Alpgeist – Woid Mythen

Alpgeist - Woid Mythen

Weihnachtszeit – Krampuszeit! Im südostbayerischen Raum ist es bald wieder soweit, und die Pass macht jedes einzelne Dorf im Alpenland unsicher. Brauchtum und Folklore vermischen sich langsam aber sicher immer mehr mit dem Tourismus, und so dürfen sich Perchtenläufe mittlerweile auch in Regionen, die traditionell gar nicht so viel mit den Perchten zu tun haben, immer mehr ausbreiten. Das Spektakel lässt die Kassen klingeln, und die Regionen ringen um jeden einzelnen Touristen.

Auch in Sachen Black Metal werden der regionale Bezug und das Krampusthema für die eine oder andere Band immer interessanter. Bei manchen wird durch den leichten Boom der regionalen Dialekte durchaus Kalkül dahinterstecken, um die Gunst der interessierten Hörerschaft zu erreichen. Glücklicherweise gibt es aber auch authentisch agierende Bands, die sich mit vollem Herzen sowie ganz ernsthaft mit alten Bräuchen und Überlieferungen auseinandersetzen, die sich halt von purer Überzeugung leiten lassen und dementsprechend auch handeln. Dabei entstehen sehr spannende Projekte, die durch musikalische Qualität auf sich aufmerksam machen können. Das Dreiergespann von Alpgeist schürt mit dem bei Black Blood Records erschienenen ersten Demo „Woid Mythen“ jedenfalls ein gewaltig heißes Feuer für die aufkommende kalte Jahreszeit.

Drei Stücke in etwas mehr als einer viertel Stunde preschen in angenehm schwarzmetallischer, roher Produktion voran. Reichlich Melodiewerk erschafft eine melancholische und mythische Stimmung, welche dank Texte im Bayerwald-Dialekt (denn daherkommend vermute ich die Herren geographisch) authentisch aus der Region erzählen. Sei es das Todtenauer Moor, welches in der Nähe von Kirchberg im Wald liegt, oder der Teufelsfelsen an der Donau, die niederbayerische Heimat wird aus der Dunkelheit ins Licht gebracht und somit weg vom oberbayerischen Fokus. Der „Waidler“ erscheint ja eher als wortkarger und menschenscheuer Geselle, gerade wenn der Böhmischer Wind die dunklen Nächte kalt werden lässt.

Musikalisch dürfen Alpgeist noch etwas zulegen, die drei Stücke sind stimmig, könnten jedoch noch etwas mehr Alleinstellungsmerkmale besitzen. Am stärksten ist der Dreier, wenn es eher etwas getragener wird und die Leads lautmalerisch Melancholie vor Augen führen, wie eben bei „Moor in der Todtenau“ zu Beginn. Da die Stücke jedoch innerhalb von zwei Jahren aufgenommen wurden, sind sicherlich bereits neue Lieder entstanden, die ein hoffentlich bald erscheinendes Album noch wertvoller machen werden. „Woid Mythen“ ist ein erstes Lebenszeichen für alle, die regional bayerischen Black Metal mit viel Natur- und Sagenbezug und herrlichen Melodien zu schätzen wissen!