Countless Skies – New Dawn

Countless Skies - New Dawn

Es gab Zeiten, da hätte ich mich über eine Neuentdeckung bei Melodic-Death-Metal-Bands wahrscheinlich nicht so gefreut wie heute. Ehrlich gesagt, hatte ich mich – wenn man mal von ein paar Ausnahmen absieht – zwischenzeitlich an dem Genre doch einigermaßen satt gehört. Aber wie bei einer leckeren Lieblingsspeise, derer man vielleicht überdrüssig geworden ist, weil man es mit ihrem Verzehr übertrieben hat, findet man doch immer wieder seinen Weg dorthin zurück. Man bleibt halt gerne bei dem, wovon man weiß, dass es einem schmecken wird.

Man muss Countless Skies allerdings auch zugutehalten, dass sie genau zum richtigen Zeitpunkt in Erscheinung treten. Mag sein, dass sie noch vor ein paar Jahren nicht so viel Aufmerksamkeit bei mir erregt hätten. Mit ihrem ersten Langspieler „New Dawn“ präsentiert sich die Band aus dem englischen Hertfordshire jedoch abwechslungsreich und aufregend genug, um aus der breiten Masse hervorzustechen. Vergleiche mit den „Großen“ aus diesem Genre zu ziehen, mag immer auch ein bisschen schwierig sein. Trotzdem erinnern mich Countless Skies in einigen Momenten stark an Insomnium. Wenn man es genau nimmt, ist das allerdings eine viel zu oberflächliche Betrachtung. Mich mag stellenweise der Aufbau der Melodien oder die Struktur der Songs an das erfolgreiche Vorbild aus Finnland erinnern – sieht man allerdings genauer hin, dann hinkt der Vergleich stark.

Aber immer der Reihe nach. Auf den ersten Metern von „New Dawn“ machen Countless Skies – die sich im Übrigen nach dem gleichnamigen Song der Band Be’Lakor benannt haben – zugegebenermaßen nicht viel anders, als viele ihrer Kollegen. Sie schwimmen im Fahrwasser eines grundsoliden Melodic Death Metals mit klassischen Elementen: Starke Melodien und kräftige Growls. Unter den gegebenen Umständen reicht das im Grunde schon aus, um mich zu begeistern. Nach einem ordentlichen Intro (welches mich beispielsweise wieder an Insomnium erinnert, wo wie gerade beim Thema waren), startet „New Dawn“ mit den Songs „Heroes“ und „Incendium“ auf die bereits erwähnte, klassische Art und Weise. An beiden Songs ist nichts auszusetzen, aber Vergleichbares hat man schon des Öfteren gehört. Falls an dieser Stelle Enttäuschungen auftreten mögen, können diese verständlich sein, werden aber spätestens mit dem vierten Stück des Albums „Solace“ aus der Welt geräumt. Die Geschwindigkeit wird eine Stufe zurückgenommen, die Melodiendichte steigt, eine akustische Gitarre darf ihr Debüt feiern und – das ist die eigentlich bemerkenswerte Unterscheidung – die Band setzt hier erstmals auf den dieses Album hervorhebenden Klargesang. Melodic Death Metal und Klargesang? Hatten wir das nicht auch schon zu Genüge? An sich ja, in diesem speziellen Falle nein. Denn Countless Skies schaffen es auch hier aus der Masse hervorzustechen. Ein wenig muss ich zugeben, dass mich ihre Klargesangparts stark an guten Power Metal erinnern.

Beinahe schon heldenhaft preschen die klaren stimmlichen Momente in „Solace“ in den Vordergrund. Das nachfolgende „Daybreak“ setzt dem noch einmal die Krone auf. Der Song bietet fast schon mehr Power als Melodic Death. Spätestens an dieser Stelle wird klar, dass die Engländer die Symbiose der beiden Stile gekonnt in Szene setzen können. „Ethereal“ mag augenscheinlich ähnlich wie „Solace“ klingen, bringt jedoch wieder eine andere Facette des klaren Gesangs ins Spiel, der hier lediglich vor sich hin gesprochen wird. Mit „Wanderer“ erreichen wir meiner Meinung nach den Höhepunkt des ganzen Albums. Ich finde, dass besonders in diesem Stück alle Einzelteile gut ineinandergreifen. Die deftigen Parts halten sich mit den sanften Momenten die Waage, Spannung wird aufgebaut und explodiert schließlich in Melodien, die sofort ins Ohr gehen. Zum guten Schluss läutet „Return“ den Ausklang eines mehr als gelungenen Albums ein und bringt noch einmal alles, was „New Dawn“ auszeichnet, zusammen. Vielleicht reizen Countless Skies in diesem Song das Stilmittel des Spannungsbogens ein wenig zu sehr aus, aber darüber kann man getrost hinwegsehen.

Ein kurzes Fazit zum Schluss: Vielleicht ist „New Dawn“ kein Meilenstein in seinem Genre und setzt bestimmt auch keine neuen Maßstäbe. Das Album ist aber absolut auf den Punkt gebracht und technisch einwandfrei. Dabei folgt kein Song dem gleichen Muster, wie seine Vorgänger; es ist immer eine gewisse Individualität der einzelnen Stücke erkennbar.