Créatures – Le Noir Village

Créatures - Le Noir Village

Für aus dem allseits bekannten Rahmen fallende Musik-Konzepte hatte ich schon immer ein gewisses Faible. So konnte ich mich beispielsweise augenblicklich für die märchenhafte Black Metal Operette „Die Liebe Gottes“ von Samsas Traum begeistern, während andere es verabscheuten. Zugegeben, mit anderen Werken dieser kontroversen Band konnte ich später auch nichts mehr anfangen, aber dieses erste Album finde ich immer noch sehr erfrischend anders. Ebenso bin ich nun dem kürzlich erschienenen Debüt „Le Noir Village“ der französischen Ein-Mann-Kapelle namens Créatures zum Opfer gefallen. Dies ist ebenso keine Beschallung von der Stange, sondern vielmehr eine Art von passenden Horror-Bildern umrahmtes und mit schauerlichem Black-Metal-Sound aufgenommenes Theaterstück des Grauens, welches, grob geschildert, die Geschichte eines von schrecklichen Monstern angegriffenen Dorfes aus dem zwölften Jahrhundert anhand von Dialogen zwischen mehreren Charakteren erzählt. Das ist wirklich mal was anderes…

Das Gesicht, welches die Fäden dieses Konzeptalbums in seinen Händen zusammenhält, gehört zu Sparda, einem scheinbar skelettierten Phantom des Friedhofs, wie man anhand der Booklet-Fotos mit der Schädelbemalung annehmen könnte, und einem Mitglied der französischen Band Hanternoz. In seinem theatralischen Stück übernimmt er selbst die Stimme des Charakters Lothaire (Lothar) und auch noch die Gitarre, den Bass, das Piano, die Orgel, die Okarina, das tibetische Blechblasinstrument Dungchen, den Gong, die Klangschalen und, als ob das wirklich nicht genug wäre, die himmlischen Chöre. Wie man daran nur unschwer erkennen kann, ist er ein echter Mehrinstrumentalist. Die anderen Instrumente wie z. B. das Schlagzeug, das Cello oder die Violine sowie die übrigen Gesangsparts der anderen Charaktere werden von zahlreichen Gastmusikern übernommen. So gesehen muss die Realisierung dieses Albums wohl ein ganz schön aufwendiges Unterfangen gewesen sein, was sich auch anhand des ziemlich langen Zeitraums von ca. sieben Jahren zwischen dem bereits 2009 erschienenem Demo und diesem Debüt ablesen lässt.

Der Opener „L’Horreur des Lunes Pleines“, welcher noch am ehesten als eine reine Black-Metal-Nummer durchgehen könnte, ist noch nicht wirklich ganz überzeugend. Aber bereits der zweite Song über eine verlassene Leiche weiß mit der schönen, auf Französisch vorgetragenen Gesangsmelodie direkt zu verzaubern. Die französische Sprache bringt diesem opernhaften Konzept noch extra Bonus-Punkte ein, da sie meiner Meinung nach viel besser als andere Sprachen zu der monströsen Thematik zu passen scheint. Ohne gute Französisch-Kenntnisse wird man, so wie bei mir der Fall, der Erzählung jedoch nicht wirklich folgen können. Nichtsdestotrotz können die schön gezeichneten Bilder im Booklet ebenso wie die vielen unterschiedlichen im Sound verwobenen Nebengeräusche die Phantasie des Zuhörers beflügeln und ihm so eine instinktive Vorstellung der Geschehnisse vermitteln. Die teilweise sehr symphonisch und von Ambient-Einflüssen durchtränkte Musik wirkt auch oftmals sehr geisterhaft, wenn nicht stellenweise sogar etwas karnevalistisch angehaucht. Die vielfältigen metallischen Wurzeln dominieren aber ganz eindeutig das akustische Gesamtbild. So fängt der nächste, dritte und auch längste Song „Martyre d’un Tanneur“ mit einem absolut schönen Riffing an, geht dann in eine ganz ruhige Violinen-Passage über, nur um anschließend nochmals sehr wuchtig und mit einer ganzen Breite an Vielseitigkeit aus dem Gefängnis der Klangarmut auszubrechen. Die verbliebenen Songs, nochmals drei an der Zahl, machen da konsequent weiter und sind ebenso schön mannigfaltig wie allesamt eigenartig ausgefallen. In dem Zusammenhang muss man erwähnen, dass Spardas Kompositionen sich nie überladen anhören, trotz der vielen eingesetzten Instrumente und Stilmittel. Alles scheint hier sehr durchdacht und jeder Ton an der richtigen Stelle platziert. Die Lieder fügen sich problemlos zu einem homogenen Album zusammen, was in einem von Freude umspannten Hörgenuss ausartet. Bravo!

