Asenheim – Tristan

Asenheim - Tristan

Die Band Asenheim verfolge ich schon etwas länger, seit ihrer ersten gleichnamigen Full-Length-Veröffentlichung auf CD, um genauer zu sein. Zugegeben, das 2012 über Bleichmond Tonschmiede erschienene, auf nur 100 Kopien limitierte Album hat noch etliche, nicht nur produktionstechnische Ecken und Kanten, aber das kompositorische Fundament wie die ausgestrahlte Authentizität haben mich über diese Kleinigkeiten getrost hinweghören lassen. Von einer echten Underground-Perle erwartet man aber auch keine technische Perfektion, sondern vielmehr eine die Kehlen zuschnürende Atmosphäre, und diese hab ich auf diesem Silberling vorgefunden. Insbesondere das letzte Stück „Drachenblut“ hat es mir angetan. Ab dem 2017er Album „Wenn die Nacht…“ ist aus dem von Tiwaz bisher im Alleingang vorangetriebenen Projekt eine Zwei-Mann-Band geworden, als Valfor von der noch recht jungen, aber schnell und steil aufsteigenden Hamburger Institution Totenwache auch noch bei Asenheim den Platz an der Batterie übernahm. Dieses zweite Album (dazwischen und davor ist das Arsenal voll mit Demos, EPs und einer Compilation sowie Split gut gefüllt) markiert deshalb einen markanten Wendepunkt in der seit 2006 mit stetigem Fleiß und unerschütterlichem Kampfgeist geschriebenen Asenheim-Geschichte, in der man mit Valfors Hilfe auch in Hinsicht auf die Produktion einige Äste weiter nach oben klettern konnte. Und solch eine glanzvolle Hymne wie „Gungnir, bring mich heim“ bekommt man nirgendwo sonst zu hören!

„Tristan“ ist das dritte Vollwertalbum von Asenheim, und im Gegenteil zum bisherigen Material kommt es auch ganz ohne ein offensichtlich paganes Gedankengut aus. Stattdessen ist es ganz und gar auf den Tod fokussiert, wie der fliegende Sensenmann auf dem Cover schon recht deutlich symbolisiert. Doch der Tod spielt immer und überall eine Rolle, wenn nicht gar die Hauptrolle, deshalb ist dieser „Stilbruch“ keineswegs als solcher zu sehen bzw. zu werten. Wenn der erste Song erklingt, dann verflüchtigen sich derartige Gedanken sowieso im Nebel des Unterbewusstseins. „Der letzte Tag des Sommers“ beginnt mit einem passenden Zitat aus dem Kinostreifen „Blow“ (wobei sich hier einige der Songtitel eher an die verwendeten Zitate anlehnen, wie zum Beispiel auch bei „Weiße Strände“, wo der Zauberer Gandalf aus dem Film „Der Herr der Ringe“ zur Sprache kommt), was den Zuhörer sofort sehr nachdenklich stimmen kann bzw. soll. Die bedachten Keyboard-Klänge wie der sanfte, melancholische Klargesang nehmen diesen Faden auf und spinnen ihn noch ein ganzes Stück weiter, bevor die geschrammelte E-Gitarre und der nachfolgende, leicht verhallte Kreischgesang das Ruder übernehmen und einen noch tiefer in die Depressionen zu zerren versuchen, indem sie uns die Sinnlosigkeit des Seins vor Augen führen. Wobei wir dann schon beim „Der freie Geist (…Blut klebt am Stahl des Helden)“ angekommen sind, für mich das Highlight des Albums. Der Song ist nämlich nicht geradlinig aufgebaut, sondern besteht aus mehreren, recht unterschiedlichen, doch unmerklich nahtlos ineinander übergehenden Strukturen, was eine spannende Angelegenheit darstellt und einer möglichen Abnutzungserscheinung erfolgreich entgegenwirkt. Dies trifft auch auf das restliche Material von „Tristan“ zu. Ein Gespann aus zerbrechlichen Melodien und wohldosierter, bestens abgestimmter Härte dominiert zumeist das Geschehen, welches nie langweilt, sich aber auch nicht wirklich fest im Gedächtnis festzusetzen vermag, was aber keineswegs negativ ist, denn nach dem Genuss verbleibt immer das Gefühl, gerade etwas Tolles gehört zu haben. Und dieses Gefühl lässt immer wieder zu der CD greifen. Das ist eine Kunst, eine schmale Gratwanderung, die wirklich nur wenige beherrschen. Und wie schon oben indirekt gesagt, Valfors taktvolle Art wie sein organisches Schlagzeugspiel tragen einen nicht unerheblichen Anteil dazu bei. Schlagzeug und Rhythmus sind nun mal fundamental! Hinzu kommt auch eine gewisse Ernsthaftigkeit sowie ein starker Kampfgeist mit wilder Verbissenheit und einem eisernen Willen etwas Kunstvolles erschaffen zu wollen. Das macht Asenheim  definitiv aus. Und das hört man!

Wer bisher Asenheim, ob wegen dem Klargesang von Tiwaz, welcher zwar anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, aber letztendlich sehr passend und konträr ist, oder aus welchem Grunde auch immer, belächelte, dem dürfte das freche Grinsen nun garantiert im Gesicht einfrieren. Wenn nicht jetzt, dann alsbald, denn mit „Der Geist des Krieges“ steht der Nachfolger just komplett fertig und zum Angriff bereit! Noch irgendwelche Fragen?

„Tristan“ ist exklusiv über Narbentage Produktionen erschienen und die gesamte Diskographie von Asenheim gibt es auf Bandcamp. Und seit gestern gibt es da auch das neue, äußerst interessante Werk namens „Runa“ digital zu erstehen. Also nix wie hin!