Drudenstein – Bronz’ne Zeiten

Drudenstein - Bronz'ne Zeiten

Wenn ich so darüber nachdenke, dann stimmt es schon, dass ein gut gewählter Bandname bereits alleine bestimmte Menschen anlocken, deren Aufmerksamkeit wecken und lenken sowie zum Teil für den Erfolg eines Musikprojektes mit verantwortlich sein kann. Ein schlechter kann natürlich eine umgekehrte Wirkung haben. Logisch, oder? Drudenstein haben sich glücklicherweise einen echt guten Namen ausgesucht, denn dieser lässt schon beim Klang sogleich volkstümliche Assoziationen aus dem kollektiven Unterbewusstsein an die Oberfläche emporsteigen und uns gedanklich zu alten Zeiten zurückwandern, als der Mensch noch ein Teil der Natur war und die Welt noch kaum etwas von seiner Hand zu spüren bekam. Das neu gestaltete Logo mit Eichenblatt, Rabe und Waldgeist liebkost das Auge und betont auf eine harmonische Art und Weise diese naturbezogene Ideologie, was sehr zu gefallen weiß. Rein optisch und haptisch kann „Bronz’ne Zeiten“, Drudensteins drittes Tape bereits, sofort überzeugen. Doch leider ist es auf der akustischen Ebene nicht ganz so sonnig um Drudenstein bestellt. Klar, hier geht es blackmetallisch und pagan bzw. folkig zu, aber schon beim an erster Stelle platzierten Titeltrack wird man feststellen müssen, dass der Sound irgendwie sperrig, vielleicht schon ein wenig erzwungen oder gar etwas verbissen wirkt. Der Song will mir einfach nicht rund ins Ohr gehen. Eckig, kantig, ja fast schon grantig quetscht er sich da vielmehr rein. Woran liegt’s? Zu einem Teil bestimmt an dem eintönig und recht kraftlos programmierten Schlagzeug und der zu laut und somit viel zu vordergründig aufgenommenen Gesangsspur. Zum anderen vielleicht auch am Nichtvorhandensein einer gewissen Leichtigkeit bzw. Unbeschwertheit, die bei dem hauseigenen und größtenteils instrumentalen Release „Fragmente: Alvhemmen“ dagegen in Masse vorkommt. Wenn T.W. ein Spagat zwischen den beiden Extrema gelingt, dann findet er womöglich die goldene Mitte.

Dennoch, auch hier gibt es einige Lichtpunkte, die ein Auseinandersetzen mit der Musik von Drudenstein rechtfertigen. Die Sprachpassage zu Beginn des dritten Songs „Die siebte Verlautbarung“ erinnert mich etwas an „Die Liebe Gottes“ von Samsas Traum, was auch hier echt gut rüber kommt. Eine klasse Idee ist auch der etwas später einsetzende Chorgesang! Doch hier wird diese kurzzeitig schwebende Atmosphäre von der viel zu harsch eingesetzten E-Gitarre sowie dem (wie schon gesagt) zu lauten und harten Gesang niedergemetzelt. Beim anschließenden „Hochwohlgeboren“ passt wiederum alles gut zusammen. Da schwingt der Rhythmus der Komposition viel mehr im Einklang mit dem Puls des Lebens, was diesen Song zu dem besten aus den bronz’nen Zeiten macht. Und auch „Schwarze Samen“, ein sehr malerischer und bedeutungsschwangerer Titel, glänzt ab der zweiten Hälfte mit einer wirklich gelungenen Gitarrenmelodie, die sich sehr ausladend und atmosphärisch ausdehnt. Von so etwas würde ich mir mehr auf dem kommenden Release wünschen. Was noch nicht ist, kann jedoch werden, und das vielleicht schon schneller als man denkt, denn beim nächsten Drudenstein-Output wird sich einiges ändern, wie ich schon im Vorfeld erfahren durfte. Nicht nur in Bezug auf die Produktion, sondern auch auf das Songwriting und die Einbeziehung eines echten Drummers. Und vielleicht wird der Gastsänger Körpserizer, welcher dem letzten, sich schwerlich dahinschleppenden Track „Apophenia“ seine Stimme lieh, auch zukünftig mehr Vocals übernehmen. Seine flüsternde Stimme passt nämlich recht gut zu dem Drudensound…

Wer sich nicht sein ganzes Leben lang von nur einer Sorte Wurst und Käse ernährt, der wird mit Bestimmtheit auch hier eine interessante Geschmacksnote für sich entdecken können. Immerhin hat man mit „Bronz’ne Zeiten“ ein schön dekoratives Tape im Regal stehen, in dem definitiv einiges an wachsendem Potential schlummert. Freunde des „grünen“ Metals sollten das Tape auf jeden Fall mal etwas genauer belauschen!