Burial In The Woods – Church of Dagon

Burial In The Woods - Church of Dagon

Dass ich epischen wie todessüchtigen Doom mag, dass wissen mittlerweile alle, die meine Rezensionen im Laufe der Waldhalla-Jahre mitverfolgt haben. Doch mitunter hab ich auch noch ganz geheime Vorlieben für ganz spezielle, nicht unbedingt Metal-affine Instrumente wie z. B. die Orgel entwickelt, welche bei vielen sicherlich sogleich mit der Kirche in Verbindung gebracht wird. Dass der Orgelsound ganz bestimmte Gefühle wecken kann und für ganz bestimmte Zwecke deshalb auch hervorragend im Metal taugt, das beweist uns die relativ frische Friedhofsmusik der einsamen Kapelle Burial In The Woods. Der Multi-Instrumentalist und -Okkultist Gerileme, der auch noch in weiteren Projekten wie z. B. Asche der Welten aktiv ist, feuert mit seinem Debüt ein mit allerschwerstem Doom angereichertes Orgelkonzert ab, das es in der Art nur selten zu hören gibt. Bereits die wundervolle Orgeleinleitung des ersten Stückes „Forbidden Pages“ scheint wie nicht von dieser Welt. Kein Wunder also, dass die Orgel hauptsächlich in der Kirche bzw. auch beim Theater oder in der Oper die bestmögliche Verwendung fand. Und auch wenn der Orgelsound auf dieser Aufnahme nur auf einem Keyboard simuliert ist, tut dies dem Hörgenuss keinen Abbruch – würde man es nicht wissen, würde man den Unterschied sowieso nicht merken. Die Aufnahme einer echten Orgel war zwar ursprünglich angedacht, doch Gerileme hat keine guten Erfahrungen damit gemacht, was auch zum langen Erliegen dieses Projektes führte. Nun kann man aber froh sein, dass Burial In The Woods doch nicht direkt im Wald verbuddelt worden ist.

Wenn wir schon bei dem Schlagwort „nicht von dieser Welt“ waren: Thematisch wird hier der imaginären sowie okkulten Schöpfung von H. P. Lovecraft gefrönt. Und auch wenn ich selbst keine detaillierten Kenntnisse über das Cthulhu-Universum habe, so vermag mir die Musik von Burial In The Woods indirekt eine sehr starke gefühlsmäßige Ahnung davon zu vermitteln. Sich beinahe mühsam dahin schleppendes Drumming, gelegentlich unheilvoll quietschende Gitarre, sich mit im Hintergrund aus bodenlosen Schluchten aufsteigenden Chören abwechselnd. Das natürlich von den unnatürlichen Orgelklängen begleitet, während die abgrundtief grollende Stimme von Gerileme scheinbar den Untergang allen Lebens heraufzubeschwören versucht. So muss Doom Metal tönen, der es sich zu Aufgabe gemacht hat, Horrorphantasien in den Hirnen der Hörer zu hinterlassen. Mit dem zweiten Track „Ecclesia Dagoni“ wird es viel ruhiger, extrem orgellastiger, und dafür bzw. gerade deswegen verdichtend atmosphärischer. Man kommt sich unweigerlich in einem fremdartigen Tempel bzw. der titelgebenden Kirche vor, auf die Erscheinung des unbekannten Meeresgottes (so zumindest meine kurze Recherche) wartend und bangend, nicht wissend, ob er einem wohl- oder doch vielleicht eher antagonistisch gesonnen ist. Dies ist Gefühlschaos pur! Die theatralischen Orgelklänge wirken dabei sehr ekstatisch, sie wecken eine Neugier sowie Sehnsucht nach dem Unfassbarem. Die kurz vorm Schluss einsetzenden lateinischen Gesänge krönen diese Komposition, welche in meinen Ohren das Herzstück dieser Aufnahme darstellt. „Growing Shadows“ schließt den etwas über 24-minütigen, aus nur drei Songs bestehenden Lovecraft-Kreis, indem das Stück, stilistisch betrachtet, wieder zum Opener zurückkehrt.

Nach dem drückenden Ausflug zu den Lovecraft-Phantasmen ist hier aber noch lange nicht die Zielgerade erreicht. Mit dem ellenlangen Cover-Song „Gölgerer Alemi“ (was aus dem Türkischen übersetzt „Reich der Schatten“ heißt) seiner ehemaligen Band Negatum, wird nochmals über 24 Minuten dem düsteren Doom nachgeeifert. Ein sehr stimmige Angelegenheit das Ganze, wo alle bis dahin aufgezeigten Stärken zu einer massigen Einheit zusammen gebündelt werden. Dem einen oder anderen wird das Stück aber sicherlich viel zu langatmig erscheinen. Ich für meinen Teil kann damit sehr gut leben, möchte mir aber für die Zukunft noch mehr Songs des Kalibers „Ecclesia Dagoni“ wünschen, welche die Orgel viel stärker in den Vordergrund rücken. Halt mehr von so etwas, wie die Einleitung von „Forbidden Pages“, die wie nicht von dieser Welt zu sein scheint. Aber damit werde ich wohl so ziemlich alleine auf weiter Flur stehen.

Eine Erwähnung wert ist auch die Tatsache, dass im Digipak eine Aufforderung zum Schutz der Wälder abgedruckt ist. Und das ist uns noch einen weiteren Waldhalla-Pluspunkt wert!