Various Artists – B:East

B:East Compilation

Einen ganz besonderen Sampler habe ich da erhalten, der die Bestie im fernen Osten beschwört. Painkiller Productions und Einheit Produktionen legen mit „Beast Reign the East“ ein Konglomerat aus chinesischen Bands mit tiefen Wurzeln im Metal und der fernöstlichen Folklore vor. 13 Köstlichkeiten, angerichtet auf einer sehr schön aufgemachten CD in einem ebenso schönen Digipak machen Hunger auf das Programm aus Fernost, während das vollfarbige Booklet als Speisekarte dient und die vertretenen Bands mit kurzem Pressetext und Bandcamp-Link sowie Foto ansprechend vorstellt. Besser geht das für einen Sampler schon mal nicht, und auch wenn ich mich kurz halten wollte, die Compilation verdient mit der gebotenen Qualität ein längeres, eingehenderes Review.

Die meisten Bands sind mit zwei, die wenigsten nur mit einem einzelnen Song auf dem Sampler vertreten. Auch das macht Sinn, hat man doch so schon mal die Gelegenheit herauszufinden, ob die Songs, die einem gut gefallen, nur Glückstreffer waren oder die jeweilige Band voll und ganz auf der eigenen Empfangswelle schwimmt.

Nine Treasures (Anmerkung des Schreibers: I see what you did there…) machen folkloristisch-mongolischen, galoppierenden Metal mit rockiger Schlagseite und erinnern ein wenig an eine mongolische Variante von Ensiferum. Insbesondere ihr Song „Sonsii“ fängt schön das fernöstliche Flair ein und macht einfach nur Spaß.

Das Sextett Dream Spirit setzt auf Klargesang und klassischen Heavy Metal, wobei im Song „Ancient Poems“ die Übergänge zur Rockmusik fließend sind. „Of Daggers and Men“ packt dann die melodische Metalkeule aus, zeigt die Band verspielter und lässt auch Raum für beeindruckende Gitarrensoli.

Ritual Day sind dann auch musikalisch näher an meinem Fahrwasser, die vier Jungs werden hier als die Erzvampire der chinesischen Black-Metal-Szene vorgestellt. „Devila Grantha“ ist teils grooviger, teils wild scheppernder, ungestümer Black Metal, technisch versiert und klanglich deutlich weniger chinesisch angehaucht als erwartet. Das sieht auf dem Foto eher nach Behemoth aus und klingt deutlich undergroundiger als die anderen vertretenen Combos. „Cursed Land“ startet mit beschwörendem Kehlkopfgesang und tollem Intro. Der Song ist mit seinen archaischen Riffs, der garstigen Darbietung und dem gelungenen Outro eines der Highlights des Samplers.

Evocation sind eine taoistische Black/Death-Metal-Band ohne Corpsepaint und Firlefanz. Da geht es um Geister, Zaubersprüche und schwarze Magie und direkt auf die Fresse. Das als Hongkongs beste Metalband angepriesene Quintett walzt und grooved auf „Chaotic Army“ und „Tin Ling Ling Dei Ling Ling“ auch alles nieder, ohne Rücksicht auf Verluste zu nehmen. Insbesondere die Vocals klingen dermaßen drückend und kraftvoll, dass man sich sofort ein Album der Band zulegen und das heimische Inventar zu den Klängen zerlegen möchte. Das zweite große Highlight des Samplers und live zwei sicherlich nicht zu toppende Nackenbrecher.

Song of Chu gehen mit ihren siebensaitigen Gitarren aufs Ganze und legen ihren asiatisch geprägten Speed Metal mit epischen Gesängen in die Waagschale und zaubern insbesondere mit „Teng Chao“ Bilder grüner Weiden, kristallklarer Seen und taubedeckter Felder vor die Augen des Zuhörers. So würden Nightwish auf Chinesisch mit männlichem Sänger und Shouter klingen.

Mysterian sind eine female-fronted Band mit klassischen chinesischen Instrumenten und eifern mit ihrem cineastischen Soundgewand, dem zarten Gesang und ihren sehr überlegten Arrangements ebenfalls Nightwish oder auch Epica nach. Das ist handwerklich und musikalisch hervorragend gemacht.

Suld beginnen ihren Song „Frozen Autumn“ ebenfalls mit Kehlkopfgesang und zeichnen die raue Landschaft der Mongolei in ihrer Musik. Der Gesang unterstützt die wunderschönen Melodien immer wieder klar oder mit eben diesem Kehlkopfeinsatz.

Den Abschluss bilden Xie Jia mit ihrem – mit klassischen chinesischen Instrumenten unterlegten – Black Metal über Krieg und uralte Weisheiten. Der Song „Kings of Hell“ sticht für mich am meisten heraus aus dieser Compilation, verbindet er doch auf die eigenwilligste und spleenigste Weise klassischen Black Metal mit chinesischer Folklore, wobei zu jeder Zeit alles perfekt aus einem Guss erklingt.

Ein grandioser Sampler für alle, die sich für chinesischen Metal interessieren, mal den Sound ihrer Lieblingseastern mit feistem Metal gepaart hören oder einfach ihren musikalischen Horizont erweitern wollen. Diese 13 Kostbarkeiten sind vielfältig, gut gewürzt und machen Lust auf Nachtisch!