Außerwelt – Transitions

Außerwelt - Transitions

Eine außerweltlich-kurzweilige wie qualitativ hochwertige CD, die für mich zur Speerspitze des Post-Black Metals gehört, möchte ich euch heute kurz vorstellen. Die EP „Transitions“ ist das dritte große Lebenszeichen der Band Außerwelt aus dem Münsteraner Raum. Das Quintett hatte bereits mit der CD „Our Lives out of Balance“ und dem vorangegangenen Demo ein Statement gesetzt und viel Lob erhalten. Im Dezember 2017 erschien nun „Transitions“ auf CD und – knapp ein halbes Jahr später – in diesem Sommer auch auf hochwertigem und liebevoll gestaltetem Vinyl.

„Transitions“ befasst sich allgemein mit der An- und Abwesenheit von Licht. Der Jahreszeitenwandel in der Natur, das Empfinden des Individuums und der Auf- und Untergang von Zivilisationen werden in vier Songs vertont, die alle zwischen sechs und zehn Minuten fesseln und zusammen das Konzept rund um das Licht tragen. Dabei gibt man sich sowohl in der Aufmachung der CD als auch im Songwriting bewusst nicht der Post-Black-Metal-Theatralik hin, sondern geht eigene mutige Wege.

Den Anfang macht „Isolate the Sun“. Jener Song beschwört sogleich die destruktive wie auch lebensbringende Kraft des Lichts. Schon hier wird deutlich, dass sich Außerwelt weiterentwickelt und mit alten Vorlieben gebrochen haben. Sie klingen deutlich verspielter und selbstsicherer als zuvor und verzichten zu Gunsten von Zugänglichkeit und Ausdruck auf die Klischees der Black-Metal-Szene. Ebenfalls bemerkenswert ist die exzellente Produktion, die allen Instrumenten ausreichend Raum im Mix lässt und dennoch dicht und atmosphärisch klingt.

„Vernal Equinox“, der astronomische Frühlingsbeginn, vertont die Rückkehr des Lichts in eine kalte Welt des Winters. Und spätestens jetzt zeigt sich eine weitere Stärke von Außerwelt: Es gelingt der Band auch jene Hoffnung, aufkeimend durch die Rückkehr des Lichts und das Ende des Winters, überzeugend zu vertonen. Ohne zu fröhlich und unbeschwert zu klingen, vermittelt man instrumental die Sehnsucht, die Freude und die Hoffnungen, die sich mit der Jahreszeitenwende einstellen, nie ohne den bittersüßen Unterton der entbehrungsreichen harten Monate im Hintergrund bestehen zu lassen. Die stimmliche und textliche Leistung von Sänger Stefan tut ihr Übriges dazu und lässt den Hörer ganz im Moment versinken.

„Lights (Transition I)“ ist mein persönliches Highlight der EP: Ein Song, der melodische Detailversessenheit unaufdringlich in ein sich stetig steigerndes Gerüst aus Rhythmen und Sinn webt und dabei spielerisch die Brücke von den Feuern der ersten Menschen bis hin in die Moderne schlägt. Auch hier klingt alles verdammt schlüssig und zugleich wichtig wie unaufdringlich. Dazu muss Außerwelt nicht den mahnenden Black-Metal-Zeigefinger heben und Druck machen, man möchte einfach gerne zuhören und keine der genialen Melodien verpassen.

„Aphotic (Transition II)“ kündet abschließend vom Untergang der Menschheit in totaler Finsternis und beschließt „Transitions“ noch einmal mit ausdrücklicher Vehemenz und spielerischer Brillanz. Unnötig zu erwähnen, dass die Band die klangliche und spielerische Leistung auch auf der Bühne zu vollbringen vermag. Live wirken die Songs genauso spannend und unaufdringlich wie auf dem Tonträger, die Bühnenperformance der Münsteraner trägt dann aber auch noch viel zur außerweltlichen Atmosphäre bei.

„Transitions“, das ist moderner, unaufdringlicher und gleichwohl bedeutsamer Post-Black Metal. Intelligent, mit einem großen Blick über den Tellerrand und einem enormen Selbstbewusstsein, zeigen Außerwelt hier, dass sie zur Top Ten der hiesigen Post-Black-Metal-Landschaft gehören und uns jederzeit mit tollen Songs gefangen nehmen können. Das macht Lust auf die nächste Langrille!