BlutEck / Morbid Contempt – Blvt.Geist.Tod

BlutEck / Morbid Contempt - BlvtGeistTod

Während sich der thüringische Pagan Metal nicht nur national sondern auch international einen ziemlich hohen Status auf der Bekanntheitsskala erarbeitete, hat es das schwarze Schwermetall aus dieser Ecke Deutschlands da weitaus schwieriger. Das wird mitunter wohl auch daran liegen, weil die bekanntesten Vertreter dieser Metal-Sparte dauerhaft mit einer braunen Bremsspur auf der Innenseite ihrer Unterbuchse herumlaufen, was den allerwenigsten Metallern gefällt. Streng genommen eigentlich bloß denjenigen, denen die Birne wegen fragwürdigem Haarausfall zugefroren ist. Aber es gibt nicht nur den glatzköpfigen, sondern eben auch noch den echten haarigen Black Metal in Thüringen, wie etwa BlutEck oder Morbid Contempt, die sich zuletzt zusammengeschlossen haben, um die höchst mystisch betitelte Split-CD „Blvt.Geist.Tod“ aus ihrem Heimatgestein herauszumeißeln.

Da BlutEck aller Wahrscheinlichkeit nach eine viel größere Menge an Bier beim gemeinsamen Saufgelage verdrücken konnten, durften sie auch zuerst ihre Instrumente zersägen bzw. zerkloppen. Dabei sind die Songs „Verlust“, „Der Tod wird mit dem Wind getragen“, „Succubus“ und „Ekstase – Das Spiel mit der Klinge“ herausgekommen. Alle vier kommen recht klassisch blackmetallisch daher, etwa in der Art, wie ich es zuletzt bei den Italienern von Tundra gehört habe, also recht geradlinig und repetitiv, jedoch nicht ganz so heftig ausartend. Das Band-Foto mit den Kapu-Mönchskutten und die sehr schönen, vom Drummer Herbst erstellten Zeichnungen des Covers und des vierseitigen Inlays vermitteln zudem den Eindruck, dass die Band den Fokus auch leicht in eine okkulte Richtung schwenken möchte. Doch rein musikalisch kommt diese Kolorierung aber meinem Empfinden nach kaum zum Zuge. Am ehesten noch in den komplett ruhigen und ausgebremsten Passagen, am deutlichsten am Ende von „Ekstase – Das Spiel mit der Klinge“, wo eine sanfte Violine zusammen mit dem Knistern des Feuers die Musik von BlutEck ausklingen lässt. Generell würde ich behaupten, dass BlutEck einen auf qualitativ relativ hohem Niveau konstant gehaltenen Black Metal spielen, welcher leider zwar nur mit wenigen Höhen, dafür aber ganz ohne Tiefpunkte dargeboten wird. Möchte man jedoch zukünftig weiter in höhere Himmelssphären, oder besser gesagt in tiefere Höllenabgründe vordringen, ist ein verstärkter Spannungsaufbau in den Songstrukturen dringend ratsam. Gerade die Gitarrenfraktion muss etwas mehr aus sich herausgehen und etwas Innovation aus sich herauskitzeln. Zum Anspielen würde ich „Der Tod wird mit dem Wind getragen“ empfehlen, denn da gefällt mir die Band am besten.

Morbid Contempt, die hier ebenfalls vier Songs in die Schlacht führen, sind im Vergleich zu BlutEck um einiges direkter, emotionaler und aus diesem Grund auch um einiges mitreißender. „Kosmos – Khaos“, der erste Song von Nekronaut und Gheist, bringt sogleich den nötigen Drive ins Spiel, der die Nackenmuskulatur recht schnell zum Headbangen stimuliert. Der Black Metal von Morbid Contempt ist um eine ganze Ecke dreckiger und ranziger als der von ihren Split-Partnern, er klingt exakt so, wie man klingen muss, wenn man gegen alles und gegen jeden ist, was man beim zweiten Song des Duos mit dem Titel „Kunst aus Feuer und Gewalt“ auch genauso wortgetreu zu hören bekommt. Oder halt flohpelzig, was wiederum hervorragend zum nächsten Track „Werwolf“ passt. Als grobe Peilung würde ich die mittleren, etwas thrashigeren Darkthrone-Werke hier nennen wollen. Aber auch Higurd färbt hier etwas ab, was natürlich kein Wunder ist, wenn man weiß, dass Nekronaut auch bei dieser thüringischen Kapelle seinen Schreihals unter dem Pseudonym Morbid malträtiert. Mit „Reinheit durch Besessenheit“ wird man anschließend mit räudigen Wumms-Riffs wohltuend aus der Split in die auf jeden Fall blumigere wie sonnigere Wirklichkeit hinauskatapultiert.

Beide Bands haben ein grundsolides Fundament, auf dem sich sicherlich ein Bollwerk errichten lässt. Doch dies gelingt bekanntlich nur den allerwenigsten. Schließlich werden dafür enorme Ausdauer und sehr viel Kraft benötigt, und das kann nicht jeder aufbringen. Aber lassen wir uns überraschen. Die Zukunft wird schon zeigen, wohin es die beiden, noch relativ jungen Bands verschlagen wird.