Darkenhöld – Memoria Sylvarum

Darkenhöld – Memoria Sylvarum

Medieval Black Metal haben sich die Franzosen Darkenhöld auf die wehenden Fahnen geschrieben. Diesen zelebriert das Gespann von der Côte d’Azur bereits zum vierten Male auf Albumlänge, und wer die Musik der Herren bisher mochte, wird keine großen Überraschungen erleben. Nach wie vor wird melodischer Black Metal der älteren End-90er-Schule kredenzt, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das Ganze schön gefällig mit folkloristisch anmutenden Akustikgitarren und Männerchören gewürzt. Eine schmackhafte Mischung für den, der Black Metal eher mit Wäldern und alten Ruinen verbindet, als mit orthodoxer Christusverleugnung.

Auffällig ist, dass nach dem recht glatten dritten Album „Castellum“ das neue (so neu auch nicht, „Memoria Sylvarum“ kam bereits im Mai 2017 ans Licht, das französische Label Les Acteurs de l’Ombre Productions bringt aber die Tage eine auf 500 Einheiten limitierte LP-Version auf den Markt) gerade im Schlagzeugbereich schön roh klingt, ordentlich Druck auffährt und somit die schwedisch trocken produzierten Gitarren organisch unterstützt. Das Riffing ist dabei betont abwechslungsreich, manchmal sogar etwas zu sehr, so könnte der ein oder andere Part auch mal etwas ausgespielter daherkommen. Aber was meckere ich, die mannigfaltigen Ideen der Franzosen lassen die Platte frisch und archaisch zugleich klingen. Ein bisschen schade ist nur, dass der Medieval-Anteil sich auf die Akustikeinlagen und die französische Lyrik beschränkt. Ein paar Keyboard-Orgeln im Hintergrund geben den einzelnen Stücken noch etwas Sakrales mit auf den Weg, grundsätzlich klingen Darkenhöld aber auch auf Album Nummer vier mehr „nur“ nach Black Metal nordischer Prägung. Wer also Dudelsäcke, Drehleiern und Flöten sucht, muss eher bei Landsmännern wie Bran Barr oder Heol Telwen ein Ohr riskieren. Die Meisten werden aber ganz froh sein, dass die bisweilen nervigen Mittelalterinstrumente nicht ihren Weg in die Musik von Darkenhöld gefunden haben. Eher äugen die Franzosen leicht in Richtung Dungeon Synth, wenn auch nur kurz beim nicht einmal zwei Minuten langen Zwischenstück „La Grotte de la Chèvre d’Or“.

Ansonsten ist es bei Darkenhöld wie immer, die Franzosen sind sympathisch, die Musik ist nett, die Platte ist sauber eingespielt, mit anheimelnder 90er Produktion gesegnet (auf LP-Sound kann ich leider nicht eingehen, vermutlich wurde aber am Mix nichts verändert) und so von vorne bis hinten einfach gut durchzuhören. Und da ist die Krux bei der ganzen Sache. Richtige Widerhaken im Ohr oder im Gedächtnis bleiben aus, selbst nach mehrmaligem Hören macht die Platte Spaß, hängen bleibt jedoch wie bereits bei den Vorgängern auf Dauer wenig. Ein Ausbruch aus der Songwriting-Formel, veränderter Gesang, vielleicht mal völlig andere Keyboard-Sounds, das könnte alles für Auflockerung sorgen. Durchaus vergleichbar wäre zum Beispiel die letzte Evilfeast-Platte, die vor genialen Momenten nur so glänzt, gerade da geht den Franzosen ein wenig die musikalische Theatralik und Phantasie ab. So kann man tatsächlich keines der Stücke namentlich herausheben.

Dennoch gilt bei „Memoria Sylvarum“, dass Fans des Genres oder Bands wie Aorlhac oder Sühnopfer gut bedient werden, denn grundsätzlich hat man mit den Franzosen seinen Spaß, wenn auch nur für die Zeit des Hörens, aber leider nicht darüber hinaus.