Boarhammer – I: Cutting Wood for Magickal Purposes

Aus der dichtesten Hecke des Waldrandes kommt die Rotte von Boarhammer herausgeprescht, um Ritualistic Black Metal Primitivism über die nichtsahnenden Lande zu tragen und zerstörte Felder zu hinterlassen. Lässt die Stilbezeichnung zunächst primitives, riffarmes Gekloppe im Sinne von Ildjarn, Arckanum etc. vermuten, überrascht „Cutting Wood for Magickal Purposes“ nach dem beherzten Starten des Kassettenspielers mit abwechslungsreichem, fetzigem Black Thrash inklusive Old-School-Riffing und intensiver, mystisch-okkulter Atmosphäre. Völlig ohne Synthesizer, nur durch sparsamen, geschickten Sample-Einsatz wird hier eine tiefschwarze Stimmung erzeugt, die ich so lange nicht wahrgenommen habe. Gleich „Riding the Hedge“ beginnt mit krautigem Gewaber und melancholischen Cleangitarren, über die dann langsam ein ritueller Schlagzeugbeat zum rohen Riffgewitter überleitet. Sofort fällt die mitreißende Leadgitarre und das tighte Spiel auf – The Vessel (Vocals, Drums und Bass) und Wodwoz (Guitarren und Vocals) sind ganz offensichtlich talentierte Musiker und sprühen nur so über vor Ideen und Energie. „Channeling Wormwood Spirits“ erzeugt eine dem Titel gerecht werdende Berauschtheit, was auch am abgefahrenen Gesang liegt, der zwischen entrücktem Rezitativ und wütendem Knurren wechselt – was hatte der von Keilerzähnen zerfetzte Jäger wohl im Flachmann? „Spirits on Black Wings“ ist m. E. der mitreißendste Song auf dem Tape, geht er doch von einem epischen, ritualistischen Beginn direkt in ein Killer-Riffgewitter über, samt Ohrwurm-Refrain inklusive gedoppeltem Chorgesang. Ab 05:25 dann ein weiteres Hammerriff – das geschrieben wurde, um Nackenmuskeln zu zerstören – gefolgt von einem ultrafinsteren Ritual-Outro. Großartig! „Tatra Wolves“ zieht seine gewaltige Kraft aus der Abwechslung zwischen gequälten, massiven Doom-Riffs und archaischen Black-Metal-Parts, was absolut hervorragend funktioniert. Auch „Ritual Tusks“ behält dieses Rezept bei, fährt im Mittelteil aber noch hörspielartige Atmosphäre inklusive verspieltem, nahezu jazzigem Schlagzeug auf. Ist das schon primitive Avantgarde? Jedenfalls bleibt die Spannung bisher auch auf der B-Seite zu jeder Zeit voll erhalten. „The Trees Are No Trees“ hat als einziger Song kaum Aha-Effekte zu bieten und bleibt etwas blass. Das Mercyful-Fate-Cover „Black Funeral“ beschließt dieses Demo-Tape jedoch auf geschmack- und respektvollste Weise. Was für ein Ritt! Wenn ich hier die legendären Norweger von Aura Noir als Referenzpunkt heranziehen möchte, ist dies als großes Kompliment gemeint. Ich möchte dieses geniale Release all jenen Schwarzkitteln und Wildsauen ans Herz legen, die sich nach authentischem Black Metal der alten Schule sehnen, bei dem Chaos und Erhabenheit noch Hand in Hand gehen.