Darkenhöld / Griffon – Atra Musica

Darkenhöld/Griffon – Atra Musica

Zwei Acts, die sich unter dem Banner einer einzigen Scheibe vereinen, um ihr Können der Welt zu präsentieren; mir scheint, als wären Split-CDs insbesondere im Black Metal ganz schön in Mode, oder? Das kann aber auch nur an meiner begrenzten Sichtweise der musikalischen Wirklichkeit liegen. Dabei lohnt es sich bei den beiden französischen Bands Griffon und Darkenhöld etwas genauer hinzuhören.

Mit der französischen Sprache hab ich es persönlich nicht so und vielleicht ist das der Punkt, weswegen mir der Zugang zu „Atra Musica“ insgesamt zuerst eher verwehrt blieb. Nachdem ich das gute Stück nun mehrmals durch meine Gehörgänge habe kreisen lassen, bin ich zwar immer noch nicht gänzlich überzeugt, ich kann aber zumindest verstehen, dass man Vergleichbares nicht an jeder Ecke findet. Man muss nur ein bisschen Nostalgie in zweifacher Form mitbringen. Zum einen muss man Gefallen an der mittealterlichen Stimmung finden, die insbesondere während der zweiten Hälfte der Scheibe, welche von Darkenhöld bespielt wird, zutage tritt. Und zum anderen wirkt „Atra Musica“ insgesamt ein wenig wie Old-School-Garagen-Black-Metal im professionellen Gewand.

Die ersten vier Songs dieser Split stehen den Parisern Griffon zur Verfügung. Und – man kann es nicht anders sagen – die Fünfertruppe legt mit ihrer Interpretation des mittelalterlichen Black Metals gleich von Anfang an richtig los. Leider verschleppt sich ihr Stil für meinen Geschmack bereits während der ersten beiden Tracks, und spätestens bei Nummer Drei im Bunde ist bei mir die Luft raus. Das mag aber auch daran liegen, dass meine Ohren in dem relativ monotonen Gehämmer mehr und mehr den Halt verlieren. Was Griffon bieten, ist grundsätzlich solide, mehr aber auch leider nicht. Völlig im Kontrast dazu steht „Interlude“, der letzte Song, den Griffon zu dieser Split beitragen. Und mit „Kontrast“ meine ich eigentlich „passt absolut nicht zum Rest“. Aber überraschenderweise geleitet der Song trotzdem gut hinüber in den zweiten Teil der Split…

…den Darkenhöld für sich beanspruchen und mich beinahe vom ersten Ton an völlig anders berühren. Hinfortgeweht ist die Monotonie und folkiges Gitarrenspiel sowie sanfte Flötenklänge – anstatt des zu erwartenden Black Metals – nehmen ihren Platz ein. Nun, ich muss zugeben, dass mich dieser Übergang nach wie vor überrascht. Und ich glaube, dass es genau dieses Wechselspiel ist, welches meine Meinung nach dem ersten Hördurchgang von „Atra Musica“ von reiner Ernüchterung hin zu einer vorsichtigen Neugier änderte.

Die oft nur flüsternde Stimme von Darkenhöld-Sänger Cervantes erinnert mich in den ersten Minuten an Dornenreichs „Hexenwind“. Dazu passt auch, dass Darkenhöld sich im Grunde genommen ebenfalls eher monoton präsentieren. Das ist mir jedoch erst auf den zweiten (Hör)Blick aufgefallen. Die Stärke dieser Aufnahme liegt – zumindest in meinen Ohren – definitiv in ihren Folk-Stilmitteln sowie den sanften Melodien, mit welchen die Band ihren Anteil an „Atra Muscia“ unterlegt. Ehrlich gesagt, wird es im letzten Song der Split „Citadelle d’Obsidienne“ sogar noch ein bisschen „fetzig“.

Am Ende eines jeden Hördurchlaufs von „Atra Musica“ ist es wie bei jedem vorherigen: Gerade die letzten Minuten schaffen es, das Ruder noch einmal herumzureißen und mich trotz der anfänglichen Skepsis zum Schmunzeln zu bringen. Ich würde diese Scheibe nicht zu meinen Lieblingen zählen, aber ich kann sie auch nicht einfach irritiert beiseite schieben. Mag sein, dass ich mit Griffon niemals warm werde und dafür Darkenhöld meinen Vorzug gebe. Eines schafft diese Split aber auf jeden Fall: Sie macht durchaus neugierig, und sei es nur durch den starken Kontrast des Materials der beiden hier vertretenen Bands.