Ashbringer – Yugen

Ashbringer - Yugen

„Yūgen“, das neueste und im Mai dieses Jahres erschienene Album der Minnesotaner von Ashbringer, klingt ein bisschen mainstreamiger als ich es erwartet hätte. Natürlich nur insofern man atmosphärischen Black Metal überhaupt als mainstreamig bezeichnen kann. Was das Album in meinen Ohren auszeichnet, ist der schon nach wenigen Tracks spürbare und derbe Kontrast zwischen dem vor brennender Wut in die Welt hinausgeschrienen Gesang von Nick Stanger und den mitunter fröhlichen und lockeren Gitarrenmelodien. Das sorgt für Spannung und Abwechslung. Zudem sind die Gitarrensoli stellenweise so gut, dass sie mir nicht mehr aus dem Kopf gehen wollen. Erfreulich ist ebenfalls, dass mich Ashbringer auf ihrem Werk mit jedem Hördurchgang an einer anderen Stelle zu überraschen wissen.

Ein Manko schafft das Album aber auch nach dem x-ten Durchlauf nicht aus der Welt zu schaffen: Mitunter irritiert es mich. Da wäre das leicht seltsame Hintergrundgeklimper während der letzten Hälfte des Openers „Solace“. Oder der aus meiner Sicht deplatziert wirkende Gruppenklargesang in „Oceans Apart“, der nicht so ganz funktionieren will. Oder das (ebenfalls aus meiner Sicht) leicht überdramatisierte Ende des Titelstücks „Yūgen“. Aber: Dem guten Gesamteindruck des Albums tut das keinen Abbruch. Vielleicht machen diese kleinen Makel es sogar noch reizvoller? Na, wir wollen mal nicht übertreiben.

Dennoch weiß „Yūgen“ meine zwischenzeitlich auftretenden Zweifel mit so melodisch-rasanten Stücken wie „Celestial Infancy“ (wo der Gruppengesang auch harmonisch wirkt), dem zehnminütigen und abwechslungsreichen „Solace“ oder dem vor allem durch die weibliche Stimme so ganz anders wie seine Songkollegen klingenden „Yūgen“ mühelos hinfort zu wischen. Besagter Track kehrt auch geschickt die übliche Rollenverteilung des Albums ins Gegenteil um: Hier ist es der Gesang, welcher den melodischen und eher aufheiternden Part übernimmt, während die Wut rein instrumental wiedergegeben wird.

Kurz vor Schluss schenken Ashbringer ihren Hörern noch mit „Omen“ einen herrlich atmosphärischen Song, der diesmal völlig ohne Gesang auskommt und – was diesmal eher zu positiver Verwirrung bei mir führte – zumindest für den Hauch eines Augenblicks ein Western-Feeling gepaart mit asiatischen Eindrücken hinterlässt. Genau für solche Momente liebe ich dieses Album. Ausklingend mit dem sanften Knistern eines Kaminfeuers wechselt „Omen“ in den letzten Track des Albums, der – wie überaus passend – den Namen „Glowing Embers, Dying Fire“ trägt und wieder zum üblichen Tempo von „Yūgen“ zurückfindet (wieder mit einer Spur Asien im Blut). Zugleich stellt dieser Song einen passenden Abschluss für beinahe eine Stunde beeindruckenden Atmospheric Black Metal dar.

Kurzum: „Yūgen“ geht mir mit jeder Spielsekunde direkt ins Blut und entfacht dort ein unbändiges Verlangen nach mehr. Manchmal hinterlässt es mich verwirrt, manchmal verwöhnt. Manchmal sät es Zweifel und manches Mal überrascht es mich mit Unerwartetem. Was kann man mehr von guter Unterhaltung verlangen?