Der Blutharsch – What makes you pray

Der Blutharsch - What Makes you Pray

Es gibt Bands, bei denen man erst einmal stutzten muss, wenn man ihre Namen hört oder liest. Eine in diese Kategorie sehr passende Skurrilität ist Der Blutharsch and the infinite church of the leading hand (einfachheitshalber nur zu Blutharsch abgekürzt). Aber anders als bei einigen anderen Strange-Name-Vertretern, die nur mit einer seltsamen Bezeichnung punkten können, ist beim Blutharsch auch die musikalische Ausrichtung abseits jeglicher Normen und Konventionen, wie das mir vorliegende Album „What makes you pray“ sehr deutlich macht. Unbekannt ist hier das richtige Stichwort, denn das, was hier aus den Boxen strömt, lässt sich nicht wirklich einem definierten Genre zuordnen. Gleich der fast zwölfminütige Eröffnungstrack „Shine“ ist randvoll mit einer spirituell-meditativer Stimmung angereichert, genauso wie der Rest der CD eigentlich, die aus subtilen Melodien, kosmischen Geräuschen, religiös-rituellen Instrumentarien wie Hintergrundgesängen oder wabernden Gitarren sich zusammenzusetzen scheint. Und damit dies nicht vielleicht zu einschläfernd wirken kann, werden alle Songs von recht abgefahrenen Rhythmusabfolgen getragen. Dark Ambient ist womöglich die zutreffendste Beschreibung, wenn auch nicht wirklich zutreffend. Alles klar? Ich werde zumindest des Öfteren an diverse Naturreligionen erinnert, nicht zuletzt wegen dem knallbunten Cover-Artwork mit den seltsam aussehenden Figuren, die in irgendeinem vietnamesischen Tempel stehen. Und hier sind wir wieder bei dem Unbekannten angelangt, das in jeder CD-Ritze präsent ist: Unbekannte Töne, unbekannte Gefühle, göttlich-magische Klänge und, wenn auch nur spärlich eingesetzt, kräftige sowie gehaltvolle, fast schon anprangernde Gesänge. Und über all dem thront die im Raum offenstehende Frage: What makes you pray? Ja, was lässt dich beten Mensch? Wenn ich eine Antwort darauf liefern müsste, würde ich ganz klar sagen: Ängste! Religionen sind doch eigentlich nur Katalysatoren für Urängste aller Arten. Ja, die Angst macht den Menschen klein, lässt ihn auf den Knien kriechen und sich unterwürfig wie ein Gewürm (das soll jetzt keine Beleidigung der Würmer sein) verhalten. Die Angst vor unbekannten Phänomenen, vor Schmerzen und dem Tod, doch vor allem vor dem unbekannten Dasein bzw. Nichtdasein nach dem Tod, dem sich in Pups-Gase Auflösen. Sich solche Vorstellungen vor Augen haltend, bekommt die Musik des Blutharsches eine zusätzliche Dimension, welche die ertönenden Klänge sehr interessant und alles andere als langweilig macht, so dass ich hier von einer nicht zu klassifizierenden, aber dennoch mirakulösen Musik sprechen möchte. Checkt es einfach an! Wie ich immer zu sagen pflege: Wer Angst hat und sich nicht traut, wer aufgibt ohne es zu versuchen, der hat bereits verloren.

Für eine grobe Peilung sei noch hinzugefügt: Wer „Sorgsendömet Fobos“ von Tusen År Under Jord mag und auch Bald Anders gar nicht so anders findet, der dürfte auch hier goldrichtig liegen.