weiß nicht nur am Geduldsfaden sondern vor allem auch am Verstand zu nagen. Wer auch dies halbwegs gut übersteht und sich dann auch noch „Letzter Ausweg: Überdosis Promethazin“ gibt, der ist wirklich hart im Nehmen. Melodieverliebte Hörer werden erst gar nicht so weit kommen und schon viel früher das Handtuch werfen. „Gegen die Existenz moralischer Gesetze“ wird deshalb wohl nur bei den wenigsten zum Zuge kommen. Dieses Album ist um einiges depressiver als das davor, welches mir in der Ganzheit doch besser gefällt, auch vom in Blau und Rot gehaltenen Cover-Artwork her.

Als Resümee kann man sagen, dass Aller Sterne Untergang eine Musik erschafft, die sich unmöglich im Langzeitgedächtnis verankern, aber beim Hören jedes Mal mit einigen gut positionierten Aha-Effekten auftrumpfen kann. Für Hörer, die regelrecht in eigenen Trauerwelten wandern und/oder sich gerne an Depressionen laben, dürfte dies der richtige Soundtack sein. Nichts für Standardkostmetaller jedoch.