Blodtake – Nativity of Ashes

Blodtake - Nativity of Ashes

Bei meinem kürzlich erstatteten Besuch im Proberaum von Blodtåke wurde ich nicht nur mit allerlei Leckereien abgefüllt, sondern auch stark mit hochmelodischen Ohrwürmern infiziert. Und diese hartnäckige Infektion hält bei mir immer noch an. Gut gemacht, sage ich nur dazu, denn so eine hohe Ansteckungsgefahr kann man beileibe nicht jeder Band attestieren. Doch wie schon in meinem „zu Papier“ gebrachten Pre-Listening-Report mehr oder weniger indirekt angedeutet, haben sich hier fünf bestens aufeinander eingespielte Musiker gefunden, die zusammen, von einer dunklen Vision beflügelt, zu absoluter Höchstform auflaufen. Und das ist vom allerersten Ton an spürbar! „Bleak is the Light“ fängt mit verträumtem Gezupfe an, doch ruckartig wird man von einem Schrei aus dem Traum in die düstere Realität gerissen und ein wahres Monstrum von einem Song prügelt einem die Ohren blumenkohlförmig weich! Der Opener offenbart auf einen Schlag alle Stärken der Band: Eine sehr markante, bärenstarke und urwüchsige Stimme, plätschernd bis stürmisch niederprasselnde Gitarrenergüsse, knalliger bis, je wie die Lage es erfordert, schattenhafter Bass sowie ein absolut tightes und druckvolles Drumming. Blodtåke gibt sich von der allerersten Note extrem professionell und kompromisslos. Man weiß, was man kann und zeigt es. Man gibt alles! Der melodische Leitfaden ist dabei dermaßen eingängig, dass er unmöglich irgendjemanden kalt lassen kann. Perfekt sitzender Erstschlag!

Der mit einem Wortspiel versehene zweite Titel „Of Me End You“ ist eine typische, schnell mit dem Kopf nach vorne und voll gegen die Wand (hier mit „You“ vortrefflich definiert, so dass sich der Zuhörer angesprochen fühlen darf, haha…) stürmende Nummer, die an kurzen Zügeln gehalten, mit kleinen Verschnaufpausen in die gewünschte Richtung gelenkt wird. Danach folgt mit „Lys I Mørket“ das Stück, das die sich schon im Bandnamen offenbarte Vorliebe des Quintetts für den norwegischen Black Metal am stärksten auslebt. Dieses Licht im Dunkeln verbindet wohl am feinfühligsten Althergebrachtes mit neuen Einflüssen. Die fabelhafte Gitarrenmelodie raubt einem gleich zu Beginn den Boden unter den Füßen, und spätesten wenn sie wiederholt im Zusammenspiel mit der Double-Bass-Aggression gemeinsame Sache macht, wird man unweigerlich die ganz feinen Vibrationen einer explosionsfähigen Atmosphäre in der Luft spüren können. Ein im höchsten Maße gelungener Song! „Absolution Denied“ kommt dann wieder mehr wuchtig daher, einem nur schwer zu überwindenden Massiv gleich, bevor es mit „Follower“ dann viel gemächlicher bzw. tragender wird. Der Song hat eine sehr depressive Grundfarbe, was vor allem nach dem Break kurz vor dem Ablauf der vierten Minute aufs Gemüt schlagen kann. Hier kommt auch Scathers recht variable Stimme, welche für einen faulig-doomigen Todeshauch prädestiniert ist, bestens zur Entfaltung. Sie kann aber auch Gothic-like klingen, wie beim achten und letzten Song „Elapsed“ überzeugend demonstriert. Doch bevor es soweit ist, kommt noch „Hope“, das längste Lied des Albums, das sich mit dem schnell dahinziehenden Gitarrenfluss ganz besonders hartnäckig in meinem Ohr festgekrallt hat. Ja, die Hoffnung, die alle irgendwie mehr oder weniger mit verlockenden Aussichten umgarnt, ist ohne Zweifel ein verdammtes Biest. Erst wird man mit einer feinen, einem Luft zum Atmen gebenden, die Grenzen der Melodie auslotenden Zeitspanne umgarnt, um dann doch noch die hinterhältig ins Fleisch getriebenen Fänge zu spüren. Sie wird nicht umsonst als die stärkste, in der Büchse der Pandora eingeschlossene Macht angesehen, und, falls anstelle einer weißen Knospe alles zur Asche erblüht, auch die am meisten vernichtende. Man sollte sie also doch lieber freiwillig über Bord kippen, bevor sie einen komplett, mit Haut und Haaren zerfrisst. „Discarded“, der vorletzte Track, ist die passende Antwort darauf. Man merkt, auch die Positionierung der einzelnen Stücke ist nicht willkürlich, sondern wie alles andere sehr wohl durchdacht.

„Nativity of Ashes“ ist ein ambitioniertes Album, das alles richtig macht und niemanden im Regen stehen lässt. Da diese Scheibe ein relativ breites Spektrum an blackmetallischen Trademarks auffährt, dürfte sie auch wirklich viele Schwarzherzmetaller ansprechen. Wer es nicht glaubt, der sollte sich Blodtåke mal live geben. Dort wird man garantiert eines Besseren belehrt werden! Heute, am offiziellen Release-Tag, spielt die Band im Helvete-Pub in Oberhausen. Wir werden vor Ort sein. Und alle, die in oder in der Nähe von Oberhausen zu Hause sind, sollten heute etwas Spontanes wagen und ebenso dazukommen. Ihr werdet es nicht bereuen!