Kurz gesagt: Ich mag solche musikalischen Konzepte und möchte dieses Album von daher jedem ans Herz legen, der, ähnlich wie meine Wenigkeit, für vielen Einflüsse offen ist und sich stets auf der Suche nach etwas Besonderem befindet. Wenn man z. B. auf The Vision Bleak oder auch EwiG (Eden weint im Grab) steht, dann sollte man hier unbedingt ein Ohr riskieren, denn aus meiner Sicht ist „Le Noir Village“ einfach nur höchst empfehlenswert!


I’ve always had a certain affection for music concepts that are special. For example, I was instantly inspired as I listened to the fairy-tale black metal operetta „Die Liebe Gottes“ by Samsas Traum, while others hated it. I have to admit, that I don’t liked any other work of this controversial band, but I still think their first album is refreshingly different. Likewise, I have now become a victim to the recently released debut „Le Noir Village“ of the French one-man-band called Créatures. This is not just standard music, but rather a kind of a theatre play framed with horror pictures and horrible black metal sound, which roughly portrays the story of a village from the twelfth century (that is attacked by terrible monsters) through dialogues between several characters. This is really something different…

The face, which holds the threads of this concept album in his hands, belongs to Sparda, a seemingly skeletal phantom of the cemetery, as might be assumed by the booklet photographs with the skull painting, and a member of the French band Hanternoz. In his theatrical show, he takes over the voice of the character Lothaire (Lothar) as well as the guitar, the bass, the piano, the organ, the ocarina, the Tibetan brass instrument dung chen, the gong, the singing bowls and, as if that really would not be enough, the celestial choirs. As one can only see without difficulty, he is a true multi-instrumentalist. The other instruments such as the drums, the cello or the violin as well as the other vocal parts of the other characters are taken over by numerous guest musicians. In this sense, the realization of this album must have been a very elaborate undertaking, which can also be seen in a rather long period of about seven years between the demo released in 2009 and this debut.

The opener „L’Horreur des Lunes Pleines“, which is still the most likely to go through as a pure black metal song, is not really quite convincing yet. But the second song about an abandoned corpse already knows to enchant with the beautiful, in French presented vocal melody. The French language adds extra bonus to this operatic concept, because in my opinion, it appears much better than other languages ​​on the monstrous topic. Without good knowledge of French, you won’t be able to follow the story. The beautifully drawn pictures in the booklet as well as the many different sounds and side noises can help the listener’s imagination to give him an instinctive idea of ​​happenings. Sometimes the symphonic and ambient influences seem often very ghostly, even a bit carnevalistic, but the diverse metal roots are clearly dominating the acoustic overall picture. So the third and longest song „Martyre d’un Tanneur“ begins with an absolutely beautiful riffing, then goes into a quite calm violin passage, only to be very powerful again and break out with a whole range of versatility from the prison of sound poverty. The remaining songs, three in number, continue to do so consistently and are just as beautiful and unique in its own way. In this context, it must be mentioned that Sparda’s compositions are never overloaded, despite the many instruments and styles. Everything seems very thoughtful and every tone is set in the right place. All songs fit together seamlessly into a homogenous album, which is a pleasure to listen to. Well done!

In short: I like such musical concepts and therefore would like to recommend this album to anyone who’s open minded to many influences and always looking for something special. If you like The Vision Bleak or even EwiG (Eden weint im Grab) for example, then you should definitely give it a try, because from my point of view „Le Noir Village“ is highly recommended!