Draugnim – Vulturine

Draugnim - Vulturine

Echt mal Leute, so sehr ich die Hausarbeit auch hasse, aber als ich letztens beim Bügeln den ersten Track der neuesten Draugnim-Scheibe gestartet hatte, fluppte es mit der Wäsche erst recht! Das Bügeleisen bewegte sich quasi wie von selbst zum Takt, und ich war echt gewillt den sich vor mir auftürmenden Berg Kleidung abzufertigen. Abermals diese genialen und epischen Gitarren- und Keyboard-Klänge zu vernehmen, machte mich sehr glücklich! Dieses Release wäre doch fast spurlos an mir vorbeigegangen, da er doch irgendwie recht unscheinbar veröffentlicht wurde – obwohl es das erste Album nach sechs langen Jahren ist. Die Band bewegt sich meinem Gefühl nach wohl gern etwas im Hintergrund und schätzt Publicity nicht so sehr. Es gilt also, die Musik für sich zu entdecken! Die Finnen paddeln nämlich in ihrem ganz eigenen Fahrwasser, in dem sie auch auf ihrem dritten Album verharren. So à la Motörhead möchte ich sagen, wo man stets weiß was einen erwartet.

Anders als bei ihrem Debüt „Northwind’s Ire“, braucht der neue Zündstoff allerdings etwas länger, um in die Luft bzw. den Hörgang zu gehen. Wie aber zu Anfang schon erwähnt, haut einen der erste Track „That Name is Hate“, nach einem gemächlichen Rauschen und Knacken, bereits in der zweiten Spielminute aus den Latschen. Die Mähne möchte sich sogleich im Takt mit bewegen und die Sinne erfreuen sich draugnimscher Melodien, bei denen man auch bei einigen Passagen einfach mal die Augen schließen und sich nordischen Landschaften vor dem inneren Auge hingeben kann: Weite schneeverwehte Anhöhen, sich auftürmende Berge und tiefe, dunkle, zerklüftete Täler. Auch wenn die Band meist im Mid-Tempo-Bereich rumdümpelt, ist der dritte Song „A Passage in Fire“ mit etwas mehr Druck, nebst einiger Blastbeats, aufgebaut. Stets und unverkennbar untermauern die Leadgitarren das komplette musikalische Gewand. Die Epik und Dramatik, mit der die Mannen von Draugnim zu Werke gehen, ist so gewaltig wie ein symphonischer Schneesturm, der einem durch die Ohren pfeift. Absolute Hörempfehlung: „Drums of Black Death“. Heroische Melodien paaren sich hier mit dem mürben, rauen Gesang, und auch hier möchte man wieder dem Wunsch, die Birne zu diesen überragenden Melodien zu schütteln, nachgeben. Jeder der sechs Songs liegt etwa bei einer Spielzeit von sechs bis neun Minuten – genug Zeit also, damit sich Härte, Melancholie und Atmosphäre entfalten können.

Draugnim - Vulturine (Booklet)

Vom Erscheinungsbild hat sich das Trio jedoch etwas verändert. Ich würde es mal als „creepy“ bezeichnen. Die Promofotos wirken irgendwie orkisch oder zombiemäßig (Ich mag Orkse und Zombies! Haha…) und verleihen der Musik eine gewisse Authentizität. So als kämen die Kompositionen irgendwo aus einem dunklen Erdloch, mit kriechendem Gewürm und Wurzelwerk verhangen. Das Cover wirkt dann leider nicht mehr so spannend. Irgendwie sieht’s mehr nach Standard-Black-Metal-Krach aus, was es aber glücklicherweise nicht ist! Fans von Summoning, Ereb Altor oder Bathory sollten hier mal ein Ohr riskieren.

So, der zu bügelnde Haufen ist nun schneller kleiner geworden als gedacht. Habe mir jetzt eine Ballerbrause verdient.