Devilgroth – Ivan Grozny

Devilgroth - Ivan Grozny

Der Winter steht vor der Tür, es wird (zumindest nach dem uns bekannten, natürlichen Lauf der Jahreszeiten, der leider immer öfters aus dem Rahmen fällt) immer kälter und kälter, und das von Tag zu Tag… Für den Black Metaller die perfekte Witterungslage, um den schwärzesten, kältesten Stahl passend dazu auf dem Plattenteller zu drapieren oder in den Player einzulegen. Doch wo wird das kälteste Schwarzmetall der Welt kreiert? In Norwegen wie auch auf Island natürlich, doch freilich auch dort, wo die Temperaturen so tief fallen können wie nirgendwo sonst, nämlich in Sibirien. Eine Band aus diesem weitläufigen Landstrich, aus Nowosibirsk, der größten Stadt Sibiriens, hört auf den Namen Devilgroth. Ihr letztes, 2017 veröffentlichtes aber immer noch aktuelles Album „Ivan Grozny“, welches sich thematisch mit dem titelgebenden Schreckensherrscher und der Zeit der Wirren, der sogenannten Smuta auseinandersetzt, ist ein Beispiel der frostigsten Black-Metal-Kunst überhaupt.

Die mit „Tsar“ einsetzende, schwarzkalte und sich wie eine weiße, dicke Schneedecke über das Gemüt legende Soundresonanz durchzieht alle acht Stücke des Albums und lässt diese fest zu einer homogenen Einheit verschmelzen. Dabei kommt dem irgendwie wehleidig tönenden Gesang von Hermit bzw. Aarsland, dem Hauptdrahtzieher hinter diesem Projekt, eine ganz besondere Bedeutung zu, denn damit wird eine ganz spezielle, schwer lastende und unnachahmlich fest drückende  Stimmungsregung beim Hören erzeugt, welche das Album mit einer außergewöhnlichen Ausstrahlung auskleidet und den Hörer mit ihrer Schwere schon fast zu Boden bringen vermag. Dieser Gesang wirkt gleichzeitig aber auch irgendwie meditativ oder vielmehr archaisch. Er ist auf jeden Fall sehr einnehmend und wohl deshalb auch als einzigartig im Black-Metal-Bereich zu betrachten. Um von dieser sanften stimmlichen Wucht nicht erschlagen zu werden, muss man aber erst in der Lage sein, sich wirklich gut in dieses Werk hineinhören zu können, was sicherlich nicht jedem gleich gut gelingen wird. Auf der rein instrumentalen Ebene mag dies indes ein wenig anders ausschauen bzw. lauten. Die auffällig klirrende Leadgitarre, welche von einer ganz persönlichen Art zu spielen zeugt und den eiskalten sibirischen Black Metal nicht besser hätte repräsentieren können, ist absolut hervorstechend. Zuweilen hat man das Gefühl, als ob Eiszapfen abbrechen und auf einen niederprasseln würden, dermaßen charakteristisch ist Hermits ganz eigener Spielstil auf der Gitarre. Eine oftmals sehr doomig und schwer trabende Kulisse verdeutlicht gekonnt diese Kälte, die sich hier und dann in schnellen musikalischen Lawinen entlädt und alles mit sich niederzureißen droht. Gerade in den letzten beiden, rein instrumentalen Stücken „Silence of the Sky“ (hier wird es sogar sehr melodisch) und „Smuta“ bekommt man einen arg guten Überblick über die spielerische Klasse von Devilgroth. „Ivan Grozny“ ist definitiv ein Album, das in jeder Black-Metal-Sammlung stehen sollte!

Neben der Standard-Jewelcase-Ausgabe gibt es von diesem Album auch eine limitierte Special Edition, die in einem handangefertigten sowie signierten A5-Buch daherkommt und zusätzlich noch die beiden älteren Werke „Landschaft“ und „Songs of the Polar Night“ beinhaltet. Noch mehr in Musik eingefangene Kälte kriegt man nirgendwo sonst!